LOKALMIX

Zukunft der Stauanlage: Vorschlag liegt auf dem Tisch

lw; 15.10.2026, 16:00 Uhr
Fotos: Lars Weber --- Momentaufnahme am Mittwoch gegen 17 Uhr: Der Stauweiher hat schon deutlich Wasser verloren. Freitagmorgen soll die Entleerung abgeschlossen sein.
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Zukunft der Stauanlage: Vorschlag liegt auf dem Tisch

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lw; 15.10.2026, 16:00 Uhr
Engelskirchen – Mit ihren Ideen möchte eine Gruppe von Umweltschützern um den ehemaligen Bürgermeister Dr. Gero Karthaus möglichst viele Menschen abholen – Aggerverband sieht die Vision positiv - Abstau soll Freitagmorgen abgeschlossen sein.

Von Lars Weber

 

Es hat ein wenig etwas von einer Trauerfeier, was aktuell an der Stauanlage Osberghausen passiert. Seitdem die Entleerung der Anlage am Mittwochmorgen eingeleitet wurde (OA berichtete), nutzen viele Menschen aus den umliegenden Orten, besonders aus Osberghausen und Oesinghausen, die Möglichkeit, nochmal einen Blick zu erhaschen, wie der Weiher gefüllt aussieht. Rund 70 Jahre gehörte die Anlage zum Ortsbild dazu, viele Bürgerinnen und Bürger gingen dort täglich spazieren, genossen die Flora und Fauna. Nachdem das Wasserecht nun Ende 2025 ausgelaufen ist und der Abstau samt Rückbau des Wehrs von der Bezirksregierung Köln verfügt wurde, wird nun diskutiert: Wie soll der Ort zukünftig aussehen? Nicht nur der Aggerverband als Besitzer der Anlage ist mit dem Land zusammen in die Planung eingestiegen, auch eine Gruppe Naturschützer hat eine Idee ausgearbeitet und gestern bei einem Pressegespräch in der Chorstube in Oesinghausen präsentiert. Sie möchten so viele Menschen wie möglich abholen.

 

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Die Ideen stellten die Bemühung um einen größtmöglichen Kompromiss dar, sagen die vier Männer, die zu dem Termin erschienen waren. Dabei ist Dr. Gero Karthaus, nicht nur ehemaliger Bürgermeister von Engelskirchen, sondern bekanntlich auch Naturwissenschaftler, außerdem Michael Gerhard, Vorsitzender des Nabu Oberberg, Heinz Kowalski, der unter anderem 46 Jahre dem Naturschutzbeirat des Oberbergischen Kreises mit seiner Expertise weitergeholfen hat, und Friedrich Meyer vom BUND und früher Flussgebietskoordinator für die Agger im Rahmen des Projekts Wassernetz NRW.

 

Am Tisch saß außerdem Hendrik Krieger aus Oesinghausen, der auch für die SPD im Gemeinderat sitzt. „Es sind alle hier gegen den Abstau, die Bürgerinnen und Bürger können die Gründe dafür nicht nachvollziehen“, sagte er. Warum sollte die Energiegewinnung dort verschwinden, die rund 70 Jahre lang Strom für 700 bis 800 Haushalte geliefert hat, fragten sich die Menschen. Dass die jahrelang verfolgten Pläne für die unter anderem nötige Fischtreppe nicht realisiert wurden vom Betreiber der Anlage – der Auer Holding aus Bayern - und dem Aggerverband als Besitzer, macht viele Ortsbewohner unglücklich und wütend. Zumal sie nun das Erholungsgebiet vor der Haustür in Gefahr sehen, so Krieger.

 

[Wie soll es an der Stauanlage einmal aussehen? Die Naturschützer Friedrich Meyer (v.li.), Dr. Gero Karthaus, Michael Gerhard und Heinz Kowalski sowie Hendrik Krieger (2. v.re.) aus Oesinghausen präsentierten einen Vorschlag.]

