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Gummersbach – 1.500 Interessierte bevölkerten am Donnerstagabend die Messe "Jobs in Oberberg – Late Night Edition" in der Halle 32 – Mehr als 50 oberbergische Unternehmen präsentierten sich – Angebot soll helfen, Fachkräftemangel zu reduzieren.
Von Lars Weber
Welche Unternehmen gibt es im Oberbergischen? Welche Branchen? Was können sie potenziellen Arbeitnehmern bieten? Was brauchen sie? Bei der Messe "Jobs in Oberberg – Late Night Edition" in der Halle 32 hat es in diesem Jahr wieder Antworten gegeben – für Arbeitgeber ebenso wie für Interessierte, die auf der Suche nach einem neuen Job oder einer beruflichen Veränderung sind. Seit mehr als 15 Jahren gibt es das Angebot schon, das die Wirtschaftsförderung des Oberbergischen Kreises, die Agentur für Arbeit Gummersbach, das Jobcenter Oberberg und die Regionalagentur Region Köln gemeinsam im Zwei-Jahres-Rhythmus veranstalten. Und das Angebot kommt an. Zu Beginn bildeten sich lange Schlangen vor der Halle 32, wo mit 51 Unternehmen die Standfläche ausgebucht war. 1.500 Teilnehmer fanden von 17 bis 21 Uhr den Weg auf das Steinmüllergelände. Wer von ihnen auch eine neue Arbeitsstelle fand, das entscheidet sich erst später.
Es kann aber ganz schnell gehen. Wie bei Christian Herrmann, der seit zwei Jahren bei Hidrostal, Spezialist in Sachen Pumpentechnologie in Marienhagen, im technischen Vertrieb arbeitet. 2024 sei er selbst noch Jobsuchender gewesen, erinnerte er sich am Stand von Hidrostal in der Lobby. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar gewesen, dass er nicht bei seiner alten Firma bleiben wird.
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[Vor zwei Jahren war Christian Herrmann (2.v.li.) selbst auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle auf der Jobmesse - und fand sie beim Stand der Firma Hidrostal und Prokuristin Dagmar Schnell (li.). Solch eine Erfolgsgeschichte freut natürlich auch die Veranstalter der Jobmesse von Kreis, Agentur für Arbeit, Regionalagentur Köln und Jobcenter Oberberg rund um Schirmherr und Landrat Klaus Grootens (re.).]
„Ich bin ohne Erwartungen auf die Messe gekommen. Als ich mir dann das Pumpenmodell am Stand lange angeschaut habe, hat mich Dagmar Schnell direkt eingefangen“, sagte er mit einem Lachen. Schnell ist Prokuristin bei Hidrostal – und rief Herrmann dann direkt die Woche danach an. Es passte sofort zwischen Unternehmen und Fachkraft. „Es war eine goldrichtige Entscheidung“, freut sich Herrmann noch heute.
Ganz so weit ist es bei Jonas Brückmann (Foto) noch nicht. Der 22-Jährige aus Altennümbrecht hat Anfang des Jahres seine Ausbildung zur IT-Fachkraft (Systemintegrator) erfolgreich abgeschlossen. In seinem Ausbildungsbetrieb ging es aber nicht weiter. „Ich möchte heute einen Überblick gewinnen, welche Unternehmen infrage kommen könnten.“ Er würde gerne in der Region bleiben, deshalb passt das Konzept der Messe super zu ihm. Seine Bewerbungsmappe hatte er natürlich dabei. Bei den ersten Gesprächen sei noch nicht das Passende dabei gewesen. „Ich bleibe dran!“
Die Beispiele zeigen, worum es den Veranstaltern der Jobmesse geht: Eine Plattform schaffen, auf der Fachkräfte und Unternehmen ins Gespräch kommen können. Landrat Klaus Grootens betonte dies bei einem Rundgang zusammen mit Vertretern des Kreises, der Agentur für Arbeit, des Jobcenters Oberberg und der Regionalagentur Köln. „Was gibt es Besseres, als direkt persönlich miteinander zu sprechen!“ Das Problem des Fachkräftemangels anzugehen, sei dabei essenziell für die Zukunft der Firmen und der Region selbst. Beate Fiedler von der Regionalagentur Köln hob im Gespräch die Niederschwelligkeit des Angebots hervor. „Hier traut man sich was!“ 5.000 Arbeitssuchende habe das Jobcenter Oberberg eingeladen, sagte Rainer Drescher. „Wer sich beraten lässt, hat gute Chancen auf einen Job.“ Pascal Sahlmen, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach, ergänzte, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung wichtig sei für die Unternehmen, jetzt zu handeln, um vorbereitet zu sein, wenn in den kommenden Jahren viele Arbeitnehmer in Rente gingen.
