LOKALMIX
Neue Bürgerenergiegenossenschaft startet in Reichshof
Reichshof - Bei "Schwarmkraft" soll jeder Bürger mitmachen können - Zusammenarbeit mit Gemeinde - Ein erstes gemeinsames Projekt ist bereits in Vorbereitung.
Die Gemeinde Reichshof und die neu gegründete Bürgerenergiegenossenschaft Schwarmkraft haben vereinbart, lokale Energieprojekte künftig gemeinsam voranzubringen. Dies geht aus einer Mitteilung der Beteiligten hervor. Die Gemeinde begleitet die Vorhaben aktiv und prüft, sich an geeigneten Projekten auch wirtschaftlich zu beteiligen. Die Energiewende solle in Reichshof "nicht über die Köpfe der Menschen hinweg gemacht" werden, sondern mit ihnen. Der Leitsatz der jungen Genossenschaft: "Die Energiewende gehört in Bürgerhand".
Hinter Schwarmkraft stehen laut Mitteilung keine auswärtigen Investoren, sondern Menschen "von hier", darunter Fachleute aus der Energiewirtschaft, die Projekte dieser Art beruflich planen, bauen und betreiben. Ihr Antrieb gehe über Klimaschutz und Energiewende hinaus: Es gehe darum, die Wertschöpfung aus Sonne und Speichertechnik dort zu halten, wo sie entsteht, in Reichshof.
Jeder soll mitmachen können. Die Mitgliedschaft sei bewusst niedrigschwellig gehalten: Ein Genossenschaftsanteil kostet 50 Euro, ein Aufgeld fällt nicht an, "damit die Beteiligung an der Energiewende nicht vom Geldbeutel abhängt". Für die Mitglieder von hier, aus Reichshof und den angrenzenden Gemeinden, gelte dabei das genossenschaftliche Prinzip eine Person, eine Stimme: "Wer mit einem Anteil dabei ist, hat in der Generalversammlung dasselbe Stimmrecht wie jedes andere Mitglied, unabhängig von der Höhe der Beteiligung", heißt es weiter. Auch wer weiter weg wohnt, kann die Genossenschaft als investierendes Mitglied unterstützen, ab zwei Anteilen und ohne Stimmrecht, denn über die Projekte vor Ort sollen die Menschen entscheiden, die in der Region zuhause sind.
Ein erstes gemeinsames Projekt sei bereits in Vorbereitung, weitere Vorhaben würden geprüft. Über konkrete Beteiligungen der Gemeinde entscheiden dabei wie bei allen Vorhaben dieser Größenordnung der Rat und seine Gremien, jeweils auf Grundlage einer unabhängigen wirtschaftlichen Prüfung. Zu jedem Projekt soll es frühzeitig Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten geben.
Eines der ersten Mitglieder der Genossenschaft ist Bürgermeister Jan Gutowski: „Mir war wichtig, dass wir in Reichshof nicht abwarten, bis andere die Energiewende für uns machen. Mit der Schwarmkraft haben wir dafür genau den richtigen Partner: Sachverstand von hier und das klare Ziel, dass die Erträge bei uns bleiben. Das Schönste an diesem Modell ist ja: Es schließt niemanden aus.“ Katharina von Weschpfennig, Vorstand der Schwarmkraft, ergänzt: „Wir sind eine junge Genossenschaft, und genau darin liegt die Chance: Wer jetzt beitritt, gestaltet von der ersten Stunde an mit.“
Weitere Informationen gibt es hier. Fragen beantwortet die Genossenschaft unter info@schwarmkraft.org.
Die FDP-Fraktion hat eine Stellungnahme zu der Kooperation der Gemeinde mit der Genossenschaft veröffentlicht. Darin begrüßt sie zwar grundsätzlich die Idee, Bürgerinnen und Bürger an der Energiewende vor Ort zu beteiligen und regionale Wertschöpfung zu stärken. Sie kritisiert aber, dass die Gemeinde für die Genossenschaft um Mitglieder wirbt. Daher habe die Fraktion eine schriftliche Anfrage an den Bürgermeister gerichtet, unter anderem um zu klären, was die bereits vereinbarte Zusammenarbeit konkret umfasst, welche Prüfungen bislang erfolgt sind und auf welcher Grundlage sich die Gemeinde an der Mitgliederwerbung beteiligt. "Uns ist wichtig, wir sind weder gegen Bürgerenergie noch gegen die Schwarmkraft. Was wir fordern, sind Transparenz und eine klare Rollenverteilung."
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