LOKALMIX
Für mehr Bewegung, bessere Ernährung und Chancengleichheit
Bergneustadt – Seit mehr als zwei Jahren läuft das Projekt „Peer to Peer bewegt das Quartier – Gesundes Aufwachsen in Bergneustadt“ – Am Donnerstag wurde ein Zwischenfazit gezogen.
Von Lars Weber
Bewegung und gesunde Ernährung als Selbstverständlichkeit in den Familienalltag bringen, und dazu die passenden Strukturen schaffen, damit möglichst kein kindliches Übergewicht oder Adipositas entsteht – darum geht es bei dem Projekt „Peer to Peer bewegt das Quartier – Gesundes Aufwachsen in Bergneustadt“ unter dem Dach des Gesundheitsamts des Oberbergischen Kreises. Vor zweieinhalb Jahren gestartet, läuft eine aktuelle Förderung über die GKV-Bündnis für Gesundheit NRW im Februar 2027 aus. Am Spielplatz in der Talstraße gaben Verantwortliche und Beteiligte Auskunft darüber, was bisher passiert ist.
Bergneustadt wurde für das Projekt ausgewählt, weil der Kreis dort besonderen Bedarf festgestellt hat in den Bereichen Übergewicht und Körperkoordination bei Kindern. Gerade die Schuleingangsuntersuchungen lieferten hier valide Daten über einen langen Zeitraum, sagte Gesundheitsamtsleiterin Kaija Elvermann. Innerhalb des Projekts sollen nun Kinder im Alter von null bis zehn Jahren und natürlich deren Eltern angesprochen werden. Der Kniff: Nicht der Kreis richtet sich an die Zielgruppe, sondern Menschen aus der Zielgruppe selbst, Eltern, Lehrer oder auch Erzieher. Aktuell gebe es in Bergneustadt zwölf Peers, die für diese Aufgabe extra geschult wurden. Sie entwickeln nun unter anderem Ideen, setzen diese vor Ort um und vernetzen sich. „Durch die Peers erreichen wir eine Niederschwelligkeit,“, so Elvermann. Als Behörde bleibe man im Hintergrund und gebe den Beteiligten Unterstützung. „Je früher wir mit Prävention beginnen, desto wirksamer wird sie. Frühzeitige Gesundheitsförderung stärkt Ressourcen, reduziert Risiken und eröffnet Kindern bessere Entwicklungschancen.“
Zusammen mit dem Wissenschaftlichen Beirat für das Projekt und Vertretern von Kreis, Kommune und Peers schaute man sich am Donnerstag Ideen an, die bereits umgesetzt wurden. Zu Gast waren sie unter anderem an der Sonnenschule Auf dem Bursten. Christopher Blauth, kommissarischer Leiter der Grundschule, freut sich über das Projekt. So werde sich aktuell zum Beispiel darum gekümmert, dass das Schulobst und -gemüse geschnitten werde. Im kommenden Schuljahr etablieren soll sich der Walking-Bus für Kinder. Statt die Schüler direkt an die Schule zu bringen, sollen die Eltern ihren Nachwuchs zum Beispiel in den Talpark bringen. Dort wollen dann die Peers kleine Gruppen bilden und gemeinsam zur Schule gehen, sodass die Kinder direkt am Morgen in Bewegung kommen. Und da die Eltern Vorbilder seien, soll auch eine Walking-Gruppe von Müttern für Mütter ins Leben gerufen werden, erzählt Selma Mentese, pädagogische Fachkraft an der Sonnenschule.
Als Peer ausgebildet worden ist Nesrin Sönmez, die auch der Sonnenschule zur Verfügung steht und dabei vor allem Eltern mit Migrationshintergrund anspricht. „Wir haben noch weitere Ideen“, sagte sie. Projektleiterin Sarah Leisner wies auch auf den Talpark mit seinem großen Spielplatz als wichtiges Element hin, um Bewegung zu fördern. So gebe es extra einen Parcours, der durch Bergneustadt führe. Frisch gestartet sei auch eine Kochaktion von Frauencafé und Sozialstiftung. Nach den Sommerferien sollen zudem Gutscheine ausgegeben werden, um bei Sportvereinen mittrainieren zu können.
Claudia Winter von der GKV zeigte sich begeistert darüber, welche Angebote den Kindern in Bergneustadt bereits im Rahmen des Projekts zur Verfügung gestellt wurden. Sie hofft, dass dies auch Anschub gibt, gesundheitsförderlich zu denken und die Angebote auch nach dem Ende der Förderung verstetigt werden. Gesundheitsamtsleiterin Elvermann ergänzte, dass der Kreis und die Projektteilnehmer auf eine Anschlussfinanzierung hofften. Dies könnte auch vom Erfolg des Projekts abhängen. Fachlich begleitet wird es durch die Kooperationsstelle Gesundheitliche Chancengleichheit NRW. Gerade die Entwicklungen der Daten aus den Schuleingangsuntersuchungen sollen Anhaltspunkte dazu geben, aber ebenso Befragungen vor Ort oder auch die Rückmeldungen aus den Sportvereinen und von Beteiligten wie dem Familienbüro und den Bildungseinrichtungen. Die verbleibenden Monate im Projektzeitraum sollen genutzt werden, um noch weitere Angebote auf den Weg zu bringen.