LOKALMIX
Wichtig für Waldnutzer und Feuerwehr: Neue Fortwirtschaftswege brauchen Ruhe
Nümbrecht – Mehr als 5.000 Meter auf diversen Teilstrecken wurden zuletzt wieder instandgesetzt – Schäden noch vom Unwetter 2021 – Neue Wege sind für rund sechs Wochen nicht befahrbar.
Von Lars Weber
Das Starkregenereignis Mitte Juli 2021 hatte damals im Kreis nicht nur Häuser unter Wasser gesetzt oder beispielsweise am Lepperhammer in Engelskirchen für eine Katastrophe gesorgt. Das Wasser hatte auch in den Wäldern enorme Schäden angerichtet und Wald- beziehungsweise Forstwirtschaftswege stark beschädigt. In der Gemeinde Nümbrecht waren es fast 7.000 laufende Meter auf 23 Teilstrecken. Auf 15 Teilstrecken werden in diesem Jahr auf mehr als 5.000 Metern Länge die Wege wieder instandgesetzt. Acht Maßnahmen sind schon fertig, aktuell sind noch im Ölsbachtal Arbeiter dabei, sich um die letzten sieben Teilstrecken auf insgesamt 1.100 Metern zu kümmern. Warum das so wichtig ist, was es nun zu beachten gilt und warum die Instandsetzung erst so spät nach dem Starkregenereignis erfolgt, erklärten im Wald in Ölsbachtal Nümbrechts Revierförster Malte Haase vom Regionalforstamt Bergisches Land (Landesbetrieb Wald und Holz NRW), sein Kollege Tobias Krekel, Fachbereichsleiter Jan Foerster von der Gemeinde Nümbrecht und Karlo Schmitz von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Nümbrecht.
Zwar gibt es in der Gemeinde Nümbrecht rund 600 Waldbesitzer, von denen der Großteil auch Mitglied der FBG sind. Die Waldwege jedoch sind in Nümbrecht allesamt im Kommunenbesitz. Um den Gemeinden bei der Beseitigung der Schäden nach dem Starkregen unter die Arme zu greifen, rief das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung einen Fördertopf ins Leben. Um die Mittel abzurufen, nahm Malte Haase den Zustand der Wege und die Schäden daran auf. Nach einer Prüfung erhielt die Gemeinde für ihren Wiederaufbauplan 233.000 Euro, mit denen 6.830 Meter auf 23 Teilstrecken instandgesetzt werden. „Es ist eine 100-Prozent-Förderung“, so Foerster. Kosten entstehen der Gemeinde also keine weiteren dafür.
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[Der Wald ist trocken: Es ist wichtig, sich an einige Regeln zu halten, wenn man sich dort aufhält.]
Die Instandsetzung ist aber nicht nur für die Waldbesitzer, Wanderer, Spaziergänger, Reiter oder Sportlern wichtig, die die Wege in Nümbrechts Wäldern (insgesamt gibt es 2.200 Hektar Waldfläche) nutzen. Eine funktionstüchtige Infrastruktur im Wald sei gerade auch für die Feuerwehr immer wichtiger geworden. „Aktuell nehmen die Klimaextreme stetig zu“, so Malte Haase. Starkregen, Dürreperioden und damit einhergehend die Zunahme von Waldbränden fordern die Gesellschaft und besonders die Einsatzkräfte immer mehr heraus. „In diesem Jahr scheinen wir Glück gehabt zu haben.“ Es habe nur zwei kleinere Flächenbrände in der Gemeinde gegeben, wo sich allerdings der zum Löschwasserfahrzeug umgebaute Milchtanklaster oder besondere Schläuche als Einsatzmittel bereits bewährt hätten, so Haase und Foerster. „Das Löschwasserfahrzeug war auch in Belgien im Einsatz“, erzählte Foerster.
Damit die Einsatzkräfte möglichst gut zur Einsatzstelle gelangen, seien die Forstwirtschaftswege unerlässlich. Warum Haase zum Termin ins Ölsbachtal auch das Waldbrandgefahr-Schild mitgebracht hat, wird schnell deutlich. Hier seien von 80 Hektar Wald allein 50 Hektar Fichtenwald gewesen, der vom Borkenkäfer dahingerafft wurde. Es gibt also riesige Flächen mit – inzwischen staubtrockenen Totholz – wo aus dem kleinsten Funken ein riesiges Feuer werden könne. Um auf mögliche Einsätze vorbereitet zu sein, tauscht sich das Regionalforstamt auch regelmäßig mit der Feuerwehr aus.
Der Abtransport der Fichten hat indes Zeit gekostet. Solange das Holz aber noch im Wald war und nicht von schweren Lkw bewegt wurde, konnten die Wege noch nicht instandgesetzt werden. Sie wären zu schnell wieder in Mitleidenschaft gezogen worden. Auch deshalb erfolgen die Maßnahmen erst fünf Jahre nach dem Starkregenereignis.
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[Matthias Stöwer zieht den Weg ab. Vorher wurde bereits der neue Materialmix aufgebracht.]
Denn bei der Instandsetzung gilt es einiges zu beachten – besonders für die Nutzer der Wege. Das Material für die Wege, kleinerer und gröberer Split, komme aus den hiesigen Steinbrüchen, erzählt Schmitz. Vermischt wird es mit feinem Lehm. Dieser Mix werde auf der jeweiligen Teilstrecke ausgebracht, dann mit schwerem Gerät abgezogen und anschließend noch verdichtet. Pro laufendem Meter sei von dem Mix eine Tonne nötig. Wichtig: Wasser müsse immer ablaufen können, betont Haase. Wenn das Material beschädigt werde und sich beispielsweise eine kleine Rinne bildet, fresse sich das Wasser immer weiter durch den Weg und zerstört ihn. „Die Oberflächenstruktur muss erhalten bleiben!“
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[Die instandgesetzten Teilstücke sind mit diesem Band abgesperrt.]
Damit ein Weg möglichst lange hält, muss er sich nach der Instandsetzung zunächst legen. „Das kann je nach Witterung sechs Wochen dauern.“ In dieser Zeit dürfen keine Fahrzeuge oder Reiter auf dem Material unterwegs sein. Zu diesem Zweck wird Flatterband angebracht. „Allerdings wurde die Absperrung teils bereits einfach weggerissen.“ Damit könne ruckzuck eine Reparatur der neuen Wege nötig werden. Die Verantwortlichen bitten deshalb, die gesperrten Teilstücke nicht zu befahren. Fußgänger dürfen passieren, Radfahrer ebenso, solange sie vom ihrem Bike absteigen und dieses schieben.
Bis Ende der Woche sollen die letzten Maßnahmen fertig sein. Dann gilt es, die Sperrbänder zu berücksichtigen, damit die Wirtschaftswege auch lange halten.
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