LOKALMIX
Fliegender Wechsel: Im Waldhotel geht’s nahtlos weiter
Wiehl – Fatima Bollow hört nach 42 Jahren im Betrieb, davon 15 als Pächterin, Ende September auf – Übernehmen werden das Haus Jenny und Sven Kauling aus Ründeroth – Sie erfüllen sich damit einen lang gehegten Traum.
Von Lars Weber
Für viele Wiehler und Stammkunden aus der Region war die Nachricht im Februar eine sehr traurige: Nach 42 Jahren im Waldhotel und nachdem sie 15 Jahre lang den Betrieb als Pächterin geschmissen hat, zieht Fatima Bollow einen Schlussstrich unter dieses prägende Kapitel ihres Lebens und verlängerte den Vertrag mit der Stadt Wiehl nicht (OA berichtete). Besonders nach dem Tod ihres Mannes Uwe, mit dem sie das Waldhotel bis 2022 gemeinsam führte, musste die 58-Jährige noch mehr Energie in den Alltag stecken. Nach der Entscheidung ging die Stadt Wiehl auf die Suche nach Nachfolgern. Heute haben sich Jenny und Sven Kauling aus Ründeroth vorgestellt. Sie übernehmen ab Oktober das Ruder.
Beim Pressegespräch am Donnerstagmorgen ist allen Beteiligten anzumerken, dass sie zufrieden und glücklich sind mit dieser Lösung. Bürgermeister Ulrich Stücker und der Erste Beigeordnete Peter Madel freuen sich über den nahtlosen Übergang, Fatima Bollow darüber, dass ihre rund 30-köpfige Belegschaft im Hotel weiterarbeiten darf und nicht zuletzt die Kaulings selbst, die sich mit der Pacht des Hotels einen lang gehegten Traum erfüllen.
Bis zu dessen Erfüllung mussten der 50-Jährige und seine 45-jährige Frau aber zunächst einen „aufregenden“ Bewerbungsprozess durchstehen, von dem Peter Madel erzählte. Dafür hatte sich die Stadt auf Empfehlung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga mit dem Düsseldorfer Fachberater Gerhard Kühnel externe Expertise ins Boot geholt. Da das Haus gut aufgestellt sei und gerade die Kombination mit der angeschlossenen Tropfsteinhöhle und mit dem benachbarten Wildpark attraktiv sei und großes Potenzial zeige, habe der Experte viele Bewerbungen prophezeit. Und so sei es auch gekommen. Über 30 Interessenten habe es in der ersten Runde gegeben. 17 von ihnen durften ein Konzept einreichen. Mit sechs Interessenten wiederum habe es einen „intensiven Austausch“ gegeben. Sven und Jenny Kauling hätten sich letztlich aber „eindeutig“ durchgesetzt. Besonders ihr Enthusiasmus habe der Stadt imponiert. „Sie brennen für das Projekt!“
Diese Leidenschaft ist den Eltern von zwei Töchtern (sieben und 14) im Gespräch über ihre neue Aufgabe anzumerken. Schon seit drei oder vier Jahren haben sie nach einem passenden Hotel gesucht. Einmal, auf dem Weg zu einer Besichtigung, seien sie auch am Waldhotel vorbeigefahren. „Das wär’s!“, hätten sie sich damals gedacht. Denn das Gesamtkonzept, das Hotel mit dem Restaurant und der Tropfsteinhöhle, direkt am Wildpark, das fanden sie damals schon klasse. Ihre Suche ging nach der Besichtigung weiter. Bis die Anzeige für das Waldhotel schließlich kam und sie wie vom Blitz getroffen „alle Mittel in Bewegung gesetzt haben“. Dementsprechend aufgeregt seien sie bei der Bewerbung gewesen. Sie hatten das Herz schon in ihren Traum reinversenkt. Die Gespräche mit dem Experten, mit der Stadt und auch Fatima Bollow haben gepasst. „Wir haben sofort alles geliebt.“
Auch wenn sie nicht direkt aus der Gastronomie kommen: Berührungspunkte gibt und gab es schon viele in ihrem Leben. Sven Kauling arbeitet seit 20 Jahren im Bereich Personaldienstleistungen, hat seit vier Jahren ein eigenes Unternehmen, mit dem er Firmen berät. Buchhaltung, damit kennt er sich aus. Doch sein offenes und freundliches Naturell ziehe ihn Richtung Gastro. Im Laufe seines Lebens habe er viel dort gearbeitet, vom Restaurant bis zum Festzelt. Dort habe er sich stets wohl gefühlt.
