LOKALMIX

Gemeinsam gegen das nächste Jahrhunderthochwasser

ks; 15.06.2026, 16:40 Uhr
Fotos: Katharina Schmitz --- (v.li.) Bürgermeister Sebastian Heimes, Michael Schneider (Gemeinde Lindlar), Bürgermeister Sven Engelmann, Lars Niemczewski (S + C), Harald Höver (Chr. Höver & Sohn), Diana Kolbe (Rolf Kind), Frank Dresbach (S + C), Götz Peter Ander (Meili) und Markus Kind (Rolf Kind) vor der Leppe.
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Gemeinsam gegen das nächste Jahrhunderthochwasser

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ks; 15.06.2026, 16:40 Uhr
Oberberg – Fünf Jahre nach dem verheerenden Hochwasser werfen die Firmen im Leppetal einen Blick zurück und nach vorn – Das Ziel: Der Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens – Kritik am Aggerverband.

Das Jahrhunderthochwasser im Juli 2021 war eine der schwersten Naturkatastrophen, die es in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland gab. Betroffen davon war auch das Oberbergische. In den oberbergischen Kommunen soll das Starkregenereignis am 14. und 15. Juli Schäden in Höhe von fast fünf Millionen Euro verursacht haben (OA berichtete). Massive Schäden gab es auch im Leppetal in Lindlar, wo die vier Unternehmen Meili Germany, Chr. Höver & Sohn, Schmidt + Clemens und Rolf Kind ansässig sind. Zum Teil mussten die Unternehmen sogar ihre Produktion einstellen, nachdem Gelände und Produktionshallen vom Wasser überflutet worden waren.

 

Fast fünf Jahre liegt das nun zurück. Viel hat sich im Leppetal getan. Um die Firmengelände mit ihren rund 900 Arbeitsplätzen künftig noch besser vor einem derartigen Jahrhunderthochwasser schützen zu können, streben die vier Lindlarer Unternehmen an der Leppestraße den Bau eines Hochwasserrückhaltebeckens auf Marienheider Gebiet an. Gespräche dazu hat es in der Vergangenheit bereits gegeben. Doch beteiligten Behörden werfen die Unternehmen nun schleppendes Agieren vor – und dem Aggerverband, dass dieser sich zuletzt „aus seiner Verantwortung bei Planung und Bau eines Regenrückhaltebeckens im Leppetal zurückgezogen“ habe.

 

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Bei Schmidt + Clemens hat dazu heute ein Pressegespräch stattgefunden. Teilgenommen haben daran nicht nur Vertreter der vier Firmen, sondern auch Lindlars Bürgermeister Sven Engelmann sowie sein Amtskollege Sebastian Heimes aus Marienheide. Bürgermeister Lukas Miebach (Engelskirchen) fehlte entschuldigt. Vertreter des Aggerverbands waren nicht zum Gespräch eingeladen worden. „Fünf Jahre nach der ganzen Geschichte stehen wir da, wo wir vor fünf Jahren standen – alleine“, sagte Lars Niemczewski, Leiter der Unternehmenskommunikation von Schmidt + Clemens.

 

[„… fünf Jahre nach dem Hochwasser stehen die Unternehmen alleine da!“ ist in der Präsentation zu lesen.]

 

Vom Hochwasser waren die vier Firmen 2021 ganz unterschiedlich betroffen. Unter dem Firmengelände von Schmidt + Clemens fließt die Leppe durch eine Kanalisation. Während Meili glimpflich davongekommen ist, gab es bei Chr. Höver & Sohn Schäden in Höhe von rund 300.000 Euro. „Das Wasser stand in den Büros 80 Zentimeter hoch. Da ist alles abgesoffen“, erzählte Harald Höver, Geschäftsführender Gesellschafter. Deutlich stärker hat es aber Schmidt + und Clemens und Rolf Kind getroffen. Beide Firmen hatten jeweils Schäden von über 7 Millionen Euro zu beklagen. Um künftig besser gegen Hochwasser geschützt zu sein, haben beide Unternehmen in den Hochwasserschutz investiert – bei Rolf Kind sollen es 550.000 Euro und bei S + C 350.000 Euro gewesen sein.

 

[Die Leppe fließt durch eine Kanalisation unter dem Firmengelände von Schmidt + Clemens durch.]

