LOKALMIX

IG Metall: Tokmak zum Kusel-Nachfolger gewählt

lw; 03.07.2026, 14:51 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung --- Eve Glodowski (v.li., Jugendsekretärin), Werner Kusel (aktueller erster Bevollmächtigter), Haydar Tokmak (Gewerkschaftssekretär und künftiger erster Bevollmächtigter), Simon Stefer (Gewerkschaftssekretär) und Alexander Scharpel (zweiter Geschäftstführer).
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IG Metall: Tokmak zum Kusel-Nachfolger gewählt

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lw; 03.07.2026, 14:51 Uhr
Gummersbach – Bei der hiesigen IG Metall endet mit dem Renteneintritt des ersten Bevollmächtigten Werner Kusel eine Ära – Auf ihn folgt Haydar Tokmak, der bei der Delegiertenversammlung 98,1 Prozent der Stimmen bekam.

Von Lars Weber

 

Eine Ära endet im September bei der IG Metall Gummersbach. Werner Kusel, seit 16 Jahren Bevollmächtigter, seit 1980 Mitglied und davon 35 Jahre hauptamtlicher Gewerkschaftssekretär, geht in die passive Phase der Altersteilzeit. Am Donnerstagabend im Raum L & C der Halle 32 führte der 62-Jährige durch seine letzte Delegiertenversammlung, bei der sogleich sein Nachfolger gewählt wurde, der Anfang Oktober als erster Bevollmächtigter übernehmen wird. Im Auswahlprozess im Vorfeld hatte sich der Ortsvorstand für eine interne Lösung und für Gewerkschaftssekretär Haydar Tokmak entschieden und ihn zur Wahl vorgeschlagen. Die 52 anwesenden Stimmberechtigten folgten dem Vorschlag. 51 Stimmen und damit 98,1 Prozent bedeuten einen Vertrauensvorschuss, für den sich der 43-jährige Gummersbacher bedankte.

 

Im Mittelpunkt der Versammlung stand trotz der wegweisenden Wahl aber Werner Kusel (Foto), der bei seinem letzten Kassenbericht auf aktuelle Entwicklungen einging und diese einordnete – von der nahenden Steuerreform über die diskutierten Änderungen im Gesundheitssektor bis zur aktuellen wirtschaftlichen Situation und der Stimmung in den Betrieben. Er nutzte seine Redezeit – wie immer gerne ergänzt mit seinem Markenzeichen, dem Spruch „einen Satz hab ich noch“ – für einen Rückblick. „Früher war nicht alles besser, sondern anders.“ Zwar seien diverse Betriebe in den vergangenen Jahrzehnten aufgegeben worden – von 1991 bis heute habe er 68 Sozialpläne begleiten müssen, 11.300 Kolleginnen und Kollegen seien davon betroffen gewesen. Und auch einige Familienbetriebe seien inzwischen in den Händen von weltweit agierenden Firmen. Trotzdem habe man die Wirtschaftskraft im Oberbergischen Kreis halten können. Darauf und auf die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen, sei er stolz. Wo er verhandeln musste, habe man „ein Netz gesponnen, auf dem die Kolleginnen und Kollegen sozial abgefedert wurden“.  

 

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Der Gummersbacher Kusel wünschte der nächsten Generation der IG Metall alles Gute. „Die Potenziale sind da. Aber es braucht die Unterstützung aus den Betrieben. Solidarität ist und bleibt unsere Stärke!“ Am Ende musste sich Kusel dann doch ein Tränchen wegdrücken. Nicht anders war dies bei der abschließenden Würdigung des Urgesteins durch Tokmak.

 

Der designierte Bevollmächtige hatte extra ein altes Bewerbungsfoto Kusels aufgespürt, damals noch mit langer Mähne. Tokmak erinnerte an den jungen Auszubildenden Kusel bei Steinmüller. Als Schmelzschweißer hab der junge Gummersbacher schon „Ruß an den Händen und Verantwortung im Bauch“ gehabt. Bei seiner Arbeit sei es stets darum gegangen, etwas zusammenzuhalten. Bei Steinmüller war es Metall, als Gewerkschaftler waren es Menschen. Kusel wurde Betriebsrat, später unter anderem Gewerkschaftssekretär und Geschäftsführer, schließlich erster Bevollmächtigter.

 

 

Kusel habe immer etwas verändern wollen, habe gewusst, dass gute Arbeitsbedingungen nicht vom Himmel fielen, so Tokmak weiter. „Du hast Gewerkschaft als Beziehung verstanden, nie als Apparat.“  Der 62-Jährige sei „Stratege, Zuhörer, Moderator, Antreiber, manchmal Feuerwehrmann, manchmal Blitzableiter, manchmal Seelsorger, manchmal Rechtsberater, manchmal Motivator“, gewesen. „Du hast diese Rolle mit deiner ganz eigenen Art ausgefüllt.“ Auch Tokmak hatten „noch einen Satz“ am Schluss seiner Rede: „Danke für alles, was du gegeben hast.“ Für Kusel gab es anschließend lange stehende Ovationen.

 

Zuvor hatte sich Tokmak (Foto) selbst vorgestellt. Während seiner Ausbildung bei Klöckner-Moeller (heute Eaton) hatte er an seiner ersten Delegiertenversammlung teilgenommen und sollte – für ihn überraschend - sofort als Jugendvertreter in der Tarifkommission kandidieren. „Bei der Vorstellung war ich so aufgeregt – ich habe sogar meinen Namen für einen paar Sekunden vergessen.“ 22 Jahre später passierte ihm das nicht mehr. Er sprach bei seiner Rede über seine Wurzeln als Gastarbeiterkind. Schon sein Opa und auch seine Eltern seien früh in die IG Metall eingetreten, das habe ihn ebenso geprägt.  „Heute stehe ich hier und kandidiere für ein Amt, wo vorher Menschen wie Norbert Wrobel, Rolf Dresbach, Norbert Kemper standen und jetzt Werner.“ Er gehe mit Ehrfurcht und Respekt an diese Aufgabe, die Ehre und Verpflichtung zugleich sei. Die Mitglieder möchte er auf dem weiteren Weg unbedingt mitnehmen, denn die Herausforderungen – von Energie- und Finanzkrisen bis zum aktuellen Kulturwandel – seien groß. „Ohne Euch wird es nicht gehen!“

 

Weitere Vorschläge aus der Versammlung gab es nicht, sodass Tokmak der einzige Kandidat für die geheime Wahl blieb. Das starke Ergebnis für den Gummersbacher wurden von langem Applaus begleitet. In weiteren Wahlen wurden Tokmak und Ingo Damm (BPW) als neue Mitglieder in die Tarifkommission gewählt. Die nächsten Tarifverhandlungen stehen bereits vor der Tür. Sie werden also direkt gefordert sein.

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