LOKALMIX

Nach dem Hochwasser: Eine erste Bilanz

ls; 29.07.2021, 16:55 Uhr
Fotos/Video: Leif Schmittgen/Hansestadt Wipperfürth (Galeriebilder 2 - 6, Video) --- Tiefbauchef Ralf Hagen und Bürgermeisterin Anne Loth zogen ein Zwischenfazit.
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Nach dem Hochwasser: Eine erste Bilanz

ls; 29.07.2021, 16:55 Uhr
Wipperfürth - Nach dem Starkregen wird der vorläufige Schaden auf 300.000 Euro geschätzt - OA verschaffte sich beim Rundgang durch die Stadt einen Überblick.

Von Leif Schmittgen

 

Ralf Hagen, Leiter des Wipperfürther Tiefbauamtes, zeigt beim Rundgang mit Oberberg-Aktuell die Folgen des Hochwassers vor zwei Wochen. Etliche Gebiete in der Stadt wurden unterspült und überschwemmt. „Dafür halten sich die Schäden in Grenzen“, sagt Hagen. Die Summe von etwa 300.000 Euro hatte Kämmerer Herbert Willms an den Kreis gemeldet (siehe Infokasten), davon entfallen bisher geschätzt 130.000 Euro auf den Tiefbau für erste provisorische Instandsetzungen. Die langfristigen Reparaturkosten schätzt Hagen als weitaus höher ein.

 

[Video der Wassermassen an der Fußgängerbrücke.]

 

Auf die denkmalgeschützte Fußgängerbrücke (Foto oben) am Turbinenhaus wartet zum Beispiel eine Sonderprüfung durch Sachverständige. Sie hat sich rund anderthalb Millimeter zur Seite geneigt, wie eine Messung ergab. Der Bauingenieur geht davon aus, dass die Wassermassen das Bauwerk aus den 1920er Jahren zur Seite gedrückt haben. Die Brücke war für einige Tage gesperrt, ist nun aber wieder geöffnet. Ein bereits vorher vorhandener Riss im Mauerwerk muss ebenfalls erneut überprüft werden.

 

[Wie andernorts wurden die Schadstellen an der Kaiserstraße zunächst nur umzäunt. Die Sanierung des zerstörten Bereichs erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.]

 

Ein weiterer Brennpunkt befindet sich an der Kaiserstraße. Dort hatte das Grundwasser den Asphalt des Gehweges und der Fahrbahn nach oben gedrückt: „Die schweren Stücke schwammen umher“, berichtet Hagen, der in unmittelbarer Nähe wohnt. Die Mitarbeiter des Bauhofes sperrten den Bereich wegen der Verletzungsgefahr sofort ab. Die Bauzäune stehen dort bis heute. „Wir mussten nach Priorität arbeiten“, denn es galt zunächst, die Wege provisorisch instand zu setzten, die als einzige Zufahrt dienen.

 

 

Eine davon ist die Querung über die Hönnige in Voßkuhle (Foto oben). Hier hatte der Bach den Belag aufgeschwemmt, schwere Lastwagen hätten die dahinterliegende Firma nicht mehr erreichen können. Die Stelle wurde provisorisch ausgebessert, um wirtschaftlichen Schaden für den Betrieb abzumildern. Ein ähnliches Bild ergibt sich am Gaulbach (Foto unten), wo die Überführung unterspült wurde. Bis diese repariert ist, dienen Metallplatten den Anwohnern als Überquerungshilfe, da sie sonst von der Außenwelt abgeschnitten wären.

 

 

Teile eines Damms wurden zudem im Ortsteil Klaswipper weggerissen, dieser bleibt aber passierbar. Die Gefahrenstelle wurde mit Barken gesichert. Im Bereich des Hochbaus wird der Schaden an vier kommunalen Gebäuden auf rund 25.000 Euro geschätzt. Wenn die genaue Summe der Hochwasserschäden feststeht, wird man vonseiten der Verwaltung bereits in Aussicht gestellte Landesfördermittel beantragen.

 

[In Klaswipper wurde der Damm unterspült.]

 

Privatschäden

 

Bürgermeisterin Anne Loth ist erleichtert, dass das Unwetter aus kommunaler Sicht nur relativ geringe Schäden angerichtet hat. Ihre Hauptsorge liegt bei den Privatiers aus den Orten , die komplett unter Wasser standen. Für einen Einzelhändler wird derzeit noch eine Zwischenunterkunft gesucht, rund ein Viertel der Geschäftsleute ist vom Starkregen betroffen. Zumindest Teile der verwüsteten Räume können laut Loth wieder genutzt werden. Bis alle Privatschäden beseitigt sind, werden noch Monate vergehen.

 

Für Gewerbetreibende und Bürger tritt die Stadt als Vermittler auf. „Die meisten Anfragen haben sich erledigt, weil die betroffenen Menschen bei Verwandten oder Freunden vorübergehend eine Bleibe gefunden haben“, ist die Bürgermeisterin überwältigt von der großen Solidarität. Lediglich für zwei Familien seien städtische Wohnungen zur Verfügung gestellt wurden. Unmittelbar nach dem Starkregen galt es für den eingerichteten Krisenstab, für rund 60 Menschen, die in der Nähe des Turbinenhauses evakuiert wurden, in der Turnhalle des Alten Seminars am Gymnasium eine Unterkunft einzurichten. „Glücklicherweise konnten die Betroffenen schon am nächsten Abend in ihre Wohnungen zurück“, resümiert Loth. 

 

Zahlen

 

Stadtkämmerer Herbert Willms berichtet, dass für die „Hochwasserhilfe Land“ bisher 75 Anträge eingegangen sind.  Die Soforthilfen teilen sich in 58 Privathaushalte mit 129 Personen und 17 Gewerbebetriebe auf. Überwiesen wurden bis dato 209.500 Euro, davon 85.000 Euro für Gewerbebetriebe (jeweils 5.000 Euro) und 124.500 Euro an Privatiers (1.500 Euro für die erste gemeldete Person, 500 Euro für jeden weiteren Haushaltsangehörigen bis maximal 3.500 Euro). In der Regel haben die Betroffenen laut Willms die Hilfe nach Antragseingang und kurzer stichprobenhafter Prüfung am übernächsten Tag auf ihrem Bankkonto. Die Stadt ist bei der Auszahlung zunächst in Vorleistung gegangen, die Gelder werden kurzfristig vom Land zurückerstattet.

 

Vom Oberbergischen Kreis hat die Stadt Wipperfürth gestern außerdem einen Anteil von 227.695 Euro aus der „Landeshilfe für die Kommunen“  bekommen. Die  vorläufige Meldung belief sich laut Kämmerer auf 300.000 Euro. Da andere betroffene Kommunen auch Schäden gemeldet hatten, ist die vom Land bereitgestellte Million anteilig verteilt worden. Die übrigen Kosten werden durch den laufenden Haushalt der Stadt getragen.

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