LOKALMIX

Eigenverantwortung statt Fahrverbot für Senioren

ks; 07.07.2026, 14:00 Uhr
Foto: Katharina Schmitz --- Nina Schurmann (r.), Senioren- und Pflegeberaterin für die Gemeinde Engelskirchen, zusammen mit Daniela Kindel, Opferschutzbeauftragte der Oberbergischen Kreispolizeibehörde.
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Eigenverantwortung statt Fahrverbot für Senioren

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ks; 07.07.2026, 14:00 Uhr
Engelskirchen – Daniela Kindel, Opferschutzbeauftragte der Kreispolizeibehörde im Bereich „Verkehr“, hat über die „Abgabe des Führerscheins“ im Alter gesprochen.

Wenn man den Führerschein macht, dann geht damit gefühlt eine fast grenzenlose Freiheit einher. Umso besser ist zu verstehen, wie schwer es sein kann, diese Freiheit wieder aufzugeben – nicht zuletzt im fortgeschrittenen Alter, wenn es irgendwann um die Frage geht, ob man sich noch guten Gewissens hinter das Steuer setzen kann oder das Autofahren lieber aufgeben sollte. „Das ist ein sehr heikles Thema – auch in den Familien“, weiß Daniela Kindel. Sie ist Opferschutzbeauftragte der Kreispolizeibehörde im Bereich „Verkehr“ und vergangene Woche zu einem Vortrag im Engelskirchener Rathaus zu Gast gewesen.

 

Eingeladen dazu hatte Nina Schurmann, die Senioren- und Pflegeberaterin für die Gemeinde Engelskirchen. Schurmann ist Ansprechpartnerin für Pflegebedürftige, Angehörige und Senioren. Erstmals hat sie nun zu einer Informationsveranstaltung zum Thema „Abgabe des Führerscheins“ im Alter eingeladen. Im Mittelpunkt standen dabei rechtliche Fragestellungen. 17 Personen hatten sich zu der Veranstaltung angemeldet – Senioren, die sich selbst mit dem Thema befassen, aber auch Angehörige, die sich fragen, wie sie damit umgehen sollen, wenn eine ihnen nahestehende Person immer noch selbst mit dem Auto fahren möchte, obwohl deren Fähigkeiten dazu merklich abnehmen.

 

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„Das Reaktionsvermögen lässt nach, man sieht schlechter“, sagt Daniela Kindel. Und eine verminderte Beweglichkeit wirke sich bei vielen auf den Schulterblick aus. „Mit Kameras kann man viel ausgleichen, aber nicht alles“, sagt die Polizistin. „Irgendwann ist der Punkt da, wo es nicht mehr so ganz funktioniert.“ Auch Erkrankungen spielen eine Rolle. So dürften sich Menschen, die an Epilepsie oder Parkinson erkrankt sind, nicht mehr hinter das Steuer setzen. Bei einer Demenzerkrankung hingegen kann das Autofahren zu Beginn noch möglich sein. Ein weiterer Aspekt: Medikamente, ihre Wechselwirkungen und ihre Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit. Betroffene sollten darüber mit ihrem Arzt sprechen.

 

Einem Bericht des Statistischen Bundesamtes zufolge sind Autofahrer im Seniorenalter vergleichsweise selten in Unfälle verwickelt. Wenn sie aber beteiligt sind, tragen sie deutlich häufiger die Hauptschuld. Ein generelles Fahrverbot für Senioren ab einem bestimmten Alter gibt es nicht. Allerdings habe die Behörde die Möglichkeit, im Einzelfall die Fahrerlaubnis zu entziehen. Haben Polizeibeamte beispielsweise bei einem Verkehrsunfall den Eindruck, dass jemand nicht dafür geeignet sei, ein Fahrzeug zu führen, dann können diese einen Bericht an das Straßenverkehrsamt mit Bitte um Überprüfung der Fahrtüchtigkeit schicken.

 

Eine zunehmende Unsicherheit, mehr und mehr Beulen und Kratzer am Fahrzeug, aber trotzdem keine Einsicht: In vielen Familien ist das Fahren im Alter ein Streitthema. Da kann es sogar so weit kommen, dass Menschen aus Sorge ihren Angehörigen den Autoschlüssel abnehmen. „Das hören wir häufig“, sagt Kindel. Sie appelliert deshalb dafür, das eigene Fahrverhalten zu reflektieren und Eigenverantwortung zu übernehmen. Eine Möglichkeit: den Führerschein selbst beim Straßenverkehrsamt abzugeben. „Das ist ein ganz großer Schritt. Aber vielleicht ist es ein kleinerer Schritt, das Auto abzugeben. Man muss den Führerschein ja gar nicht abgeben, man kann auch so aufhören zu fahren“, sagt die Polizistin. Das Auto könnte man vielleicht an ein Enkelkind weitergeben – und selbst beim Begleitenden Fahren unterstützen.

 

Viele Senioren würden beim Autofahren einen „Schockmoment“ erleben, der sie dazu bewegt, das Auto in Zukunft lieber stehen zu lassen, sagt die Polizistin. Dass mit der Abgabe des Führerscheins oder der Entscheidung, selbst nicht mehr zu fahren, ein Gefühl von Freiheitsverlust einhergehe, kann Daniela Kindel gut verstehen. „Aber man ist immer noch frei. Man muss sich anders organisieren, aber man kann Wege finden, trotzdem mobil zu sein“, sagt sie. Dabei verweist sie auch auf die Kosten eines Autos: Ob Tanken, Versicherungen, Reifen, Inspektion oder auch TÜV – wenn man das Autofahren aufgibt, könne man viel Geld sparen, und stattdessen Taxis, Öffentliche Nahverkehrsmittel oder auch den Bürgerbus nutzen.

 

Wer sich nicht sicher ist, wie es um die eigene Fahrtüchtigkeit steht, hat auch hier unterschiedliche Möglichkeiten. Kindel spricht darüber, dass man das Gespräch mit einem Arzt suchen und sich checken lassen sollte. Hilfreich kann auch sein, eine Runde mit Freunden oder Verwandten zu drehen, damit diese die eigene Fahrtüchtigkeit beurteilen können. Eine andere Option wäre, eine neutrale Person außerhalb der Familie miteinzubeziehen – etwa über eine Fahrschule, den TÜV oder auch den ADAC, um so Überprüfungsfahrten durchzuführen oder auch ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren.

 

Am kommenden Donnerstag, 9. Juli, ist Daniela Kindel zwischen 10 und 12 Uhr ein weiteres Mal im Engelskirchener Rathaus zu Gast. Dann wird die Polizeibeamtin konkret über nachlassende Fähigkeiten wie das Sehen, das Hören, die Beweglichkeit und das Reaktionsvermögen im Straßenverkehr sprechen. Anmeldungen sind möglich unter der Tel.: 02263/83-105 oder per Mail an nina.schurmann@engelskirchen.de. Weitere Informationen zur Senioren- und Pflegeberatung sind hier auf der Website der Gemeinde Engelskirchen zu finden.

KOMMENTARE

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Wenn ich mir die Unfallmeldungen der letzten Jahre auf Oberberg Aktuell Revue passieren lasse. fällt auf, daß (gefühlt) die meisten Unfälle von jungen Fahrern/Fahranfängern gemacht werden.
Natürlich sind auch viele ältere Autofahrer dabei, ohne Frage.
Aber wie gesagt fällt es mir auf, daß,eben sehr viele junge beteiligt sind.

Uli, 07.07.2026, 16:31 Uhr
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