 

„Es gibt schon viele Jahre hier im Tal ein Projekt für den Hochwasserschutz – ein Regenrückhaltebecken. Das ist aber nie realisiert worden“, sagte Lars Niemczewski. Vorplanungen gebe es bereits seit Jahrzehnten. Laut Markus Kind, Geschäftsführender Gesellschafter von Rolf Kind, soll es in den 1970er Jahren gar Pläne für eine Leppetalsperre gegeben haben. Die dortigen Flächen würden dem Aggerverband gehören. Zuletzt sei das Projekt eines Regenrückhaltebeckens auf Initiative der Unternehmer wiederbelebt worden. Unter anderem sei ein Hydraulisches Gutachten beauftragt und Kontakt zu den Kommunen, dem Oberbergischen Kreis, der Bezirksregierung Köln und dem Aggerverband aufgenommen worden. Ein weiteres Gutachten habe der Aggerverband in Auftrag gegeben.

 

Doch für den Aggerverband ist „eine erfolgreiche Fortführung des Vorhabens […] aktuell nicht vorstellbar“. Das ging Ende April aus einem Schreiben des Verbandes an die Unternehmen hervor, das der Redaktion seit heute vorliegt – und das für den Laien nur schwer zu verstehen ist. Unter anderem ist darin zu lesen, dass sich die geforderte Auswertung mit Blick auf eine mögliche Förderung der Bezirksregierung „in der Summe als unverhältnismäßig aufwendig und in der notwendigen Detailtiefe als fachlich nicht zielführend umsetzbar“ erweise. Allerdings könne das Projekt womöglich im regionalen Hochwasserschutzpakt für die Sieg verankert werden – ein Weg, der aber mehrere Jahre in Anspruch nehme.

 

„Wir waren alle sehr überrascht, als das Schreiben kam“, sagte Lars Niemczewski. Für die Unternehmer scheitere das Vorhaben derzeit an bürokratischen Hürden. „Eigentlich sind wir ratlos, wie wir weitermachen sollen. Die Unternehmen haben investiert. Es ist nicht unsere Aufgabe, dass wir noch ein Stauwerk bauen. Die zuständigen Stellen sollen ihren gesetzlichen Aufgaben nachkommen.“ Geht es nach den Unternehmen, soll das Rückhaltebecken schnellstmöglich oberhalb der Fima Meili Germany entstehen. Der Damm soll acht Meter hoch werden; die Leppestraße wäre davon nicht betroffen. Die reinen Baukosten würden bei rund 8 Millionen Euro liegen.

 

[Bei einem Rundgang über das Firmengelände.]

 

„Das darf kein Thema sein, das an dieser Stelle beendet ist“, sagte Bürgermeister Engelmann, der das Schreiben des Aggerverbandes heute laut eigener Aussage erstmals zu Gesicht bekam. Auch wenn hier von einem Jahrhunderthochwasser die Rede ist, das statistisch gesehen nur einmal in 100 Jahren auftreten soll, ist Engelmann mit Blick auf den Klimawandel und die Zunahme an Extremwetterereignissen vorsichtig gestimmt. „Zu glauben, dass wir das nicht nochmal erleben werden, die Prognose mache ich nicht.“ Marienheides Bürgermeister Heimes signalisierte mit Blick auf die Flächen, die in der Gemeinde liegen, grünes Licht für den Bau eines Rückhaltebeckens. „Wir wissen alle nicht, wann so ein Hochwasser das nächste Mal kommt. Es kann ja nicht sein, dass man das Thema jetzt ad acta legt“, mahnte Markus Kind.

 

Sven Engelmann und Sebastian Heimes sicherten zu, das Thema weiterhin besprechen zu wollen – nicht zuletzt auf Landesebene. Eine OA-Anfrage an den Aggerverband blieb bislang unbeantwortet.

KOMMENTARE

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Immer mehr Unzufriedenheiten mit dem Aggerverband ... zuerst der Stauweiher Osberghausen, jetzt das hier ... was kommt als Nächstes ...?
Der Amtsschimmel wiehert auf jeden Fall sehr laut und vernehmlich!

Rolf Zimmermann, 15.06.2026, 17:34 Uhr
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