OBERBERGISCHER KREIS
Premiere: Erster „Marktplatz für gute Geschäfte“
Oberberg - Bei der Veranstaltung im Drabenderhöher Stadtteilhaus vereinbarten Protagonisten aus Ehrenamt und Wirtschaft konkrete Unterstützungen ohne den Einsatz von Geld.
Von Louisa Krüger
Gestern fand die Premiere des ersten Marktplatzes im Stadtteilhaus in Drabenderhöhe statt. Zum ersten Mal sind ehrenamtliche Vereine, Organisationen und lokale Unternehmen zu einer gemeinsamen Veranstaltung zusammengekommen. Unter dem Motto „Gute Geschäfte“ war das Ziel des Abends, bürgerschaftliches Engagement und Wirtschaft enger miteinander zu vernetzen. Der erste Marktplatz für den Südkreis wurde von Tanja Siebert und Christian Gollmer von der Organisation Amaidi initiiert und in intensiver Vorbereitung gemeinsam mit Sylvia Asmussen von der Kreisverwaltung sowie Corinna Kawczyk von der Stadt Wiehl organisiert.
[Der Wiehler Bürgermeister Ulrich Stücker begrüßte die Teilnehmer.]
Gollmer begrüßte die Teilnehmer und zog bereits zu Beginn eine positive Bilanz: „Das erste Ziel ist erreicht, hier finden Gespräche und Austausch statt.“ Der Landrat Klaus Grootens hieß die Gäste ebenfalls zu dieser Premiere willkommen und betonte den Wert der regionalen Wirtschaft für die sozialen Projekte: „Unternehmen der Region haben ein unheimlich großes Fachwissen. Sie wissen, wie man Projekte angeht, und können Ehrenamt ermöglichen.“ Es gehe an diesem Abend primär um Kontakte, Bekanntschaften und die Frage, wie man sich gegenseitig unterstützen und helfen kann.
Auch der Wiehler Bürgermeister Ulrich Stücker unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements: „Eine Entwicklung einer Stadt ohne Ehrenamt funktioniert nicht. Sie bestimmen die Zukunft der Region mit.“ Wenn es nicht viele engagierte Menschen geben würde, sähe die Zukunft nicht gut aus - dank des gezeigten Einsatzes blicke man jedoch positiv nach vorne. Siebert las zudem eine Nachricht des Stifters der Initiative, der am Abend selbst nicht anwesend sein konnte, vor und erklärte: „Der Marktplatz macht bürgerschaftliches Engagement effizient. Es wird nicht über Geld, sondern über Ideen, Leistung und Unterstützung gesprochen.“
![]()
[Landrat Klaus Grootens läutete die Verhandlungen mit einem Gongschlag ein.]
Das Prinzip des Marktplatzes, dessen Teilnahme für alle Beteiligten kostenfrei war, beruht vollständig auf dem Gedanken von Geben und Nehmen, wobei finanzielle Mittel bewusst ausgeschlossen sind. Stattdessen tauschen die Beteiligten auf Augenhöhe vier festgelegte Tauschwährungen aus: Know-How, Arbeitskraft und -zeit, Netzwerke sowie Sach- und Arbeitsmittel. „Es geht um Engagement gerade in den schwierigen Zeiten“, erklärte Asmussen und ergänzte, dass man gezielt schauen müsse, welche Ressourcen in der Region verfügbar seien.
Ein Gongschlag signalisierte am Abend den Beginn der einstündigen Verhandlungsphase, in der sich die Teilnehmenden erstmals trafen. Für das direkte Kennenlernen und den Austausch im Stil eines „Speeddatings“ hatten die Besucher beim Aushandeln freie Hand. Unterstützend standen die sogenannten „Makler“ zur Seite, um geeignete Gesprächspartner zueinander zu führen und aussichtsreiche Kooperationen anzubahnen. Ein eigens eingesetzter Notar besiegelte die getroffenen Engagement-Vereinbarungen schriftlich auf entsprechenden Notizzetteln, die mit einem festen Zeitraum versehen wurden.
![]()
Die Initiative bietet laut Angaben der Veranstalter deutliche Vorteile für alle Beteiligten. Für die gemeinnützigen Organisationen ist die Zusammenarbeit eine Investition in die Zukunft. Sie hilft dabei, die eigene Sichtbarkeit zu steigern, das Netzwerk zu vergrößern, neue Mitglieder zu finden sowie einen kostenfreien Zugang zu professionellen Leistungen zu erhalten. Die beteiligten Kommunen wiederum nutzen die Plattform, um innovative Unternehmen kennenzulernen, eine sozial-innovative Atmosphäre im Gemeinwesen mitzugestalten und neue Formen der Öffentlichkeitsarbeit zu praktizieren. Für die teilnehmenden Unternehmen bedeutet das regionale Engagement mehr als reine Wohltätigkeit: Es schafft Gewinnsituationen für beide Seiten, indem neue Märkte erschlossen, der eigene Bekanntheitsgrad gesteigert, Kontakte zur Politik geknüpft und die Position als attraktiver Arbeitgeber beim Werben um Fachkräfte gestärkt werden.
Wie lebendig dieser Austausch in der Praxis ablief, zeigte sich beim Blick in das Treiben im Stadtteilhaus. Zwischen Infoständen und Werbefahnen entwickelten sich schnell intensive Gespräche. So sprachen Projektpartner auf Augenhöhe direkt vor Ort über Hilfestellungen und lernten sich gegenseitig kennen.
![]()
Die Vielfalt der beteiligten Akteure war groß. Neben Unternehmen wie der AggerEnergie und der BPW Bergische Achsen brachten sich Betriebe wie die Buchhandlungen Hansen & Kröger, Herzens-Immobilien, hippehue social, Klön Café Rönsahl, Moveforward, RPP sowie wms - welp media service ein. Ihnen gegenüber stand ein breites Spektrum an Vereinen und Initiativen: AWO Rhein-Oberberg, OK Ausbildung, Schützenverein Hülsenbusch, Carl Hans-Stiftung Wiehl, Diakonie Michaelshoven, Freundeskreis Asyl Waldbröl, Gemeinnütziger Verein Müllenbach, Johanniter-Unfall-Hilfe, die Vereine "Lebensfarben" und "Lebenspfade Oberberg", SGV Homburger Land, die Stadt Wiehl mit der OASe, Motorsportclub Drabenderhöhe-Bielstein, Musikverein Siebenbürgen-Drabenderhöhe, die Initiativen „Werde KitzretterIN“ und „Wiehl enthindert“ und die Dorfgemeinschaft Büttinghausen.
Die getroffenen Absprachen und Kooperationen wurden anschließend digital erfasst, um den Erfolg der Börse messbar zu machen. Zur statistischen Auswertung werden die zugesagten ehrenamtlichen Stunden später fiktiv in Geldwerte umgerechnet. Bei einem Erfolg des Abends sollen laut einer Mitteilung der Veranstalter weitere Marktplätze kreisweit folgen.
Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Rembold Stiftung, der Sozialstiftung der Kreissparkasse Köln, der Organisation Amaidi, dem Paritätischen (Rheinisch-Bergischer Kreis), der Stadt Wiehl sowie der Erzquell Brauerei.
![]()