FUSSBALL

Sammelleidenschaft wird auf die Probe gestellt

jlo; 16.06.2021, 09:00 Uhr
Fotos: Michael Kleinjung --- Peter Molitor besitzt eine einzigartige Sammlung von Bundesliga-Eintrittskarten.
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Sammelleidenschaft wird auf die Probe gestellt

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jlo; 16.06.2021, 09:00 Uhr
Gummersbach - Der Gummersbacher Peter Molitor besitzt eine riesige Kollektion von Eintrittskarten aus der Fußball-Bundesliga, ob er sie jedoch komplettieren kann, ist ungewiss.

Von Jürgen Lorenz

 

Seit Gründung der Fußball-Bundesliga im Jahr 1963 gab es bis zum Ende der vergangenen Saison 17.384 Spiele. Die Eintrittskarten von 15.578 Spielen hat Peter Molitor in seiner Sammlung zusammengetragen. Darunter befinden sich wahre Schätze. Abgeheftet in 41 DIN-A4-Ordnern hat Molitor bislang alles erfasst, was er ergattern konnte.

 

Der 49-Jährige begann mit seiner Sammelleidenschaft vor drei Jahrzehnten. Damals überlegte der Anhänger des Hamburger SV, dem er bereits seit über 40 Jahren die Daumen drückt, was er mit einem ganzen Schwung Eintrittskarten anfangen sollte, die er von den Spielen aufbewahrt hatte, bei denen er selbst im Stadion war. Damals entschied er sich gegen den Gang zur Papiertonne und fing stattdessen an, die Karten aufzubewahren.

 

[HSV-Wimpel und -Schal dürfen im Hause Molitor nicht fehlen.]

 

Zu dieser Zeit verpasste Molitor kaum ein Heim- oder Auswärtsspiel des HSV und so begann seine Sammlung sukzessive zu wachsen. Die ersten Schritte im größeren Stil waren Suchanzeigen, die er im Fußballmagazin „kicker“ schaltete. Aber auch im Kleinen bastelte er weiter. So fragte er nach Bundesligapartien bei Stadiongängern, auf Rastplätzen oder sogar im Stau auf der Autobahn bei Fans nach, ob sie ihm ihre Karten abtreten würden – mit erstaunlichem Erfolg. „Da sind ganz oft Karten abgefallen“, so Molitor.

 

Als dann das Internet immer größere Möglichkeiten bot, schaltetet Molitor dort Such- oder Tauschanzeigen und besuchte Foren und Portale. Über Ebay hat er die meisten seiner Sammelstücke erstanden. Zwischen einem und 20 Euro belaufen sich die Kosten. Auch der Besuch einer Sammelbörse, die jährlich in Erftstadt stattfindet, ist für ihn ein Pflichttermin.

 

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Einige 10.000 Euro hat er in den letzten 30 Jahre in seine Sammelleidenschaft investiert. Zu den besonderen Schätzen gehören dabei etliche Eintrittskarten aus der Premierensaison 1963/64, darunter die ersten drei Heimspiele des 1. FC Köln im Müngersdorfer Stadion gegen Schalke 04, den Karlsruher SC und Werder Bremen. Von den Vereinen Hansa Rostock, Energie Cottbus, Dynamo Dresden, SG Wattenscheid 09, FC Homburg, Stuttgarter Kickers, SpVgg Unterhaching, Union Berlin und VfB Leipzig hat Molitor sämtliche Heimspieltickets aus deren Jahren in der Bundesliga.

 

[Peter Molitor nennt viele seltene Stücke sein Eigen.]

 

Von allen anderen 47 Teams, die jemals in der Beletage vertreten waren, hat der Kreisligaschiedsrichter rund 80 Prozent zusammengetragen. Karten aus der ersten Bundesliga-Dekade sind jedoch kaum zu finden. „Es ist unheimlich schwierig, an Tickets vom VfB Stuttgart, Hertha BSC Berlin, Bayern München und dem Karlsruher SC aus den 1960er Jahren zu kommen“, schildert Molitor. „Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wie viele Tickets bei Aufräumaktionen schon im Altpapier gelandet sind.“

 

Acht Spielzeiten hat der Gummersbacher komplettiert, bei weiteren 20 Saisons fehlen weniger als zehn Exemplare. Insgesamt bräuchte er noch 1.800 Karten, um seine weltweit wahrscheinlich einzigartige Sammlung zu vervollständigen. Allerdings wird das Unterfangen immer schwieriger. Während der Pandemie waren kaum Karten im Umlauf, zudem treiben die Klubs das digitale Ticketing voran.

 

Daher könnte Molitor sich durchaus vorstellen, seine Kollektion an einen anderen Fußballverrückten zu veräußern. Bei einem sechsstelligen Betrag würde er schwach werden – wenn jemand die gesamte Sammlung erwerben will. „Es gäbe genügend Abnehmer für einzelne Vereine, aber das fände ich einfach zu schade.“ Ansonsten werde er weitersammeln, bis es keine Karten in Papierform mehr gibt.

 

Wer Tickets, besonders aus den 1960er Jahren, besitzt oder ein Kaufinteresse hat, kann Peter Molitor unter petmolitor@t-online.de kontaktieren.

 

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