LOKALMIX
Integration ist keine Einbahnstraße
Gummersbach - Beim Vielfalt-Cup in der Lochwiese standen nicht nur die sportlichen Leistungen im Mittelpunkt - Mehr als 100 Aktive jagten dem runden Leder hinterher.
Von Astrid Deckers
Fußball, Gespräche, leckeres Essen und gute Stimmung prägten den dritten Vielfalt-Cup im Stadion Lochwiese. Neben dem Herrenturnier gab es erstmalig auch jeweils ein Fußballspiel von Bambini und Frauen zum Einstieg. Mit Emmanuel Ebotnchong von der Afrika Union Gummersbach war der Initiator des Vielfalt-Cups ebenfalls vor Ort. Die Idee war bereits während der Corona-Zeit entstanden, doch erst mit dem Kennenlernen von Ebotnchong und Jamel Othmani, Sozialarbeiter beim Caritasverband Oberberg wurde sie zur Realität.
Im Jahr 2024 fand der erste Vielfalt-Cup statt und ermöglicht nunmehr einmal jährlich vielfältige Begegnungen mit sportlichem und integrativem Hintergrund. Mit Kamil Tokmak, Kulturveranstalter von der alevitischen Gemeinde, kam rasch ein weiterer Koordinator hinzu. Tokmaks Ziel ist klar definiert: „Wir möchten mehr Jugendliche auf den Platz statt auf die Straße bekommen.“ Mit 30 Jugendlichen im Verein ist dieses Ziel auch durch die Teilnahme am Vielfalt- Cup durchaus erfolgreich umgesetzt worden. So freut sich Tokmak auch, Mitglieder einer Bambini- und einer Frauenmannschaft präsentieren zu können. Mit Abdoul Schwotzer-Conde vom Kulturzentrum Oberberg (Kizo) war nicht nur der Trainer der Kizo-Mannschaft vor Ort, sondern der vierte Hauptkoordinator der Veranstaltung.
[Ob Influencer krisskk243 auch seine Community am Pokalgewinn teilhaben lässt, werden wir demnächst erfahren.]
Eingeleitet wurde die dritte Edition des Cups erstmalig mit einem Bambini-Spiel. Die 23 Kinder im Alter von sechs bis acht Jahren sollten eigentlich 30 Minuten spielen, entwickelten jedoch eine derartige Spielfreude, dass die Veranstalter sie nicht unterbrechen wollten und das Spiel auf eine Stunde Spielzeit verlängerten. Unter dem Motto „Vielfalt pur – Einfach just for fun“ waren beide Mannschaften bunt zusammengewürfelt worden und ein Siegerteam wurde nicht ermittelt. Das war bei den ebenfalls gemischten Damenteams anders. Janine Schüttelhelm, Projektkoordinatorin der Caritas Oberberg betreut unter anderem das „Amif 2.0“-Projekt, welches zugewanderte Frauen ermuntert, sich künstlerisch und spielerisch zu betätigen. Für die Partie hatte sie die T-Shirts entworfen und organisiert sowie sich um die Finanzierung eines Wanderpokals gekümmert. Beim fußballerischen Aufeinandertreffen der alevitischen Gemeinde und der Afrika Union konnten sich die Frauen der alevitischen Gemeinde durchsetzen.
Beim Turnier der Herrenmannschaften trafen in diesem Jahr acht Teams mit jeweils acht Spielern aufeinander. Mit zwei Teams waren Integration Nümbrecht, Alevi Kültür Merkezi-Oberberg e.V. und Afrika Union vertreten. Die freie evangelische Gemeinde Brüchermühle und das Kizo traten mit jeweils einem Team an. Gespielt wurde auf zwei Kleinspielfeldern und für jeweils15 Minuten.
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[Kämpferisch, aber nie unfair ging es bei allen Spielen des Cups zu.]
Die Pausenzeiten wurden von allen Spielern und Besuchern zum Austausch und zum Stärken genutzt. Die komplette Verpflegung wurde von den Vereinen organisiert und mitgebracht. Neben einem gesunden Obstbuffet hatte die Afrika Union unter anderem auch das afrikanische „Mikace“, ein Mehlgebäck, für alle Aktiven und Gäste vorbereitet. Während die Herren spielten, tanzten Mama Simone, Nounkan, Foulématou und Hawa stundenlang zu den aus den Boxen dröhnenden afrikanischen Rhythmen ab. Besonders Simone hatte allen Grund zu feiern, eigentlich nur als Ersatz für eine erkrankte Spielerin eingesprungen, war es der 14-jährigen B-Jugend-Spielerin des LTV Lüdenscheid gelungen, gleich zwei Tore zu schießen, auch wenn es am Ende doch nicht reichte. Noukan Sylla hatte auf Wunsch ihres Vaters, des 1. Vorsitzenden der Afrika Union, mit Foulématou und Hawa zwei Freundin akquiriert, die zuvor noch nie Fußball gespielt hatten.
