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Notwasserversorgung: Pläne für Aggertalsperre jetzt konkret
Oberberg – Pegelstände der Gewässer fallen, ebenso wie die Füllstände der Talsperren – Der Aggerverband erklärt im Gespräch die aktuelle Situation und die Pläne, um die Trinkwasserversorgung in der Region zu sichern.
Von Lars Weber
Während die Temperaturen aktuell wieder weiter steigen, fallen die Pegelstände bei den heimischen Gewässern immer weiter. Auch die Füllstände der Talsperren nehmen ab, immerhin die Trinkwasserquelle für die Region. OA nahm die Dürreperiode in diesem Sommer zum Anlass, mit dem Aggerverband über die aktuelle Situation zu sprechen, über die Auswirkungen auf die Tierwelt und die Pläne für die Zukunft, um die Trinkwasserversorgung auch bei noch längeren Dürreperioden zu gewährleisten – der Klimawandel lässt grüßen. Rede und Antwort standen dabei Aggerverbands-Vize Thorsten Falk, Wim Dissevelt als Leiter des Bereichs Talsperren und Fließgewässer sowie Dieter Wonka, Leiter des Bereichs Trinkwasser. OA fasst die wichtigsten Themen zusammen.
Wie sieht es aktuell an den Fließgewässern aus?
Gerade der Blick auf die Pegelstände der Agger zeigen einen deutlichen Rückgang der Wasserspiegellagen, sagt Wim Dissevelt. An der Oberagger werden aktuell vier Zentimeter gemessen, in Ründeroth zeigt das Messgerät gerade mal einen Zentimeter an, in Rebbelroth, bei Hochwassergefahr oft ein wichtiger Indikator, sind es zehn Zentimeter (alles Stand 13. August, mittags). Ende Februar befand sich der Pegel in Rebbelroth noch bei 30 Zentimetern. Dissevelt könne selbst nicht prognostizieren, wie weit es noch geht. Dabei werde ja immer noch aus den Quellen Wasser hinzugeführt. Kleinere Bäche seien teils schon trockengefallen. „Die Agger ist kaum existent“, sagt auch Falk. Der Pegel an der Wiehl (Messstandort Perke) ist indes relativ konstant bei rund 30 Zentimetern. An der Bröl zeigt die Anzeige elf Zentimeter, an der Leppe sechs Zentimeter, an der Sülz 20 Zentimeter.
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[Foto: Lars Weber --- Die Agger in Rebbelroth ist nur noch zehn Zentimeter tief.]
Was sind die Konsequenzen?
Ohne die Abgabe der Talsperren an die Gewässer (100 Liter pro Sekunde aus Wiehltalsperre und 150 Liter pro Sekunde aus der Aggertalsperre) würde es gerade für die Agger düster aussehen. Aus Sicht des Trinkwasseraufbereiters sei dies zwar ein Missverhältnis, da der Wasserkörper der Talsperren abschmilzt, für die Gewässerökologie sei dies aber ein Glück. „Wir haben da eine stützende Funktion“, sagt Dissevelt. Die niedrigen Pegel seien für die Lebewesen ein Problem. Sie haben nicht mehr so viel Raum. „Es gibt wenige Möglichkeiten, dann auch in Bereiche zu flüchten, um sich vor Prädatoren zu schützen“, nennt Dissevelt ein Beispiel. Hinzu kommen die höheren Temperaturen des Wassers. „Gerade die Bachforelle liebt ja kühles Wasser.“ Die Temperaturen führen zu Stress. Es seien auch schon einige wenige tote Fische gesichtet worden, die an die Wasserbehörde gemeldet werden.
Wie sind die Füllstände an den Talsperren?
Die Aggertalsperre ist zu 57 Prozent gefüllt. Deutlich interessanter für die Trinkwasserversorgung sind freilich die anderen beiden Talsperren. Die Genkeltalsperre ist zu 60 Prozent gefüllt. Anfang März nach dem Winter, in dem die Talsperren wieder gefüllt wurden, waren es rund 83 Prozent. Die Wiehltalsperre ist aktuell zu 57 Prozent gefüllt. Anfang März waren es 72,8 Prozent. Ein gesunder Füllstand betrage dort etwa 80 Prozent.
[Grafiken: Aggerverband --- So haben sich die Füllstände seit Januar 2023 entwickelt. Ein Klick auf die Grafiken vergößert sie.]
Ganz voll darf die Wiehltalsperre gar nicht sein, weil der Aggerverband auch den Hochwasserschutzraum berücksichtigen muss. Wenn die Talsperre bei einem Starkregenereignis oder bei einer langfristigen Regenperiode unkontrolliert überläuft, würde dies zu massiven Problemen führen. Hier zeigt sich auch der Balanceakt, den der Aggerverband leisten muss: Zum einen möglichst viel Rohwasservorrat für die Trinkwasserversorgung gewinnen. „Auf der anderen Seite müssen wir die Hochwasserschutzfunktion der Talsperren im Blick behalten“, betont Falk. „Je voller, desto besser“, das gilt nur für die Genkel, die in den Aggertalsperre überlaufen kann.
Was bedeutet das für die Trinkwasserversorgung?
