LOKALMIX
Erst die Ausbildung, dann die Karriere
Wiehl – Die Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach hat die Firma Kind & Co. für ihre intensive Nachwuchsarbeit mit dem Ausbildungszertifikat ausgezeichnet.
Raus aus der Schule, rein in die Ausbildung – und dann am liebsten Karriere machen. Diesen Wunsch haben wohl viele Jugendliche. Möglich ist das zum Beispiel beim Edelstahlwerk Kind & Co. in der Wiehler Ortschaft Bielstein. 1888 gegründet, fertigt das Unternehmen hochwertigen Werkzeugstahl. „Damit bedienen wir eine absolute Nische, was Stahl angeht“, sagte Torsten Breitenfeld, Personalleiter bei Kind & Co., heute in einem Pressegespräch. Auf das Gespräch folgte der offizielle Teil des Termins: Das Unternehmen wurde mit dem Zertifikat für Ausbildungs- und Nachwuchsförderung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach ausgezeichnet.
Laut Nicole Jordy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, wird das Zertifikat seit mehr als zehn Jahren verliehen. Dabei wird jedes Jahr pro Region – also im Oberbergischen, im Rheinisch-Bergischen Kreis und in der Stadt Leverkusen – ein Unternehmen gekürt. Schon seit vielen Jahren gebe es den Trend, dass immer weniger Unternehmen Ausbildungen anbieten. „Dem wollen wir ein Zeichen entgegensetzen“, sagte Jordy – denn nicht zuletzt geht es dabei auch um die Sicherung von Fachkräften und die Zukunftsfähigkeit des deutschen Arbeitsmarktes. Dass es anders geht, zeigt das Bielsteiner Edelstahlwerk Kind & Co. „Viele machen hier eine Ausbildung – und dann Karriere“, sagte Jordy.
Rund 350 Mitarbeiter sind an dem Standort Bielstein tätig – und viele von ihnen haben dort selbst ihre Ausbildung absolviert. Dazu gehört auch Personalleiter Torsten Breitenfeld, der 1989 mit seiner Ausbildung bei Kind & Co. begonnen hat. Zahlen zur ganzen Belegschaft konnte er zwar nicht nennen, wusste aber, dass von den 37 Beschäftigten ab der Meisterebene und weiter aufwärts 18 „hier ihre Ausbildung gemacht“ haben. „Das ist ein Zeichen dafür, dass man sich hier entwickeln kann“, sagte er. Und: „Die Firma Kind & Co. hat immer davon gelebt, dass viele Mitarbeiter hier auch ihre Ausbildung gemacht haben.“ Aktuell gibt es bei dem Unternehmen 19 Auszubildende; zwei davon absolvieren ein duales Studium.
Seit Oktober 2024 gehört das Unternehmen zur GMH-Gruppe (OA berichtete). Auch die Gruppe lege viel Wert auf die Ausbildung, sagte Personalentwicklerin Sarah Sträter. Für die Firma Kind & Co. bedeutet das, dass das Angebot für die Azubis sogar ausgebaut werden konnte. „Wir haben jetzt zum ersten Mal mit der Gruppe ein Onboarding über fünf Tage gemacht. Dazu waren unsere Auszubildenden im Beverland-Resort in der Nähe von Osnabrück, wo die GMH-Gruppe ihren Hauptsitz hat“, erzählte sie. Neu sind auch die „Shooting Days“, bei denen sich die Azubis standortübergreifend kennenlernen können, Videos drehen und so Material für die Sozialen Medien erstellen können. Ein weiteres Plus: eine Kooperation mit den Unternehmen Dörrenberg und Kampf. So können die Auszubildenden auch Bereiche kennenlernen, die es im eigenen Betrieb nicht gibt.
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[Personalleiter Torsten Breitenfeld freut sich über das Ausbildungszertifikat.]
Besonders lobte Nicole Jordy, dass man bei Kind & Co. Rücksicht nehme auf die Bedarfe der Auszubildenden, sich den Menschen anschaue und nicht Noten an erster Stelle stehen würden, und dass man auch Kandidaten eine Chance gebe, die mehr Unterstützung brauchen als andere. Beispielsweise gebe es die sogenannte „Assistierte Ausbildung“, bei der Azubis Nachhilfe und eine sozialpädagogische Betreuung erhalten können. Eine weitere Maßnahme ist die „Einstiegsqualifizierung“, ein Langzeitpraktikum über mindestens vier Monate, in denen sich Praktikant und Unternehmen besser kennenlernen können. „Das ist ein sehr erfolgreiches Instrument. Meistens geht es danach in die Ausbildung“, schilderte Jordy.
Die Ausbildungsberufe bei der Firma Kind & Co. sind durchaus vielfältig. „In diesem Jahr haben wir elf offene Stellen in fünf verschiedenen Berufen“, sagte Sarah Sträter. Gesucht werden noch für die Berufe Industriekaufmann/-frau (1), Zerspanungsmechaniker (2), Verfahrenstechnologe Eisen- und Stahlmetallurgie (2), Verfahrenstechnologe Stahlumformung (1) und Werkstoffprüfer Wärmebehandlungstechnik (1). „Wir haben noch mehr Berufe, in denen wir ausbilden“, sagte Breitenfeld. Für welche Berufe Auszubildende gesucht werden, schwanke von Jahr zu Jahr und sei abhängig vom Bedarf des Unternehmens. Eins sei dabei laut Breitenfeld klar: „Wir brauchen Mitarbeiter mit Know-how. Dabei kümmern wir uns gern – von Anfang an.“
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