LOKALMIX
Für mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten
Marienheide – Zahlreiche Gäste waren gestern beim Jahrestreffen des Kreisverbindungskommandos auf Schloss Gimborn.
Von Ute Sommer
Gestern fand der Jahresempfang des Kreisverbindungskommandos (KVK) im Oberbergischen Kreis auf Schloss Gimborn statt. Als Truppenteil der Bundeswehr kommt dem KVK die Scharnierfunktion zwischen anderen militärischen und zivilen Einheiten im Falle von Gefahrenabwehr, Katastrophen-, Bevölkerungs- und Zivilschutzaufgaben zu. So waren der gestrigen Einladung rund 55 Repräsentanten aus Kreis- und Kommunalverwaltungen, die Bundestagsabgeordneten Dr. Carsten Brodesser (CDU) sowie Jan Köstering (Linke) und Vertreter der zivilen Rettungskräfte aus Feuerwehren, Polizei, Johannitern, DLRG, Maltesern, DRK und THW gefolgt.
„Bei unserer bisherigen Zusammenarbeit standen die Gefahrenabwehr sowie Hilfeleistungen bei Unglücksfällen oder Extremwetterlagen im Vordergrund“, richtete sich Oberstleutnant Thomas Meier an die Gäste. Mit Blick auf die geopolitische Entwicklung sei zwischenzeitlich der Schwerpunkt der Landesverteidigung ins Zentrum der gemeinsamen Aufgabenstellung gerückt, so dass dem „Operationsplan Deutschland“ besondere Bedeutung zukomme. Dieses zentrale, teilweise geheime Strategiedokument der Bundeswehr zur Landes- und Bündnisverteidigung regelt die Einsatzabläufe im Bündnisfall. Da zu starre Pläne aber oft am Chaos der Realität scheiterten, bildeten zivil-militärische Großübungen wie „Romerijke Berge 2025“ in Reichshof-Wildbergerhütte die Basis für flexible Handlungsoptionen im Krisenfall. Da man aus den vorangegangenen Übungen wertvolle Lehren habe ziehen können, sei die Neuauflage „Romerijke Berge 2027“ bereits in Planung.
Mit seiner Teilnahme am Jahresempfang wollte Brigadegeneral Hans-Dieter Müller, Kommandeur des Landeskommandos NRW, seine Hochachtung vor der guten Zusammenarbeit mit dem KVK im Oberbergischen zum Ausdruck bringen. Der völkerrechtswidrige Überfall Russlands auf die Ukraine markiere eine tatsächliche Zeitenwende und mit der Ausweitung hybrider Kriegsführung seien die Grenzen zwischen Krieg und Frieden zunehmend verschwommen und näher gerückt.
Drohnenüberflüge auf polnischem Staatsgebiet oder die Zerstörung von Ostsee-Datenkabeln wertete er als bewusste Provokationen der NATO, denen sich Europa wehrhaft und kriegstüchtig entgegenstellen müsse. Den dringend benötigten Bundeswehr-Truppenaufwuchs und die Beschaffung moderner Kriegstechnik im Verbund mit den europäischen Partnern bezeichnete der General als „Riesenanstrengung“, der die Regierung mit der Nationalen Sicherheitsstrategie Rechnung trage. In diesem Zusammenhang lobte der Befehlshaber die Arbeit des OBK-Kreisverbindungskommandos als vorbildlich und vorausschauend.
Dass Frieden und Freiheit eben keine Selbstverständlichkeit sind, unterstrich der Bundestagsabgeordnete Dr. Carsten Brodesser mit Verweis auf den Ukraineüberfall und die angespannten deutsch-amerikanischen Beziehungen. „Die gemeinsame Verteidigungspolitik der europäischen Alliierten muss die Kernaufgabe der Politik sein“, forderte er die Sicherung kritischer Infrastruktur gegenüber Cyberangriffen und Sabotage. „Neben Geld und Material geht es um Haltung – und da haben wir noch Luft nach oben“, warb Brodesser für die Sensibilisierung aller Menschen für Demokratie und Wohlfahrt in Deutschland und die höhere Wertschätzung des Ehrenamtes.
Stefan Heße, Allgemeiner Vertreter des Landrats und verantwortlich für die zivile Verteidigung in Oberberg, würdigte die gemeinsamen Großübungen von Bundeswehr, ehrenamtlichen Reservisten und Blaulichtkräften an der ehemaligen Reichshof-Kaserne und dem Klinikum Oberberg als das gelungene Ergebnis kontinuierlicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit. Mit vertiefenden Gesprächen und weiterem Beziehungsaufbau diente der zweite Teil des Jahresempfangs der wachsenden Vernetzung der oberbergischen Sicherheitsstruktur.