LOKALMIX
„Gleichstellung geht uns alle an“
Gummersbach - Beim Mädchen- und Frauentag in der Halle 32 gab es gestern viel zu entdecken.
Von Astrid Deckers
Organisiert von der Regional AG Gleichstellung Oberberg fand am Samstag zum dritten Mal der oberbergische Mädchen- und Frauentag in der Halle 32 in Gummersbach statt. Ein vielfältiges und informatives Programm wartete auf die zahlreichen Besucherinnen. Informationsstände, Schnupperkurse, Workshops, Vorführungen und Fachvorträge zu allen Themenbereichen, die (nicht nur) für Mädchen und Frauen relevant sind, regten zum Austausch an.
Organisatorin Nina Sommer, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Gummersbach und Sprecherin der Regional AG, widmete die Veranstaltung der am 1. Februar verstorbenen Bundespolitikerin Rita Süssmuth (CDU), die sich zeitlebens für Frauenrechte starkgemacht hatte. Sommer freute sich, dem Publikum einen Videogruß der NRW-Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Verena Schäffer, zu präsentieren. In ihrer Grußbotschaft erinnerte Schäffer alle Besucher mit den Worten „Gleichstellung geht uns alle an“ daran, dass jeder Mensch eine Verantwortung für den gleichberechtigten Umgang mit seinen Mitmenschen trage, und wünschte allen „Impulse, die in den Alltag hineinwirken“.
Gummersbachs Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit erklärte in seinen Begrüßungsworten, dass es aus seiner Sicht „nicht akzeptabel ist, dass Frauen und Mädchen für ihre Rechte kämpfen müssen“.Die stellvertretende Landrätin des Oberbergischen Kreises, Heidrun Schmeis-Noack (Foto rechts), stellte UNICEF-Zahlen aus dem Jahr 2025 vor, die zeigten, dass Millionen Frauen weltweit bis heute eklatant benachteiligt würden. Für ihre Worte „Es geht nicht um Sonderrechte, sondern um Menschenrechte“ und „Der internationale Frauentag ist kein Gedenktag, sondern ein Aufruf zum Handeln“ erhielt sie viel Szenenapplaus aus dem Publikum. Lisa Heister-Voigt von den „Wohnhilfen Oberberg“ der „Diakonie-Michaelshoven“ bietet mit 70 Kollegen Menschen aus Oberberg, die von Wohnungsnot betroffen sind, kostenlose Beratung und Unterstützung an. Dabei ist in Oberberg besonders die „verdeckte“ Wohnungslosigkeit ein Problem. Knapp 26 Prozent aller Betroffenen ohne Wohnung, leben nicht auf der „Platte“ (Straße), sondern schlafen beispielsweise bei Freunden oder Bekannten, um den Aufenthalt in einer Notunterkunft zu vermeiden. Hier setzt die Wohnhilfe an.
Vom niederschwelligen Angebot der Online-Beratung bis zum Termin in einer Beratungsstelle, die dann den Aufenthalt in einer eigenen, stationären Wohngruppe vermitteln könne: Knapp 1500 Menschen nehmen die unterschiedlichen Angebote der „Wohnhilfen“ jährlich in Anspruch. Mit 36 Prozent bilden die Frauen dabei einen nicht unerheblichen Teil der Leistungsempfänger.
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[Ihre Abiball-Kasse füllten diese Schüler des Lindengymnasiums auf, indem sie leckere Waffeln backten sowie süßes und herzhaftes Fingerfood anboten.]
Besonders umlagert war der Stand „Hyggeliges Sticken“ der Gummersbacherin Denise Wasem. Der aus Dänemark stammende Begriff „Hygge“ beschreibt das Lebensgefühl von Gemütlichkeit, Geborgenheit, Wohlbefinden und bewusstem Genuss. Wasem bietet Gruppen ab vier Personen das Besticken von beispielsweise Taschen an, um in einer Wohlfühlatmosphäre Achtsamkeitsmomente zu erleben und Entspannung zu erfahren. Ihr 100-jähriges Jubiläum feiert die „AggerEnergie“ in diesem Jahr. Die Mitarbeiter informierten die über das Geburtstagsprogramm in diesem Jahr. Vom kostenlosen Besuch eines Familienmusicals über Küchenpartys im AggerEnergie-Kochstudio hat das Unternehmen familienfreundliche Veranstaltungen geplant.
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[Hip-Hop-Weltmeisterin Emma Pinger (11) und ihr Bruder Theo (13) aus Koblenz zeigten eine beeindruckende Performance auf der Bühne.]
Am Stand des Klinikums Oberberg konnten sich alle Interessierten über Angebote zur Unterstützung der familiären Pflege und über Hilfsangebote vor und nach einer Schwangerschaft informieren. Individuelle Fragen konnten mit einer Hebamme oder Pflegepersonal an- und besprochen werden. Im Bereich der häuslichen Pflege liegt der Fokus dabei nicht nur auf dem Pflegefall, sondern insbesondere auch auf der Person, die zuhause pflegt, zumeist Frauen. In den Krankenhäusern Gummersbach und Waldbröl findet dieser Personenkreis nicht nur die Möglichkeit, einen Vor-Ort-Besuch abzustimmen, um individuelle Probleme zu lösen, sondern auch monatlich angebotene, kostenlose Pflegekurse über Grifftechniken und Lagerungen von hilfsbedürftigen Menschen.
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[Dr. Clemens Bartz (Oberarzt Frauenklinik im Klinikum Oberberg), Claudia Donner (Hebamme MA.), Christiane Gelfarth-Pretel (Leitung Beratungsstelle für Familienplanung und Schwangerschaftskonflikte der AWO Oberberg), Dr. Stefanie Löffler (Oberärztin Kinder- und Jugendpsychiatrie im Klinikum Oberberg) und Moderatorin Martina Leißner konnten nicht die erhofften Zuschauerzahlen vermelden.]
Während Workshops und Messestände von den Besucherinnen stark frequentiert wurden, litt eine zweistündige Podiumsdiskussion mit hochkarätigem Teilnehmerfeld und zahlreichen Themen wie Essstörungen und psychosomatischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen, Schwangerschaft, … unter Publikumsmangel. Wenige Besucherinnen, dafür aber einige Entscheidungsträger wie Bürgermeister Halding-Hoppenheit verfolgten die Ausführungen zur Frage „Gut versorgt? Weibliche Gesundheit in unserer Region“.
Knapp 1000 Besucher nutzten die Informationsmöglichkeiten an diesem Tag. Nur einer musste leider draußen bleiben. Ein Labradorwelpe war mit seinen Besitzern gekommen, durfte aber nicht mit in die Halle. Liebenswert und völlig unkonventionell boten sich zwei Mitarbeiter der Einlasskontrolle an, den jungen Rüden zu beaufsichtigen, um seinen Besitzern die Möglichkeit zum Kurz-Rundgang anzubieten. Herrchen und Frauchen nahmen das Angebot gerne an.

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