Mit Zahlen umgehen kann Jenny, die eigentlich Eugenia mit Vornamen heißt, ebenfalls. Sie ist im Management und Verkaufsleiterin eines Discounters. Wie ihr Mann ist auch sie im Service viel rumgekommen. Hinter der Theke, vor der Theke, im Eiscafe oder an der Fritteuse – diese Welt ist ihr alles andere als fremd. In den vergangenen Jahren haben sie mit einer Ferienwohnung und einem Ferienhaus zudem weitere Erfahrungen auf dem Sektor gesammelt. „Der Herzenswunsch war riesig, wir haben auf diesen Tag hingearbeitet“, sagte Jenny Kauling.
Großer Dank auf allen Seiten
Bürgermeister Stücker betonte die Leistungen von Bollow in den vergangenen Jahrzehnten für das Hotel und die Stadt Wiehl. Sie und das Hotel seien verlässliche Größen für Wiehl gewesen. Er sagte „Danke“ für all das Engagement und hoffte, dass bis September noch viele Wiehler und Freunde des Betriebs die Möglichkeit nutzen werden, sich zu verabschieden. Bollow selbst dankte ebenso. Zum einen der Stadt für viele Jahre vertrauensvolle Zusammenarbeit. Vor allem aber auch den Gästen und ihren treuen Mitarbeitern. So manch einer begleitet sie schon seit Jahrzehnten. „Sie sind Teil meiner Geschichte. Ohne sie wäre ich nicht hier.“
Dementsprechend freue es sie sehr, dass das Team zusammenbleibt und die Gäste weiter von den bekannten Gesichtern empfangen werden. „Das gibt den Gästen Sicherheit und bedeutet Beständigkeit.“ Darauf legten viele ihrer Stammkunden großen Wert. „Bei manchen stand das Getränk schon am Platz, wenn sie mit dem Auto vorgefahren sind“, lacht Bollow. Die Kaulings wiederum werden von der großen Erfahrung des Teams profitieren. „Das wird eine große Hilfe sein“, sagte Jenny Kauling.
Bollow möchte weiter in Wiehl bleiben und hat auch bereits einen neuen Job außerhalb der Gastro in Aussicht. Aus der Welt ist sie also keineswegs. „Ich war sehr gerne Gastgeberin. Jetzt freue ich mich auf mein neues Leben. Als Gast werde ich aber auf jeden Fall wieder ins Waldhotel kommen.“
Da das Waldhotel als solches funktioniert, möchten die neuen Pächter am bestehenden Konzept festhalten. „Wir wollen den Ruf der Tradition aufrechterhalten“, erklärte Sven Kauling weiter. Höchstens an Stellschrauben möchten sie drehen. Baulich sollen noch ein paar Badezimmer auf den Zimmern modernisiert werden. Ein paar weitere Themen werden ebenfalls noch mit der Stadt besprochen. Zur Nutzung freigeben möchten die Kaulings wieder das Schimmbad im Keller.
Doch auch bei der Positionierung am Markt wolle man neue Akzente setzen. Mit der Anbindung an die Tropfsteinhöhle und den Wildpark wollen die Kaulings mehr Familien nach Wiehl locken, das Waldhotel eine „Erlebnisstätte“ sein. Ein Anfang sollen dafür Angebote und Aktionen rund um Halloween sein, wo es zum Beispiel spannende Führungen durch die Höhle und auch eine kleine Party geben soll. „Wir lieben Halloween!“ Da sie ihr Haus in Ründeroth jedes Jahr in ein Gruselparadies verwandelten, ist die Ausstattung bereits vorhanden. Unter der Woche möchten die Kaulings vor allem Unternehmen ins Hotel holen, für Tagungen, Seminare oder Coachings.
Auf Fatima Bollow als Unterstützerin dürfen sie dabei zählen. Sven Kauling wird nun ab und an schon als „Praktikant“ mit im Betrieb sein, sodass die 58-Jährige einige Geheimnisse an ihren Nachfolger weitergeben kann. Und auch nach dem Wechsel dürften die Kaulings bei Fragen anrufen. Diese freuen sich sehr auf die neue Aufgabe – und dass sie ihren Traum nun endlich leben können.
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