LOKALMIX

Protesttag: Der Druck für Apotheken wächst

ls; 17.03.2026, 20:00 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung/Sebastian Gissinger (Text 2) --- Lisa Judt wirbt für die Petition, die in ihrer Apotheke ausliegt - genau wie viele ihrer Kollegen,s chließt die Bergneustädterin am Montag ihr Ladenlokal.
LOKALMIX

Protesttag: Der Druck für Apotheken wächst

ls; 17.03.2026, 20:00 Uhr
Oberberg – Viele Apotheken schließen im Kreis am kommenden Montag ihre Ladenlokale, um die Bundesregierung zum Handeln zu bewegen – Petition gestartet.

Von Leif Schmittgen

 

Geht es nach der Ansicht der Apothekerin Lisa Judt, verschärft sich die wirtschaftliche Situation der inhabergeführten Apotheken in Deutschland zunehmend. „Seit 13 Jahren hat es keine Anpassung der Honorare gegeben“, berichtet die Bergneustädterin im Gespräch mit OA. Für verschreibungspflichtige Medikamente gibt es derzeit eine Pauschale von 8,35 Euro sowie drei Cent auf jeden Euro, die Betriebskosten aber erhöhen sich stetig. Freie Preisgestaltung ist den Apothekern bei rezeptpflichtigen Arzneimitteln untersagt. Wie Judt berichtet, hat sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag auf 9,50 Euro verständigt. Wann die Erhöhung allerdings Realität wird, ist unbekannt.

 

Deshalb möchten die meisten Apotheker im Oberbergischen Kreis ein Zeichen setzen und schließen am kommenden Montag, 23. März, ihre Ladenlokale. „Es ist kein Signal gegen unsere Kunden, sondern eher für sie“, meint Judt und macht zugleich Werbung für die aus ihrer Sicht wichtige gesellschaftliche Bedeutung ihrer Zunft. Beratung spiele beispielsweise eine wichtige Rolle bei der Medikamenteneinnahme.

 

Zusätzlich liegt in der Apotheke zur Post von Lisa Judt eine Petition aus, in der Kunden mit ihrer Unterschrift zu einer schnellen Umsetzung der Gebührenerhöhung plädieren können. Diese soll dann zeitnah dem Bundestag in Berlin übergeben werden. Unberührt von der Aktion sind übrigens die Notdienstapotheken. Eine ist im Oberbergischen Kreis laut Judt jeweils für zwei bis drei Kommunen zuständig, sodass die Versorgung im Notfall jederzeit gewährleistet sei.

 

WERBUNG

„Alle 17 Stunden schließt in Deutschland eine Apotheke“, betont Sebastian Gissinger (Foto links), Vorstandsmitglied des regionalen Apothekerverbandes, und schaut dabei auf den Zeitraum von drei Jahren zurück. Derzeit gibt es in Deutschland noch gut 16 000 Apotheken, Tendenz sinkend. Der Verband hatte bundesweit um Beteiligung am Protesttag geworben, um ein deutliches Zeichen zu setzen. „Sind die Einrichtungen erst einmal weg, dann bleiben sie auch weg“, so der selbstständige Unternehmer aus Engelskirchen-Ründertoth. Die Zeiten der „Apothekerpreise“ seien längst passé.

 

Etliche seiner Kollegen würden lieber als Angestellte arbeiten, weil sie dann eine tariflich festgelegte Vergütung erhalten. Viele Inhaber dagegen arbeiteten deutlich unter Tarif, was auf Dauer zu einer Unterversorgung besonders in ländlichen Kommunen führen könnte. Als weitere Existenzbedrohung sieht Gissinger die Vermittlung von teuren Medikamenten, für die die Inhaber zunächst in Vorleistung gehen müssen. „Viele können 100.000 Euro nicht auslegen und müssen deshalb Kredite aufnehmen, die Geld kosten“, sieht Gissinger auch ein Liquiditätsproblem bei vielen, das durch sinkende Margen zusätzlich verschärft werde.  In der Regel würden die Krankenkassen das Geld erst binnen vier bis sechs Wochen rückerstatten.

 

Ebenfalls als zunehmend existenzgefährdend ordnet der Apotheker die Onlinekonkurrenz aus dem benachbarten Ausland ein, die ihre Preise oft frei gestalten. Die aktuelle Aktion aber habe mit deem umkämpften Markt nichts zu tun, vielmehr müsse die Bundesregierung nun schnell handeln.

WERBUNG