NüMBRECHT
„Objektivität ist eine Illusion“
Nümbrecht – Der Fotograf Viktor Hübner stellt seine Werke im Haus der Kunst aus – Er bereiste mehr als 40 US-Bundesstaaten und hielt seine Eindrücke von den Begegnungen mit den Menschen dokumentarisch fest.
Von Astrid Deckers
Organisiert vom Kunstverein Nümbrecht, startete am Sonntag eine vierwöchige Foto-Ausstellung mit Werken des Fotografen Viktor Hübner im Haus der Kunst. Aufgewachsen in Nümbrecht-Oberelben und -Elsenroth, verschlug es den 1988 in Gummersbach geborenen Hübner mit Anfang seines dritten Lebensjahrzehnts von Asien über Mainz und Jordanien, bis in die USA und nunmehr nach Tromsø in Norwegen. Die Ausstellung in Nümbrecht bedeutet für ihn nach eigener Aussage ein „Heimspiel“, bei dem sich zahlreiche Wegbegleiter, wie seine ehemalige Grundschullehrerin Jutta Krumm, Familienangehörige und Freunde ein Stelldichein gaben.
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[Lockere Stimmung prägte die Eröffnungsfeier bei Besuchern und Ausrichtern.]
Von 2017 bis 2019 hatte Hübner 41 Bundesstaaten der USA besucht und dabei über 26.000 Kilometer zurückgelegt. Die ganze Zeit über hatten ihn dabei fünf Regeln begleitet und eine davon lautete, keine öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, sondern ausschließlich zu Fuß oder per Anhalter zum nächsten Etappenziel zu kommen. Auf Nachfrage, ob denn Neutralität zu Zeiten Trumps für ihn möglich gewesen sei, erklärte Hübner: „Objektivität ist eine Illusion. Mein Leitmotiv ist ein Zitat des Journalisten Hanns-Joachim Friedrichs, welches da lautet: ‚Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache – auch nicht mit einer guten Sache; dass er immer dabei ist, aber nie dazugehört ‚.“ Getreu diesem Motto hat Hübner für sein Buch „The Americans I Met“, das zugleich auch der Ausstellungstitel ist, Gespräche geführt und Fotos gemacht.
Inspiriert wurde Hübner, der einen Masterabschluss in Fotografie und Anthropologie hat, bei seinem Langzeitprojekt von der Projektfotografie-Ära in den USA während der 1950er und 1960er Jahre. Irritiert von der Medienberichterstattung zu Beginn der ersten Amtszeit Donald Trumps, wollte er sich ein eigenes Bild von dem verschaffen, was in den Köpfen der Amerikaner vor sich ging und dies unbeeindruckt von den medialen „Expertenmeinungen“. Von seiner damaligen US-Gastfamilie und seinen Kommilitonen für „wahnsinnig“ erklärt, da die Menschen der USA viel zu gewalttätig und unberechenbar seien, habe er mit einem Wochenendtrip gestartet, bei der ihm zum Abschied „Leb` wohl“ gewünscht worden sei und nach seiner Rückkehr die Worte „Glück gehabt“ empfangen hätten. Durch diesen Trip bestärkt, habe er das Langzeitprojekt gestartet und dabei erfahren, dass die meisten Amerikaner viel offener seien, als es die amerikanische Öffentlichkeit glaube. So habe er keine Interviews geführt, sondern bei gastfreundlichen Menschen bis zu einer Woche mit freier Kost und Logis gewohnt, um ihnen zuzuhören und etwas über ihr Leben und ihren Hintergrund zu erfahren.
[Klangkünstler Töm Klöwer ermöglichte mit seinen spirituellen Klängen den Zuschauern in die Fotos einzutauchen.]
Jedes seiner Fotos zeigt nicht nur Menschen, sondern erzählt werden im Begleitbuch auch deren sehr beeindruckende Lebensgeschichten oder Momentaufnahmen vom „Hier und Jetzt“. In seiner Eröffnungsrede gab Hübner Einblicke in mehrere der ausgestellten Bilder. Auf dem einen eine Frau, die feiert, weil sie für drei Tage aus einem Leben voller Zwang und Unterordnung ausgerissen war, auf dem anderen Crack-Abhängige, die ihren Absturz klar erkannten und aus diesem Grund auch nicht über ihre Familien reden konnten. Hübner wurde nach eigenen Worten im Lauf seiner Reise zu „Bruder, Vater und Zuhörer“ für die Personen, bei denen er wohnte und schlief. Getreu seines Leitmotivs „Mir ist egal wen Du wählst, ich bin an Dir und Deiner Geschichte interessiert“, hörte er zu, fotografierte und schrieb die Geschichten auf.
Musikalisch untermalt wurden die Eröffnungsfeierlichkeiten vom Klangkünstler Töm Klöwer, der neben einer indischen „Shrutibox“ auch Klangschalen, Klangwolken und Silberplättchen dabeihatte und es den Zuschauern mit seinen esoterischen Klängen ermöglichte, sich über die Musik für die visuellen Eindrücke zu öffnen.
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[Auch die Bildbände Hübners fanden reißenden Absatz und so manch einer ließ sich das erworbene Buch mit einer Signatur des Künstlers veredeln.]
Die 1. Vorsitzende des Kunstvereins, Charlotte Bee-Bayertz, freute sich über die zahlreichen Besucher und dankte ihrer Vorgängerin Birgit Ludwig-Weber, dass diese die Ausstellung Hübners noch als letzte Tat vor dem Ende ihrer jahrelangen Ehrenamtszeit als Vorsitzende im November initiiert hatte. Beide freuen sich auf die nun vierwöchige Ausstellung, die donnerstags von 17 bis 19 Uhr und samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet ist. Der Eintritt ist frei und die Aufsichtspersonen wurden speziell über die Geschichten der ausgestellten Fotografien geschult. Die Ausstellung gliedert sich in drei Teile: Fotos aus dem Bildband, Hintergrundinfos zur Reise Hübners durch Amerika und einem Buchverkauf. Die Finissage findet am Sonntag, 17. Mai um 15 Uhr, ebenfalls in Anwesenheit des Künstlers statt. Interessierte sind zum Kennenlernen und Austausch eingeladen.

BILDERGALERIE