LOKALMIX
„Idealer Zeitpunkt“: Abstau beginnt nächste Woche
Engelskirchen – Die Entleerung der Stauanlage in Osberghausen steht unmittelbar bevor – Zwei Tage wird der Vorgang dauern – Über die Zukunft redet der Aggerverband bereits mit der Bezirksregierung.
Von Lars Weber
Der per Verfügung angeordnete Abstau der Stauanlage in Osberghausen wird am kommenden Dienstag, 13. Oktober, beginnen und bereits tags drauf am Mittwoch abgeschlossen werden. Dies hat der Aggerverband heute mitgeteilt. Damit wird die Forderung der Bezirksregierung umgesetzt, nachdem Ende des vergangenen Jahres die Nutzungserlaubnis der Wasserkraft in Osberghausen ausgelaufen war (OA berichtete). Der Aggerverband ist Besitzer der Anlage, betrieben wurde sie jedoch von den Aggerkraftwerken innerhalb eines Unternehmens der bayerischen Auer-Holding. Grund für den Entzug der Erlaubnis war, dass die Auflagen für die weitere Nutzung nicht erfüllt worden waren. Unter anderem wurde die lange geplante Fischtreppe nicht gebaut. Einer der wesentlichen Forderungen der Bezirksregierung ist nun die Anordnung zum Rückbau der Stauanlage. Der Abstau des Gewässers ist der erste Schritt. OA sprach mit Wim Dissevelt, Abteilungsleiter Talsperren und Fließgewässer beim Aggerverband, über die Entleerung der Anlage und über deren Zukunft.
Mit dem Termin kommende Woche sei ein nahezu perfekter Zeitpunkt für den Abstau gefunden worden. „Zum einen ist die Brutzeit der Vögel vor Ort vorbei. Zum anderen hat die Laichzeit der Fische noch nicht begonnen“, so Dissevelt. Die Bachforelle, die dort unter anderem zu Hause ist, laiche beispielsweise erst gegen Ende des Monats. „Es ist ein ideales Fenster für den Abstau.“ Die betroffenen Angelvereine, die Bezirksregierung Köln, aber auch die Stadt Gummersbach und die Gemeinde Engelskirchen sind über die Planungen informiert worden.
Ein Abfischen sei vor dem Vorgang kommende Woche nicht notwendig. Ein Teil der Fische werde sich in den Oberlauf der Agger zurückziehen, der andere Teil sich mit dem Abstau in den Unterlauf ziehen lassen, erläutert Dissevelt weiter.
Aktuell werde der Einsatzplan für die zwei Tage aufgestellt, um den Vorgang durch naturschutzfachlich qualifiziertes Personal des Aggerverbandes zu begleiten, sodass sichergestellt sei, dass natur- und umweltrelevante Anforderungen beachtet werden. Einerseits gehe es dabei um eine gute Absenkgeschwindigkeit, die auch für die Bezirksregierung protokolliert werden muss. „Man kann nicht einfach nur auf einen Knopf drücken.“ Etwa 80.000 Kubikmeter Wasser werden in 48 bis 50 Stunden ablaufen. Dissevelt geht davon aus, dass der Pegel zehn bis 15 Zentimeter in der Stunde abnimmt bei einer Fließgeschwindigkeit von etwa 400 Liter pro Sekunde. Das sind etwa zwei Badewannen voll. Dieses zusätzliche Wasser könne die Agger locker aufnehmen bei den aktuellen Pegelständen. „Das wird im Unterlauf kaum zu merken sein.“
Der Fokus liege vor allem auch auf dem Tierschutz direkt an der Anlage. So wird der Randbereich während des Ablassens vom Fachpersonal im Auge behalten. Falls sich dort Fische in Pfützen wiederfinden, werden sie per Hand in die Agger umgesetzt. „Wir wollen so behutsam wie möglich ablassen“, so Dissevelt weiter. Streng geschützte Arten sollen nicht zu Schaden kommen. Rund um die Uhr werden Zweierteams vor Ort sein, die tagsüber noch durch weiteres Personal ergänzt werden. Auch der Angelverein stehe bereit, um gegebenenfalls zu unterstützen.
Wenn der Vorgang abgeschlossen ist, wird es für die Zukunftsplanung spannend. „Wir können dann unter die Wasserfläche schauen.“ Es gehe darum, wichtige Erkenntnisse zu sammeln. Der Raum wird vermessen und von den belasteten Ablagerungen am Boden werden Proben genommen. All dies werde die Basis bilden für mögliche Lösungen.
Über die Zukunft des Stauweihers und die Stauanlage wird bereits seit der Veröffentlichung der Ordnungsverfügung diskutiert. Vorgegeben ist dabei: Der Aggerverband als Eigentümer der Anlage hat 30 Monate Zeit, eine Planung zum Rückbau zur Prüfung und Genehmigung vorzulegen. Inzwischen sind es noch etwas mehr als zwei Jahre, die von dieser Frist verbleiben. Diskutiert wurde seit Beginn des Jahres nicht nur im Aggerverband, sondern auch öffentlich von und mit den Bürgern. Ende April gab es zu dem Thema extra eine Informationsveranstaltung mit anschließender Diskussion in Erbland (OA berichtete). „Es gibt viele Interessen und Überlegungen, auch aus der Bevölkerung“, sagt Dissevelt.
Zusammen mit der Bezirksregierung habe der Aggerverband eine Arbeitsgruppe gegründet, um die Lösungsfindung zeitnah und im direkten Austausch mit der Genehmigungsbehörde voranzutreiben. Dabei spielen auch viele der eingebrachten Ideen und Wünsche der Bevölkerung und Interessensgruppen eine Rolle. Themen wie Naherholung, Hochwasserschutz, die Durchgängigkeit der Agger oder auch ein kleines Ersatzrefugium für Wasservögel werden in der Arbeitsgruppe offen diskutiert. Dissevelt hofft, eine Lösung mit einem breiten Nenner finden zu können, wo sich viele Interessen wiederfinden. Der jetzige Prozess sei auch eine Chance. „Wir können jetzt etwas Neues schaffen, das klimaresilient und zukunftsträchtig ist.“
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