Zunächst einmal befinden sich alle Füllstände im „blauen“, also positiven, Bereich. „Wir sind noch ein gutes Stück vom Gelben weg“, sagt Falk. Trotzdem sei es unbedingt weiter geboten, bewusst und nachhaltig mit dem Wasser umzugehen, macht er ebenso klar. Dieter Wonka führt aus, dass der Wasserverbrauch in den vergangenen drei Monaten um rund zehn Prozent angestiegen ist. Positiv: Er sei nicht eklatant höher geworden als in den beiden Vorjahren in derselben Zeitperiode. Falk nimmt diese Zahl und subjektive Eindrücke als Hinweis darauf, dass viele Menschen bereits sorgsam sind in Bezug auf ihren Wasserverbrauch und nicht jeden Tag ihren Rasen wässern oder ihr Auto waschen. „Da ist gesunder Menschenverstand gefragt.“
Dies ist auch nötig. Denn der Speicher muss noch eine Weile halten. Die vergangenen Jahre hätten laut Wonka gezeigt, dass sich die Zeitspanne der Befüllung eher nach hinten verschiebt. 2020 und 2023 wurden die Betriebspläne an den Talsperren angepasst, um auf solche Veränderungen einzugehen und den gegenläufigen Aufgaben des Verbands gerecht zu werden. Auch aktuell sei man mit der Bezirksregierung in der Diskussion über die Spielregeln, die solche Dürreperioden noch stärker berücksichtigen.
Wie ist die Trinkwasserversorgung trotz des Klimawandels sicherzustellen?
Der Fokus in den aktuellen Plänen des Aggerverbands, um die Trinkwasserversorgung in Oberberg trotz den Folgen des Klimawandels sicherzustellen, liegt direkt vor der Haustür. Schon der ehemalige Verbandschef Dr. Lothar Scheuer hatte die Aggertalsperre als Option für die Krisenversorgung ins Spiel gebracht. Nun, unter seinem Nachfolger Dr. Uwe Moshage, soll der Plan in die Realität umgesetzt werden.
[Grafik: Aggerverband --- Die Grafik zeigt die Temperaturentwicklung an der Aggertalsperre.]
„Die Talsperre war in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg schon mal Trinkwassertalsperre“, erinnert Falk. Alles, was dafür notwendig ist, ist in Grundzügen dort. Vom Pumphäuschen an der Aggertalsperre über eine alte Leitung (gerade sind dort Steuerungs- und Telekommunikationskabel verlegt), über das Pumpwerk für die Genkel und nicht zuletzt das Wasserwerk Erlenhagen, das das Wasser aus der Genkel aufbereitet. Der Neubau dieses Wasserwerks soll bereits in den Wirtschaftsplan 2027 einfließen – inklusive neuester Membrantechnik für die beste Filterleistung. Die Aggertalsperre als Notwasserversorgung ist da schon im Hinterkopf. Die Anträge dafür möchte der Aggerverband bald stellen. Die Bezirksregierung stehe dem Vorhaben positiv gegenüber.
Wichtig: Eine reine Trinkwassertalsperre soll die Aggertalsperre nicht werden, „aber zur Quelle einer Notwasserversorgung“. Sprich: „Wenn Genkel und die Wiehltalsperre nicht mehr ausreichend Wasser hergeben, wir aber in dem Gesamtzusammenhang aus der Agartalsperre noch etwas entnehmen könnten, hätten wir die Möglichkeit“ – die entsprechenden Ertüchtigungen natürlich vorausgesetzt. Inwiefern eine solche Regelung den Freizeitbetrieb an der Aggertalsperre beeinflusst, darüber möchte der Aggerverband nicht spekulieren, verweist aber zum einen auf die modernen Aufbereitungstechniken für das Wasser und zum anderen auf Talsperren wie die Lister, bei der Baden und Trinkwasserversorgung sich nicht ausschließen.
Wann könnten die Pläne in die Tat umgesetzt werden?
Der Neubau des Wasserwerks Erlenhagen wird nun angestoßen und soll im nächsten Jahr starten. Nach dem derzeitigen sehr frühen Stand der Kostenschätzung wird dieser Investitionen von rund 50 Millionen Euro erfordern. Der Aggerverband hofft auf eine Förderung. Mit der Ertüchtigung der Anlagen rund um die Aggertalsperre möchte der Verband bei grünem Licht noch in diesem Jahrzehnt beginnen. Für die Ertüchtigung der Rohrleitung nach Erlenhagen und des Pumpwerks sowie für die Neuerrichtung einer Mittelspannungsanlage schätzt der Verband die Kosten auf fünf Millionen Euro. Der Bund fördert solche Maßnahmen der Notversorgung, sodass man hier von einer 80-prozentigen Fördersumme und einem Eigenanteil von einer Million Euro plant.
Bestenfalls laufen beide Maßnahmen – Wasserwerk und Ertüchtigung – parallel. Falk ist aber zuversichtlich: „Wir glauben, dass wir mit diesem Projekt ganz viele Fliegen mit einer Klappe schlagen können und letztlich zu den Wurzeln zurückkommen, zu denen die Talsperre schon mal genutzt worden ist“.
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