 

Der Kampf um das Naherholungsgebiet, das ist eine Position von mehreren in der Diskussion um die Zukunft des Ortes, wie die vier Naturschützer sagen. Andere, wie Meyer, fordern schon seit Jahren die Durchgängigkeit der Agger und freuen sich, dass die Staustufe verschwinden soll. Andere bemühen sich um ihr Angelgebiet. Andere wiederum sehen die Tier- und Artenvielfalt, die sich rund um den Stauweiher entwickelt hat, in großer Gefahr, wenn „nur“ noch die Agger hier durchfließt. „Ornithologisch ist das toll hier“, sagt zum Beispiel Kowalski. Gerhard verweist auf den Zwergtaucher oder den Flussuferläufer, Karthaus auf die Insektenwelt. Dies zeigt schon: Auch die vier Männer haben teils konträre Positionen – und haben sich trotzdem zusammengesetzt, um einen guten Kompromissvorschlag zu unterbreiten. „Das ist ein wichtiger Schritt“, meint Kowalski.

 

Ihre Vision: Beides schaffen! Raum für die Agger als Fließgewässer entlang der Oesinghausener Straße und eine Auenlandschaft auf der einen, sowie eine Art Teich als Stillgewässer auf der anderen Seite. So könnten bestenfalls sämtliche Lebensräume, die es nun auch vor Ort gibt, geschaffen werden. Fische und Vögel hätten ihren Platz. Mit Wegen um den Teich herum würde auch ein Nacherholungsraum entstehen. Zudem könne das Stillgewässer die Löschwasserversorgung der Feuerwehr unterstützen. Eine weitere Idee: Der Turm der Stauwehranlage könnte zu einem Beobachtungsturm umfunktioniert werden, den beispielsweise Schulklassen aufsuchen. Die Naturschützer hoffen also, mehrere Fliegen mit einem Konzept zu schlagen.

 

[Skizze: privat --- Bisher ist es nur eine Idee. Wichtig: Die Ausmaße, vor allem des Teichs unterhalb der Agger, sollten mit großer Vorsicht genossen werden. Es ist unwahrscheinlich, dass er bei einer möglichen Realisierung diese Größe erreichen wird. Dennoch zeigt die Skizze, worauf die Naturschützer hinaus wollen.]

 

Ein entscheidender Faktor bei diesen Überlegungen spielen die großen belasteten Schlammablagerungen, die sich nach Jahrzehnten von Stahl- und Färbeindustrie im Aggertal gebildet haben. Diese haben sich in der Mitte des Weihers gesammelt. Diese fachgerecht zu entsorgen, „da würden viele Millionen zusammenkommen, ein Fass ohne Boden“, sagt Karthaus. Das wissen die Naturschützer und natürlich auch der Aggerverband. Weshalb bei diesem Zukunftskonzept der Schlamm so weit möglich vor Ort belassen werden soll. Die vier Männer weisen ausdrücklich darauf hin, dass ihre Idee und ihr Vorschlag noch eine reine Skizze sind. Gerade die Größe des Teichs werde voraussichtlich kleiner ausfallen als auf dem Gestaltungsvorschlag markiert.

 

Auf viele Fragen könnten die Naturschützer auch noch keine Antwort geben. Wie hoch muss der Damm sein? Wie muss der Ort gestaltet sein, dass er einem Hochwasserereignis standhält? Wie ist es mit dem Zufluss für den Teich? Dies sind alles Fragen, die von Ingenieuren und Fachbüros beantwortet werden müssen, falls diese Ideen offiziell von Aggerverband und Bezirksregierung weiterverfolgt würden. Sie selbst seien schließlich nicht die Entscheider, sagen die vier Männer. Immerhin: Die Pläne wurden dem Aggerverband bereits präsentiert – und man stieß auf offene Ohren.

 

Dies bestätigt auch Wim Dissevelt, Abteilungsleiter Talsperren und Fließgewässer beim Aggerverband. „Die Überlegungen kommen unseren Ideen sehr nahe.“ Auch die Bezirksregierung habe sich dazu positiv geäußert. Dissevelt bremst vor allem, wenn es um die Größe des Stillgewässers geht – die Skizze sollte diesbezüglich nicht zu große Erwartungen schüren. Letztlich sollen sich die Pläne in das Landschaftsbild einfügen und die Faktoren Durchgängigkeit, Ersatzhabitat, Hochwasserschutz und Naherholung berücksichtigen. „Es soll ein großer Spagat werden.“ Dissevelt unterstützt die geleistete Arbeit der Naturschützer ausdrücklich. Den Vorschlag empfindet er als „positiven Rückenwind“.

 

Die Frist für einen genehmigungsfähigen Plan läuft noch rund zwei Jahre. Es wird spannend werden, wenn die ersten offiziellen Entwürfe präsentiert werden.

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