LOKALMIX
Nach Insolvenz der Bergischen Edelstahlwerke: Suche nach Investor läuft
Engelskirchen – Nach Angaben des Insolvenzverwalters gibt es erste Gespräche – Bei einem Treffen sagt IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler Hilfe zu.
Von Peter Notbohm
Die Engelskirchener „Bergische Edelstahlwerke GmbH“ kämpft ums Überleben. Nachdem das Unternehmen Anfang Februar Insolvenz angemeldet hatte (OA berichtete), ist das Insolvenzausfallgeld für die etwa 130 Mitarbeiter bis Ende April garantiert. Findet sich bis dahin keine Lösung, heißt das noch nicht automatisch das Aus der Firma, die Anfang 2025 aus dem Verkauf der Geschäftsbereiche „Gießerei“ und „Stahlwerk“ der Engelskirchener Firma Dörrenberg Edelstahl an die Callista Private Equity entstanden ist. So lange die „Bergische Edelstahlwerke GmbH“ keine Verluste einfährt, kann Insolvenzverwalter Dr. Martin Plappert unbegrenzt weiterarbeiten.
Die Auftragslage stimmt den Insolvenzverwalter optimistisch. Das erklärte er am Mittwoch auf einem Treffen mit IG Metall-Bezirksleiter Knut Giesler. Zwar müsse das Unternehmen in neue Strukturen gepresst werden, doch allein im März habe man den bislang besten Auftragseingang überhaupt in Höhe von zwei Millionen gehabt. Trotzdem würde die „Bergische Edelstahlwerke GmbH“ unter Vollkosten derzeit in die Verlustzone rutschen, weshalb es dann zu Strukturanpassungen kommen müsste. Die Grenze ist die eigene Liquidität, die durch das Insolvenzgeld im Zeitraum bis Ende April aufgebaut werden kann.
Überhaupt sprechen Plappert und Geschäftsführer Georg Wanders von einer eher atypischen Insolvenz. Die „Bergische Edelstahlwerke GmbH“ sei kein hochverschuldetes Unternehmen. Das Problem sei vielmehr die fehlende Liquidität. Viele Projekte seien langfristig geplant mit Zahlungszielen von bis zu einem halben Jahr. Durch die angespannte geopolitische Lage brach im vergangenen Jahr aber nicht nur durch Trumps Zollpolitik das US-Geschäft in Höhe von bis zu vier Millionen Euro weg, was man durch neue Geschäftsbereiche (beispielsweise im Defense-Bereich) habe kompensieren können. Anfang des Jahres verschoben sich dann aber andere größere Projekte, sodass dem Unternehmen auf Strecke die Puste ausgegangen sei, erklärt Wanders.
Die einfachste Lösung wäre der Einstieg eines neuen Investors, der die Vermögenswerte aufkauft. Vorderstes Ziel sei dabei auch der Erhalt möglichst aller Arbeitsplätze. Ob das möglich ist, müssen allerdings die Erwerberkonzepte eines möglichen Investors zeigen. „Wir hoffen, wir wissen im April, wohin die Weichenstellung geht“, sagt Plappert. Mit dem Gläubigerausschuss habe man bereits die richtige Richtung eingeschlagen. Auch die Mitarbeiter stehen demnach hinter der aktuellen Planung und seien „extrem realistisch eingestellt“. Auch von den Großkunden sei bislang keiner abgesprungen, sagt Wanders, vielmehr werden Gespräche über Bestellungen bis in den Juli geführt.
Erste Gespräche mit potenziellen Investoren wurden ebenfalls bereits geführt, bereits diese Woche gibt es konkretere Gespräche mit zwei Interessenten. Auch IG Metall-Bezirksleiter Giesler sagte Unterstützung zu und will Plappert und Wanders mit NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) und Arndt Kirchhof, Vizepräsident des Spitzenverbandes der Arbeitgeber BDA, in Kontakt bringen. Das Ziel: Das Netzwerk der möglichen strategischen Investoren deutlich zu erweitern. Plappert sprach von „einem echten Mehrwert“ durch die direkten Kontakte.
Wanders ist überzeugt, dass sich der Kampf lohnt und sieht positive Zukunftsprognosen für die betroffenen Mitarbeiter: „Wäre ich davon nicht überzeugt, wäre ich nicht mehr hier. Wenn man einer der Überlebenden der Krise in unserer Branche ist, gibt es mittelfristig ganz andere Chancen und dann ist man noch interessanter für den Markt. Dafür gilt es gemeinsam zu kämpfen.“
Auch Haydar Tokmak, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Oberberg, lobte die Anstrengungen in Engelskirchen: „Es ist vorbildlich, wie man hier von Anfang an verantwortungsvoll miteinander umgegangen ist. Davon kann sich mancher Arbeitgeber eine große Scheibe abschneiden. Wir haben ein gemeinsames Ziel: Die Verantwortung zu tragen und alles Mögliche zu tun, diesen Standort und seine Arbeitsplätze zu sichern.“
KOMMENTARE
Jeder Nutzer dieser Kommentar-Funktion darf seine Meinung frei äußern, solange er niemanden beleidigt oder beschimpft. Sachlichkeit ist das Gebot. Wenn Sie auf Meinungen treffen, die Ihren Ansichten nicht entsprechen, sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Einstellung folgender Inhalte ist nicht zulässig: Inhalte, die vorsätzlich unsachlich oder unwahr sind, Urheberrechte oder sonstige Rechte Dritter verletzen oder verletzen könnten, pornographische, sittenwidrige oder sonstige anstößige Elemente sowie Beschimpfungen, Beleidigungen, die illegale und ethisch-moralisch problematische Inhalte enthalten, Jugendliche gefährden, beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen könnten, strafbarer oder verleumderischer Art sind, verfassungsfeindlich oder extremistisch sind oder von verbotenen Gruppierungen stammen.Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.