LOKALMIX
Weil das Lebenswerk weiterleben soll
Gummersbach – Nachfolge gesichert: Die Bäckerei Lange übergibt zum 1. August an Schneiders Bäckerei – Geschäftsführer Hartmut Lange geht in den Ruhestand.
Für viele Gummersbacher gehört es dazu, sonntags frische Brötchen aus der Bäckerei Lange auf dem Tisch zu haben. 1924 von Adolf Lange im Gummersbacher Ortsteil Niederseßmar gegründet, besteht die Bäckerei mittlerweile seit über einhundert Jahren. Seit 1990 wird das Unternehmen von Hartmut Lange geführt; zwölf Filialen gehören mittlerweile zum Betrieb – so auch das Traditionscafé „Café Berges“ auf dem Steinberg. Doch jetzt steht der nächste Umbruch bevor: Nach drei Generationen und Jahrzehnten gelebter Handwerkstradition übergibt der 71-jährige Geschäftsführer das Unternehmen zum 1. August dieses Jahres in neue Hände.
Die Nachfolge übernimmt Schneiders Bäckerei, die ihren Sitz in Netphen hat. Wie Schneiders Bäckerei heute mitgeteilt hat, haben sich beide Familien nach intensiven und vertrauensvollen Gesprächen bewusst für diesen Schritt entschieden. Die Mitarbeitenden seien gestern und heute im Rahmen einer Betriebsversammlung über die Neuerungen informiert worden. „Was Lange währt, bleibt weiter gut“ – unter diesem Leitgedanken soll die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahrzehnte fortgeführt werden. Ziel der Übergabe sei, den Großteil der Standorte zu sichern und Mitarbeitenden wie Kundinnen und Kunden eine verlässliche und langfristige Perspektive zu bieten.
Schneiders Bäckerei übernimmt sechs Filialen sowie einen Großteil der Mitarbeitenden; darunter alle Beschäftigten, die im Verkauf tätig sind. Nach einer kurzen Übergangsphase werden die Standorte in das Filialnetz des Unternehmens integriert. Schneiders Bäckerei ist ein Siegerländer Familienunternehmen in dritter Generation, gegründet 1957, und zählt mittlerweile rund 60 Fachgeschäfte. Für Hartmut Lange und seine Familie ist die Übergabe ein wohlüberlegter Schritt: „Uns war wichtig, unser Lebenswerk in Hände zu geben, die das Bäckerhandwerk ebenso schätzen wie wir und es mit Verantwortung weiterentwickeln. Die Geschichten ähneln sich. Das ist der richtige Partner für uns.“
Für Hartmut Lange soll es in diesem Jahr in den Ruhestand gehen. „In der Familie haben wir keine Nachfolge. Die Kinder haben einen anderen Weg eingeschlagen“, sagt er auf Nachfrage von OA. Und der Zeitpunkt sei für ihn auch in Ordnung. „Ich möchte nicht irgendwann mit dem Rollator durch die Backstube gehen“, sagt er lachend. Philipp Schneider, geschäftsführender Gesellschafter von Schneiders Bäckerei, weiß, dass gerade viele Handwerksbetriebe vor der Frage der Nachfolge stehen. „Umso wichtiger sind Lösungen, die Kontinuität ermöglichen und das Handwerk zukunftsfähig aufstellen“, ist er überzeugt. „Es ist wichtig, vor Ort Handwerksbäckereien zu haben, die losgelöst von der Industrie die heimische Region mittragen und mitentwickeln.“
Zur Lange Bäckerei gehören insgesamt rund 140 Mitarbeitende. Für Hartmut Lange sind die Beschäftigten aber keine Mitarbeiter. „Sie gehören zur Bäckerfamilie“, sagt er. „Die Bäckerei war und ist mein Leben.“ Wie es mit den sechs übrigen Standorten weitergeht, sei noch nicht klar. Das traditionsreiche Café Berges wird nicht von Schneiders übernommen, erzählt Lange. Er ist aber optimistisch, dass auch dafür noch eine Lösung gefunden wird. „Wir haben noch verschiedene Optionen in petto – und noch fast viereinhalb Monate Zeit.“
Bis zur Übergabe freut sich die Familie Lange besonders auf die letzten gemeinsamen Monate mit ihrem treuen Kundenstamm – verbunden mit großer Dankbarkeit für das langjährige Vertrauen. Mit der geregelten Nachfolge zum 1. August dieses Jahres sei die Zukunft der meisten Standorte gesichert. In den kommenden Monaten soll ein guter, partnerschaftlicher und sorgfältig geplanter Übergang gestaltet werden, der Kontinuität und Stabilität für alle Beteiligten gewährleistet.
