LOKALMIX
Traditionsbewusstsein und Signal der Freundschaft
Bergneustadt – Festtrubel in der Stadt geht weiter – NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst beim Empfang der Neustädte – Böllerschuss zur Toreinweihung am Morgen.
Von Vera Marzinski
Zum Festabend der 27 Neustädte fanden sich die jeweiligen Vertreter und weitere Gäste im Festzelt ein und als Ehrengast NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, der das Neustädter-Treffen als „Signal der Freundschaft und der Verständigung“ hervorhob. Am zweiten Tag der Festlichkeiten zum 725. Stadtgeburtstag in Bergneustadt gab es am Vormittag ein Spektakel mit allen Landsknechten, Markentenderinnen und dem Musikzug aus Halver zur „Großen Torweihe“ und am Nachmittag einen Empfang der Neustädte, bevor am Abend für alle „Neustädter“ und Bergneustädter Bürger ein festlicher Ballabend mit der Band „Palais des Fous“ stattfand.
„Überall aus Deutschland und weiter darüber hinaus, was für ein tolles Signal der Freundschaft, was für ein tolles Signal der Verständigung“, so der NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (Foto) anlässlich des Empfangs der Neustädte. „Dass sie hier sind, ist so ein starkes Zeichen der Verbundenheit. Das ist gelebtes Europa!“ Und er betonte, dass Heimat ein Gefühl sei, und fragte, wie Heimat funktioniere in einer Zeit, in einer Gesellschaft mit unterschiedlichen Interessen. Nach seiner Überzeugung nur mit Demokratie. Spalterische Kräfte hätten es dort schwer, wo der Zusammenhalt in einer Gemeinschaft, in einem Ort, groß sei. „Zusammenhalt lebt von Menschen, die sich füreinander einsetzen und fragen, wo kann ich mit anpacken“, so Wüst. In Bergneustadt lebe man dies in über 100 Vereinen vor und für diesen tollen Einsatz bedankte er sich herzlich. Auch die stellvertretende Landrätin Heidrun Schmeiss-Noack betonte, dass 725 Jahre Bergneustadt Geschichte, Wandel, Zusammenhalt und Zukunft zugleich seien „Vor allem aber bedeutet es 725 Jahre Menschen. Menschen, die diese Stadt geprägt haben“.
Peter Mühle, vom Koordinierungsausschuss „Neustadt in Europa“ und Alt-Bürgermeister aus Neustadt in Sachsen, freute sich besonders darüber, dass Neustädte aus fünf Ländern der Einladung nach Bergneustadt gefolgt waren und gemeinsam nun ein tolles Programm erleben und den europäischen Gedanken weitertragen. Bergneustadts Bürgermeister Matthias Thul begrüßte nicht nur die Neustädte, sondern auch eine Delegation aus der französischen Partnerstadt Châtenay-Malabry. Gerne möchte man sich auf französische Neustädte erweitern, so Thul. „Wir feiern Geschichte und Gegenwart, Heimat und Zukunft, Tradition und Gemeinschaft. Vor allem aber feiern wir Begegnung“, betonte er. Europa sei nicht nur eine politische Idee „Europa lebt durch Menschen, durch Freundschaften, durch Begegnungen, durch das ehrliche Interesse füreinander.“ Die Gemeinschaft der Neustädte Europas sei weit mehr als ein kulturelles Netzwerk oder eine schöne Tradition.
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[Frank Grebe (oben -v.re.) , Dirk Steinbach und Gunter Derksen (alle Sparkasse Gummersbach) mit Bürgermeister Matthias Thul und Katharina Heimann. Thul (unten) und Lebensgefährtin Heimann nahmen die Neustadt-Delegationen in Empfang, wie hier „Neustadt an der Donau“.]
„Sie ist ein lebendiges Zeichen dafür, dass Europa zusammengehört – und genau das ist die Grundlage für Frieden in Deutschland, Europa und der Welt.“ Und so wurde der Staffelstab für das nächste Neustadttreffen – das mittlerweile dann 49. – an Jos Hessels, Bürgermeister von Nieuwstadt-Echt Susteren, übergeben. Der niederländische Ort liegt 176 Kilometer vom oberbergischen Bergneustadt entfernt und erwartet in Kürze den Besuch des niederländischen Königs – aber beim Festumzug am Samstag sind sie mit einer größeren Delegation dabei, versicherte Hessels und präsentierte noch einen Imagefilm, um auf das nächste Treffen einzustimmen.
Doch zunächst geht es mit den Feierlichkeiten in Bergneustadt weiter, bei denen sich die Vertreter der Neustädte weiter einbringen. Zum einen beim Festumzug oder auch wie die 36 jungen Musiker aus Město Nové Město na Moravě (übersetzt Stadt Neustadt aus Mähren) in Tschechien, die zum Abschluss des Empfangs spielten. Und ihre Stadt ist mit einem Wappen auch auf der großen Pusteblume auf einem der Kreisel in Bergneustadt zu finden. Partnerschaft hat einen ganz festen Platz in Bergneustadt, betonte Bürgermeister Matthias Thul. Bergneustadt sei eine Stadt mit Geschichte, Charakter und engagierten Menschen.
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[Die Delegation aus dem niederländischen „Niewstadt“ um Bürgermeister Jos Hessels (3. V. re.) freute sich über die Staffelübergabe – sie sind 2027 Ausrichter des 49. Neustadt-Treffens.]
In diesem Zusammenhang bedankte er sich für Ideen, Engagement und auch für die Unterstützung durch Spenden, insbesondere beim Hauptsponsor – der Sparkasse Gummersbach. Viele Gäste waren zum Festabend bzw. Empfang gekommen und einige blieben auch noch zum anschließenden „Festlichen Ballabend“, der für alle offen war, bei freiem Eintritt. Hier tanzte man zu Musik der Showband „Palais des Fous“. Ein schöner Ausklang des zweiten Stadtgeburtstagstags. Der fing schon morgens besonders an mit der Torweihe.
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[In der Altstadt fand am Himmelfahrts-Vormittag die Weihe der beiden Tore statt, zwischen denen sich der Mittealtermarkt im Rahmen des Stadtgeburtstags befindet.]
Der Böllerschuss zur Toreinweihung in der Bergneustädter Altstadt löste nicht den Hagelschauer aus, aber der ergoss sich heftig während der Zeremonie am unteren Tor über die Gäste. Traditionsbewusstsein wird in Bergneustadt großgeschrieben – und dazu gehört auch diese Zeremonie im Rahmen der 725-Jahr-Feier des Stadtgeburtstags. Die sechs mal acht Meter großen Tore wurden im Vorfeld in der Altstadt aufgestellt – eines nahe der Krawinkel-Villa (Unteres Tor) und eines nahe der Gabelung Haupt-/Kampstraße (Oberes Tor).
Am Himmelfahrtsmorgen wurden die Tore durch Pfarrer Andreas Spierling unter Mitwirkung der Landsknechte geweiht. „Verbunden sind Stadtmauern auch immer mit der Hoffnung auf Frieden, mit Mut und dem Willen, eine Gemeinschaft zu gründen“, so Pfarrer Andreas Spierling zur Weihe. Wer zum Mittelaltermarkt, der anlässlich des Stadtgeburtstags stattfindet, in die Altstadt möchte, muss nun durch eins der Tore gehen, die von freundlichen Landsknechten bewacht werden.

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