LOKALMIX
Wenn aus Ründeroth ein "kleines Wacken" wird
Engelskirchen - Der Ründerother Schützenverein feiert sein 100-jähriges Bestehen und bereits die Auftaktveranstaltung „Blasmusik trifft Kölsch“ erwies sich als Zuschauermagnet.
Von Astrid Deckers
Leider meinte es Petrus nicht allzu gut mit den rund 1.600 Besuchern am Aggerstrand in Engelskirchen-Ründeroth und ließ vor Konzertbeginn der Brings zum gestrigen Auftakt des Schützenfestes zum 100. Geburtstag der Grünröcke noch einen Platzregen auf die Anwesenden prasseln. Auch wenn ein Großteil des Zuschauerraums mit einer riesigen Skyliner-Überdachung bedeckt war, entstanden aus den Gehwegen zwischen Verpflegungsbuden und Zuschauerraum in Windeseile kleine Wasserstraßen. Eilig hinzugerufene Helfer gruben eine Abflussrinne und schoben mit allen verfügbaren Geräten das Wasser dort hinein. Die Aktion kommentierten Zuschauer wie Mario, der eigens aus Lindlar mit Freunden gekommen war, mit den Worten: „Hier ist es so, wie wir es letztens in Wacken vermutet, aber nicht bekommen haben.“
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[Die Kolleginnen Katharina Schütz (v.li.), Sabine Fleischer und Vivian Führer vom AWO-Otto-Jeschkeit-Altenzentrum in Ründeroth genossen den stimmungsvollen Abend.]
Die Zuschauer ließen sich die gute Stimmung nicht nehmen und empfingen die Musiker der „Schwäbischen Trachtenkapelle Hirblingen“ zum 52. Mal in Ründeroth. Neben den klassischen Blasmusikstücken erklangen auch gängige Popsongs wie „Gloria“ von Umberto Tozzi und „Hey Tonight“ von „Creedance Clearwater Revival". Die Kapelle wurde erst nach einigen Zugaben wie „Hey Jude“ von den Beatles von der Bühne gelassen und das Feld für den Hauptact des Abends, die kölsche Band „Brings“, war frei.
Dass Brings eine treue und enthusiastisch feiernde Fangemeinde um sich schart, zeigte sich vom ersten Ton an. Bereits beim Erklingen der ersten Takte von „Et jeilste Land“ erhoben sich die Hände im Zuschauerbereich und es wurde mitgeklatscht und mitgehüpft. Textsicherheit bewiesen die Besucher auch bei allen anderen Brings-Klassikern wie „Sünderlein“, „Jeck Yeah“ und „Polka, Polka, Polka“. Die fünf Bandmitglieder ließen keinen ihrer unzähligen Hits aus und hielten die Stimmung die kompletten zweieinhalb Stunden auf dem Siedepunkt.
Neben den musikalischen Klassikern erzählten die Bandmitglieder ihre individuellen Highlights aus mittlerweile 35 Jahren Bandgeschichte. Gitarrist Harry Alfter berichtete von einem Auftritt der Band als Vorgruppe von AC/DC in München. Dabei habe er nicht nur eine Gitarre von deren Gitarristen Angus Young „abgestaubt“, sondern im Nachgang auch die Erlaubnis, den wohl bekanntesten AC/DC-Titel „Highway to Hell“ in kölschem Dialekt singen zu dürfen. So tönten im Anschluss harte Gitarrenriffs und ein „Heimweh noh Kölle“ durch die Aggeraue.
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[Den Spruch „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“ stellten diese beiden bestens ausgerüsteten Gäste unter Beweis.]
Sein Bass-Solo kündigte Stephan Brings lachend mit den Worten an: „Ich hab´ das mit der Security geklärt. Die Eingänge sind verschlossen – ihr müsst da jetzt durch." Rund um die „superjeile Zick“ spielte er mit seinen Bandkollegen dann Stücke wie John Lennons „Give Peace a Chance“ und das klassische „Drink doch ene met“ der Bläck Fööss. Schlagzeuger Christian Blüm überzeugte mit einem einarmig gespielten Schlagzeugsolo, dessen Klänge Zuschauerin Ulla aus Reichshof „bis in den Bauch spürte“. Da sowohl Harry Alfter wie auch die Brings-Brüder mittlerweile Opas sind, huldigten sie der nach ihrer Aussage „ersten Feministin der Welt“, Pippi Langstrumpf, indem sie den Titelsong der Filmreihe intonierten. So viel Kreativität und Authentizität wurde von den Fans durch Mitsingen und Tanzen belohnt und gefeiert.
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Mit Special Guest Ken Reise, der Karnevals-Community besser bekannt als „Julie Voyage“, hatten die Brings eine weitere musikalische Überraschung im Gepäck. Der gebürtige Ründerother sang gleich mehrere Stücke mit der Band und genoss sein „Heimspiel“ sichtlich. Highlight für ihn, aber auch das Publikum stellte sicherlich die erste Zugabe dar. Zwei Tage zuvor hatte er mit Brings das „Komm mit mir nach Ründeroth“-Lied eingeübt und so erklang das heimische Volkslied erstmalig mit derart prominenter Unterstützung am späten Abend auf einer Bühne.
Gleich die zweite Zugabe „Kölsche Jung“ in einer melancholischen Version sorgte dann für einen weiteren Gänsehautmoment, als die Handylichter der Zuschauer die Veranstaltung erhellten. Da zuckten selbst Brings-Mitglieder ihre Telefone und hielten diesen zauberhaften Stimmungsmoment fest. Ein rauschender Konzertabend endete mit „Kumm, loss mer heimjonn“ und Sätze wie „Das war der Hammer“ und „Da haben die aber voll abgeliefert“ waren zu hören, als die Fans das Gelände verließen.
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[Mit derartigem Training der Armmuskulatur, gepaart mit Hüpfeinlagen, stellten Brings neben der Gesangs- auch die Bewegungsfreude des Publikums auf die Probe.]
Für Geschäftsführerin Anne Peterson vom Ründerother Schützenverein bildete die Veranstaltung den perfekten Auftakt in ein dreitägiges Festwochenende zum 100-jährigen Bestehen des Vereins. Ihr Resümee im Anschluss lautete: „Was für ein Wahnsinnsabend, ich bin immer noch total geflasht!“ Nunmehr freue sie sich sehr auf die Krönung der Majestäten am Samstagabend und die anschließende Party mit „Bergish Blend“, die am Aggerstrand sicherlich ebenso stimmungsvoll verlaufen würde. Erst mit einem Frühschoppen und anschließendem Familientag am Sonntag klingen die Feierlichkeiten zum Geburtstag aus.

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