LOKALMIX

Lautes Signal in die Chefetagen

lw; 04.11.2026, 11:00 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Fünf Prozent mehr Lohn: Die Beschäftigten haben klare Forderungen.
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Lautes Signal in die Chefetagen

lw; 04.11.2026, 11:00 Uhr
Wiehl – Die Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie im Rahmen der Tarifverhandlungen haben das Oberbergische erreicht – Am Dienstag gingen in Wiehl die Beschäftigten nach Aufruf der IG Metall auf die Straße für mehr Lohn.

Von Lars Weber

 

Zwischen 200 und 300 Beschäftigte sind am Dienstagmittag von der BPW quer durch Wiehl bis zum Rathaus gezogen, um mit Trillerpfeifen und lauter Musik in den aktuellen Tarifverhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden ein Signal in die Chefetagen zu senden. Vorher fanden bereits Aktionen bei den Firmen Bühler und Otto Kind statt, bei Martinrea wurde symbolisch früher Feierabend gemacht. Damit haben die Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie auch Oberberg erreicht. Haydar Tokmak, neuer Erster Bevollmächtigter der IG Metall Oberberg, nutzte seine Rede am Wiehler Rathaus, um die Situation aus Sicht der Beschäftigten darzustellen und die Forderungen zu unterstreichen.

 

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Zuvor hatten die ersten beiden Verhandlungsrunden keine Annäherung zwischen Gewerkschaften und Arbeitsgeberverbänden gebracht. „Unsere Forderung ist klar, vernünftig und gerecht“, sagte Tokmak unter dem Jubel der Beschäftigten. „Fünf Prozent mehr Geld für die Beschäftigten, fünf Prozent mehr für die Auszubildenden, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.“ Das aktuelle Angebot der Arbeitgeber sieht dagegen im kommenden Jahr eine Einmalzahlung von 650 Euro und 2028 eine Stufenerhöhung von 1,3 Prozent im Juli 2028 vor. „Kein Wort über Arbeitsplatzsicherheit“, sagte Tokmak, der das Angebot als „Schlag ins Gesicht der Beschäftigten“ bezeichnete.

 

Der Chef der IG Metall Oberberg sieht in den Forderungen der Gewerkschaft keine Provokation. Vielmehr seien sie eine „Antwort auf die Realität“. „Die Realität ist: Das Leben ist teurer geworden. Mieten, Lebensmittel, Energie, Mobilität, alles kostet mehr“, so Tokmak. In den vergangenen Jahren hätten sich die Beschäftigten zurückgehalten und Krisen mitgetragen, Flexibilität gezeigt, Zusatzschichten gemacht und die Maschinen am Laufen gehalten. „Wir haben Aufträge gerettet!“ Jetzt aber benötigten die Beschäftigten eine dauerhafte Erhöhung der Entgelte aufgrund der Entwicklungen.

 

[Haydar Tokmak, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, sprach an den Treppen der evangelischen Kirche zu den Beschäftigten, die sich vor dem Rathaus versammelt hatten.]

 

Er wisse dabei um die Herausforderungen der Unternehmen. „Natürlich stehen sie unter Druck.“ Wer aber die Zukunft sichern wolle, dürfe nicht bei den Beschäftigten sparen. „Wer eine stabile Wirtschaft will, muss in Beschäftigte investieren.“ Die Erfahrungen in der Vergangenheit hätten gezeigt, dass man eine starke Binnenwirtschaft benötige, wenn es wirtschaftlich schwieriger werde. „Die Binnenwirtschaft braucht einen Impuls und das geht nur, wenn der Endkunde, und das sind wir, Geld in der Tasche hat!“

 

Tokmak ärgerte sich, dass die Arbeitgeberverbände sich über Krankenstände und Fehlzeiten beklagten. „Wenn Menschen krank werden, dann hat das oft Gründe. Zu wenig Personal, zu hoher Druck, zu viele Aufgaben auf zu wenigen Schultern.“ Es werde immer mehr verlangt. „Da darf sich niemand wundern, wenn Menschen irgendwann erschöpft sind.“

 

Die Tarifrunde werde nicht nur am Verhandlungstisch entschieden, sondern auch in den Betrieben. Deshalb freute sich Tokmak in Wiehl über die Anwesenheit der Mitarbeiter von BPW, Elektrisola, Berg, Kind & Co und von Schneider Electric, die ordentlich Lärm machten. Vor Ort unterstützte auch Tokmaks Vorgänger Werner Kusel die Mitarbeiter. Mit dabei waren zudem Beschäftigte der Firma Kampf in Mühlen, bei der die AG alle Tarifverträge gekündigt hatte. „Das ist nichts anderes als Tarifflucht“, so Tokmak deutlich. Der Kampf der Beschäftigten dort verdiene großen Respekt. Die Anwesenheit zeige: „Solidarität endet nicht am Werkstor!“

 

Am morgigen Donnerstag gibt es in Marienheide den nächsten Warnstreik. Erwartet werden Beschäftigte der Unternehmen Rüggeberg, MAT, S&C, Voestalpine und VOSS. Die nächste Verhandlungsrunde findet dann am 9. November statt. Danach werde laut Tokmak entschieden, wie es mit den Streiks weitergeht.

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