NüMBRECHT

Wenn Bob Dehlahn zum Akkordeon Rheinlieder spielt

kp; 10.10.2026, 12:54 Uhr
Fotos: Katja Pohl --- Der Gitarrist Biber Herrmann ist ein Fan des Nümbrechter Haus der Kunst - jetzt war er zum wiederholten Mal da, um ein ausverkauftes Blues- und Folkkonzert in der Reihe art & music zu spielen.
NüMBRECHT

Wenn Bob Dehlahn zum Akkordeon Rheinlieder spielt

kp; 10.10.2026, 12:54 Uhr
Nümbrecht – Zum Auftakt der Reihe art & music spielte Gitarrist Biber Herrmann ein ausverkauftes Konzert im Haus der Kunst.

Von Katja Pohl

 

Biber Herrmann ist nicht nur ein unglaublich guter und vor allem vielseitiger Gitarrist – er ist auch ein begnadeter Geschichtenerzähler. Seine Konzerte sind demnach eine Mischung aus Nostalgie, Blues, Humor und Folkmusik. Ins Nümbrechter Haus der Kunst kommt der Musiker, aufgewachsen im Mittelrheintal, besonders gern. Und so war er nun zum wiederholten Mal mit „nur“ fünf Gitarren angereist, um zum Auftakt der Reihe art & music, seit 2013 federführend organsiert durch den Nümbrechter Veranstalter Björn Lange, ein Konzert voller Klassiker, Eigenkompositionen und Anekdoten zu spielen.

 

[Wenn Biber Herrmann mit Gitarre Kathi zur Sechs-Mann-Band wird ist daran nicht gefälscht. Der Musiker verfügt über eine beeindruckende Motorik und größte Virtuosität.]

 

Eine dieser Geschichten handelt von Bob Dylan, der am 17. Juli 1981 ein legendäres Konzert auf der Freilichtbühne Loreley in Sankt Goarshausen im Rahmen seiner Shot of Love Tour spielte. Der Legende nach reiste Dylan mit seinem Roadmanager über die B42 an und stoppte, ob des schönen Rheinblicks, am Kiosk von Clemens, wo dessen Freund Hans gerade mit dem Akkordeon Rheinlieder zum Besten gab. Angeblich, so erzählt Biber Herrmann augenzwinkernd, begleitete der große Barde mit der Gitarre den Musikanten Hans bei drei dieser Lieder - und reiste dann unerkannt weiter. „Erst später entdeckten Clemens und Hans ein Konzertplakat und erkannten darauf Dylan, dessen Nachnamen sie immer ,Dehlahn‘ aussprachen – allein darum bin ich sicher, dass die Geschichte stimmt“, versichert der Musiker, bevor er Dylans „Maggie’s Farm“ anstimmt.

 

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Das Haus der Kunst sei für ihn in seiner Schlichtheit und mit dieser wunderbaren Akustik wie ein Meditationsraum, ist Biber Herrmann überzeugt: „Dieser Raum ist fast magisch – hier kann ich unglaublich filigran spielen, muss nicht so laut werden. Die Akustik antwortet auf meine Musik, hier ist die Musik Klang, der sich in die Stille hinein ausbreiten darf.“ Erstaunliches entlockt er mit fliegenden Fingern den Saiten der 101 Jahre alten Wandergitarre – er hat sie Juliana Cäsar getauft – die trotz ihres Alters extrem frisch klingt.

 

[Der Musiker ist auch ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler mit vielen Anekdoten aus seiner langen Karriere.]

 

„Wrong way round“ aus eigener Feder auf der Gitarre aus der Entstehungszeit des Blues entlockt den Gästen die ersten Bravorufe. „Angels in the Rain“ ist ein Stück, das von genialen Künstlern handelt, die dennoch nicht gewürdigt werden. Nicht wenige im Publikum lauschen mit geschlossenen Augen dem Text, der von diesen Engeln mit ihren gebrochenen Flügeln erzählt, davon, dass ihre Geschichte als Gewisper im Wind erklingt. Es ist diese Mischung aus Leidenschaft für die Musik, aus absoluter Virtuosität, poetischen Texten, Biber Herrmanns Präsenz und dem liebevollen Humor, der in den Geschichten immer wieder aufscheint, die dem Konzert ihre Leichtigkeit schenkt. Eine Leichtigkeit, die diesen Abend mit Biber Herrmann so faszinierend macht.

 

Gitarre Kathi hat ihren Namen vom „Cutaway“, der kleinen Ausbuchtung am Ansatz des Halses. Kathi hat heute ihren ersten Live-Auftritt und meistert ihn bravourös. Biber Herrmann macht aus Kathi, seiner Mundharmonikas plus einem hart klopfenden Stiefelabsatz eine sechs-Mann-Band mit Drums, Bass und Harp, der bei „Nothing but the Blues“ einfach nur staunen lässt. „Nein, ich benutze dafür keinen Looper“, bestätigt er, während er das Kunststück abseits von Pedalen und Verstärker noch einmal im Stehen vorführt.

 

Nach gut zwei Stunden Blues und Folk, kleinen und großen Geschichten gibt es die eingeforderte Zugabe und dann die Möglichkeit, mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen.

 

Am heutigen Samstag tritt Comedian Martin Fromme um 20 Uhr im Haus der Kunst mit seinem Programm „Armleuchter“ auf. Morgen startet um 14 Uhr ein Wine-Tasting mit Produkten aus dem Nümbrechter Weinstübchen. Für beide Veranstaltungen gibt es noch Tickets.

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