LOKALMIX
„Jeder sollte seine eigenen Risikofaktoren kennen!“
Gummersbach - Die Schlaganfall-Initiative Oberberg machte am Montag Station am Lindenplatz - Aufmerksamkeit auf das Thema Prävention lenken – Gesundheitschecks lockten viele Menschen an.
Von Lars Weber
Der Informationstag der Schlaganfall-Initiative Oberberg vor und in dem markanten roten Bus auf dem Lindenplatz war noch nicht lange am Laufen, da konnte er bereits als Erfolg verbucht werden. Denn bei den sehr gut genutzten Vorsorgeangeboten stellten die Ärzte bei einer Person tatsächlich ein Vorhofflimmern fest – es ging umgehend ins Krankenhaus. Auch bei den Ultraschalluntersuchungen der Halsgefäße zeigten sich allein bis zum Mittag bei 80 Untersuchungen zehn Fälle, bei denen Ablagerungen weiter beobachtet werden müssen. Diese Statistik nach rund zwei Stunden unterstrich den Zweck der Aktion deutlich: Wie wichtig es ist, sich früh- und rechtzeitig mit dem Thema Schlaganfall und den häufigsten Ursachen dafür - Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzrhythmusstörungen – auseinanderzusetzen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.
Eingeladen zu der Veranstaltung hatte am Montag die Schlaganfall-Initiative Oberberg, deren Mitglieder seit mehr zehn Jahren zusammenarbeiten. Daher machte die von Boehringer Ingelheim initiierte Aufklärungstour „Herzenssache Lebenszeit“ auf Betreiben der Klinik für Neurologie am Kreiskrankenhaus Gummersbach einmal mehr in der Kreisstadt Halt - wenn auch dieses Mal ohne Doppeldecker. Neben den Gesundheitschecks gab es EKG-Demonstrationen im Rettungswagen und die Möglichkeit zur Beratung zu Themen wie Prävention oder Reha. Außerdem gab Karl-Heinz Görlitz Einblicke in seine Tätigkeit als ehrenamtlicher Schlaganfallhelfer, der Patienten zum Beispiel beim Einkaufen oder Behördengängen unterstützt (OA berichtete).
Plötzlich auftretende Sprachstörungen, Schwindel und Gleichgewichtsverlust, Lähmungen und Taubheitsgefühle, Sehstörungen, starke Kopfschmerzen oder herunterhängende Mundwinkel – das alles können typische Symptome für einen Schlaganfall sein. Und diese Symptome gilt es zu kennen und direkt zuordnen zu können, wie Ralf Schmallenbach, Gesundheitsdezernent des Oberbergischen Kreises, zusammen mit anderen Initiativpartnern des Klinikums Oberberg, der Dr-Becker-Rhein-Sieg-Klinik, der MediClin Reha-Klinik Reichshof, von der Kreisstelle der KV Nordrhein und der AOK Rheinland/Hamburg deutlich machte.
„Eine Nacht drüber schlafen“, das sei keine Option. Entscheidend sei die Zeit, die zwischen Schlaganfall und Lysetherapie verstreicht. „Hier waren wir früher auf einem Abstiegsplatz, inzwischen sind wir zwar noch nicht in der Champions League, aber es ist besser geworden.“ Das macht Schmallenbach auch an der Schlaganfall-Initiative fest und den vielen Präventionsangeboten und Kampagnen der Partner. Dr. Lukas Schneider, Oberarzt der Klinik für Neurologie Klinikum Oberberg, hatte die Zahlen dazu. 1.100 Schlaganfall-Patienten gab es zuletzt im Jahr, etwa 120 wurden lysiert, 90 weitere bekamen eine Katheterbehandlung. Die Wahrscheinlichkeit, nach einem Schlaganfall symptomfrei zu werden, ist höher, wenn der Notruf 112 so früh wie möglich erfolgt.
Hervor hob Dr. Jürgen Bonnert, Chefarzt der Neurologie an der MediClin Reha-Klinik, die Primärprävention, also das Ziel, einen Schlaganfall zu vermeiden durch einen gesunden Lebensstil. „Rauchen zum Beispiel oder Bewegungsmangel, da ist sehr viel beeinflussbar.“ Diese Primärprävention versuchten die Initiativpartner auch zu fördern, die AOK oder der Oberbergische Kreis zum Beispiel durch Aktionen und Programme, die schon im Kindergarten starteten, um gesunde Ernährung und den Spaß an Bewegung zu fördern. Kaija Elvermann riet darüber hinaus zur Grippeschutzimpfung. Influenza könne den Schlaganfall begünstigen, da das Virus die Gefäßwände angreife.
Die Möglichkeiten der Prävention und Information sind also vielfältig. Dr. Vedat Tiyerili, Chefarzt der Klinik für Kardiologie Klinikum Oberberg, appellierte an die Eigenverantwortlichkeit der Patienten. „Jeder weiß, dass Zucker und Zigaretten schlecht sind. Jeder sollte seine eigenen Risikofaktoren kennen.“ Zumal zum Beispiel Bluthochdruck, Bewegungsmangel oder Diabetes nicht nur Risikofaktoren für Schlaganfälle sind, sondern auch für Herz- und Gefäßerkrankungen. „Wenn die Beschwerden erstmal da sind, ist es oft schon zu spät.“
Weitere Informationen zum Thema gibt die Initiative Schlaganfall auch hier.
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