Für Aussteller ist die Messe kostenlos. Aber auch Interessierte konnten Angebote wie Bewerbungsfotos- und Bewerbungsunterlagen-Coachings kostenlos nutzen. Auf der Jobmesse fand außerdem ein Personaler-Talk mit oberbergischen Unternehmen statt. Ein weiterer Pluspunkt: Sämtliche Branchen sind vertreten, vom Maschinenbau über Kunststofftechnik und Elektrotechnik bis hin zu Gesundheit und Gastronomie.
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[Landrat Grootens im Gespräch mit (v.li.) Kerstin Kraus, Kai Kukovic und Lucia Koentges vom Mobilen Pflegedienst Koxholt aus Reichshof.]
Besonderes Augenmerk lenkte Landrat Grootens beim Rundgang auf den Fachkräftemangel im Bereich Pflege - Stichwort: demografischer Wandel. Unter anderem präsentierte sich der Mobile Pflegedienst Koxholt aus Reichshof. Rund 100 Mitarbeiter seien dort beschäftigt, sagten Kerstin Kraus, Kai Kukovic und Lucia Koentges. Aber gerade im Bereich der examinierten Fachpflegerinnen und Fachpfleger brauchen sie dringend Verstärkung. „Es gibt viele Anfragen, aber das Personal fehlt. Wir spüren die Lücken jeden Tag.“ Sie wollten die Messe vor allem auch nutzen, um Werbung zu machen für den Pflegeberuf und zeigen: Es lohnt sich, die Herausforderung anzunehmen.
Die Firma Koxholt war das erste Mal bei der Messe vertreten. Ein alter Hase ist dagegen die Unitechnik aus Bomig. „Wir sind von Anfang an dabei“, sagte Inhaber Wolfgang Cieplik. Gerade vom breiten Fokus der Messe profitierten sie. „Hier können wir mit potenziellen Auszubildenden ebenso ins Gespräch kommen wie mit Studierenden und Fachkräften.“ Am Stand konnten Interessierte zum Beispiel mit Auszubildenen direkt ins Gespräch kommen.
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[Ben Joel (li.) und Emirhan absolvieren eine Ausbildung zum Fachinformatiker bei Unitechnik. Am Stand ihrer Firma standen sie für Fragen von Interessieren zur Verfügung.]
Immer wieder wurde von den Unternehmen im Gespräch die Regionalität der Messe hervorgehoben, zum Beispiel von der Firma Gizeh oder dem Unternehmen Appenfelder. „Wir wollen hier zeigen: Es gibt uns! Das gibt uns viel Präsenz“, sagte Christine Tepper, Verkaufsleiterin bei Appenfelder in Marienhagen. „Für uns ist es wichtig, dass wir uns hier präsentieren“, sagte auch Marcel Domer, HR-Leiter bei Gizeh. „So können wir noch bekannter werden.“
Landrat Grootens freute sich darüber, wie die Resonanz auch nach 15 Jahren noch ist. „Die Wirtschaft steht vor riesigen Herausforderungen“, so Grootens. Sei es beim Thema Zölle, bei steigenden Energie- und Personalkosten oder den Veränderungen der Arbeitswelt durch Künstliche Intelligenz. „Auf diese Herausforderungen müssen wir reagieren, um auch in Zukunft Erfolg zu haben.“

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