KOMMENTARE
1
Schade, die leckeren Brötchen und Brote werde ich vermissen.
erwin, 19.03.2026, 15:44 Uhr2
Was man im Laufe der Jahre und Jahrzente in Gummersbach alleine im Bäckerhandwerk und Cafebetrieb so alles mitbekommt. Mein Großvater hat in den frühen 1920ern beim Viebahn in der Feldstrasse, später Jonas, Bäcker und Konditor gelernt. Dann gab's noch Windhoff, Schiwek, Detemble und dann die Größeren : Holzmann zu Lange und jetzt Lange zu Schneider. Gutes Gelingen !
Marc, 19.03.2026, 16:49 Uhr3
Früher gab es mal 3 richtige Bäcker in Wiehl.
Heute nur noch Großbäckereien mit Industrieware.
4
Ich hoffe die Brötchen werden besser als bei Lange und die bekommen die Gebäckabteilung wieder in den Griff. Ich kauf bei Lange schon seit längerem nichts mehr ein. Brötchen gefüllt mit Luft. Das brot nach 2 Tagen trocken wie sau. Das war früher nicht so. Vor allem Cafe Berges hatte damals so tolle Brötchen. Ich bin extra quer durch die Stadt gefahren um welche am Steinberg zu holen. Leider ist das auch seit einigen Jahren vorbei. Echt schade. Ich hoffe es wird sich bessern, auch wenn ich da keine Hoffnung hab.
Himmler, 20.03.2026, 17:40 Uhr5
Ja leider sind fast alle nur noch Tüten Und Aufback Bäcker. Ich ärgere mich jedesmal wenn im angeblichem Vollkornbrot Rüben Zucker ist. Früher wurde noch richtig Teig gemacht und man gab ihm Zeit zu ruhen. Heute ist Zeit Geld. So Schmeckt es auch nicht. Aber am besten sind die BROT Prüfungen da prüfen Bäcker Bäcker was soll das? Ich war selber Bäcker habe aber die Lust daran verloren es ging nur noch ums Geld.
THOMA , 20.03.2026, 21:15 Uhr6
In Wiehl gibt es "richtige" Bio-Backwaren, die man sogar im Bistro verzehren kann! So etwas wäre eine Option für das ehemalige Cafe Berges: Endlich wieder ein Bioladen in Gummersbach einschl. Bistro mit gesunden, superleckeren Backwaren; z.B. frisch zubereitete Brötchen mit saftigem Grün zu einem Preis, der keineswegs den der konservativen, faden Einheitsbrödeleien übersteigt! Viel Vielfalt und Geschmack gegen Filialenvermehrung wäre gut für die Kreisstadt!
Cornelia Lang, 20.03.2026, 21:35 Uhr7
Schade das immer mehr Industriebäcker in unsere Stadt kommen. Massenproduktion statt Klasse. Wir sollten das Handwerk jetzt mehr unterstützen
König Dieter, 22.03.2026, 09:02 Uhr8
Der einzige Bäcker den ich empfehlen kann ist Kelm in Strombach. Das ist ein Handwerker.
Thoma , 25.03.2026, 06:35 Uhr9
Viele über sehen das der kleine Bäcker um die Ecke keine Überlebenschancen mehr hat,ständige neue Auflage ,und Personalmangel,sowie Strom und Energiekosten schmälern den Gewinn im großem Massen,auch ein Bäcker hat ein Recht von seiner Arbeit leben zu können
Walter Henk, 25.03.2026, 15:09 Uhr10
Sehr schade. Wir holen gerne unsere Brötchen zum Frühstück am Wochenende. So wie ich erfahren durfte, wird auch die Filiale am Hepel komplett geschlossen. Aufgrund der Nähe zu den Schulen hoffe ich auf eine andere Bäckerei die sich hier niederlässt.
Im Endeffekt werden laut Artikel die Hälfte der Filialen geschlossen. Die Aussage "ein Großteil der Filialen wird übernommen", ist damit nicht ganz korrekt.
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