Zumindest für die Teenies war ein Spieler der Afrika Union der unumstrittene Star der Veranstaltung. Mit Kristenvie Kisala-Kissoko alias „kriskk243“ hatte das Team einen Influencer im Tor, der die Herzen der jüngsten Besucher höherschlagen ließ. Mit den Worten „Gummersbach – Wir müssen reden“ beginnen seine Videos in den sozialen Netzwerken zu sozialen Themen, Berichten und Meinungen. Diese erreichen bis zu eine Millionen Aufrufe. Mal lustig, mal ernst, aber stets authentisch und mit Leidenschaft macht er Jugendlichen Mut aktiv zu werden. In seinen Videos steht die Vielfalt Oberbergs im Vordergrund, aber sein Motto: „Jugend braucht mehr“ kommuniziert er auch im Gespräch mit Bürgermeistern wie Raoul Halding-Hoppenheit. So verwundert es wohl niemanden, dass er von Fans um die meisten Selfies gebeten und zur meistfotografierten Person des Tages wurde. Nebenbei erwähnt gelang es seinem Team auch noch, den ersten Platz im Turnier zu erringen, gefolgt von den Integrationsmannschaften Nümbrecht sowie dem Team des „Kizo“ auf Platz vier.
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[Auch die Frauen gaben bei ihrem Spiel alles, besonders die erst 14 Jahre alte Torschützin Mama Simone Camara vom LTV Lüdenscheid (unten links) konnte überzeugen.]
Besonders geprägt wurde die Veranstaltung jedoch von den leisen Tönen, Erfahrungen und Austauschgesprächen. So berichtete Victoria Lutz, Vizepräsidentin der Afrika Union, vom Problem unzähliger Frauen mit Migrationshintergrund, aufgrund sprachlicher Barrieren in Oberberg integriert zu werden. Während Kinder in Kitas und Schulen zunehmend die deutsche Sprache erlernen würden, wie auch die Männer im beruflichen und sozialen Kontext, seien sie als Familienmanagerinnen häufig isoliert. Eine Teilnahme an Deutschsprachkursen sei ihnen häufig dadurch nicht möglich, weil die Betreuungszeiten in Kitas oder Schulen nicht kompatibel sind. Bankgeschäfte und Arztbesuche würden ohne Deutschkenntnisse zu einer enormen Herausforderung und insbesondere die steigende Zahl an alleinerziehenden Müttern, mit der alleinigen Verantwortung zur Organisation, führe bei diesen zu Einsamkeit und Isolation. Sie selbst hätte ein Netzwerk aufgebaut, dass sich um die Probleme dieser Frauen und Mütter kümmere und diese individuell an Anlaufstellen vermittele. Bei traumatisierten Frauen käme noch der Bedarf an psychologischer Betreuung hinzu, die ebenfalls durch mangelnde Sprachkenntnisse erschwert würde.
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[Motiviert zeigten sich alle Bambini und die Freude über die Medaillen als Belohnung war riesig.]
Jamel Othmani freut sich über die 111 Aktiven, aber auch über die knapp 250 Besucher, die den Weg ins Stadion gefunden hatten. Zunehmend möchte er die Organisationsverantwortung auf die anderen drei Koordinatoren übertragen und berichtet voller Stolz, wie gut das bereits in diesem Jahr funktioniert habe. Das Motto „Caritas verbindet Nationen“ sei von allen Koordinatoren im komplexen Gebiet der Diversität hervorragend umgesetzt und beispielhaft repräsentiert worden. Dass es erstmalig ein Bambini- und ein Frauenspiel gegeben habe, sei ein gutes Signal für die Zukunft und mache Mut. Bei allem Optimismus sehen manche Vertreter von Organisationen jedoch auch das Problem der um sich gehenden Angst vor Übergriffen bei den Migranten. „Inklusion ist keine Einbahnstraße“, sondern muss von jeder Seite angestrebt werden, darin ist man sich einig.
Umso positiver das Statement von Eduard Horn, der als Besucher vor Ort war und in seinem Statement sagte: „Es war eine harmonische und friedliche Stimmung. Die Verpflegung war top. Die Atmosphäre war ganztägig gut und die sportliche Unterhaltung war gegeben. Vielen Dank an die Veranstalter.“

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