POLITIK

Deutlich teurer, aber eine „Jahrhundertchance“

ls; 11.02.2026, 14:10 Uhr
Visualisierungen: hmp-architekten.de (Aufmacher und Text 1), KUNZBERG GmbH.
POLITIK

Deutlich teurer, aber eine „Jahrhundertchance“

ls; 11.02.2026, 14:10 Uhr
Engelskirchen – Das Höhlenerlebniszentrum nimmt Konturen an – Pläne wurden gestern trotz noch fehlenden Bescheides deutlich konkretisiert.

Von Leif Schmittgen

 

2019 entdecken die Höhlenforscher vom Verein Kluterthöhle um Stefan Voigt das Windloch. Über acht Kilometer begehbare Tunnel offenbarten sich den Entdeckern. Aus Sicht von Voigt eine Jahrhundertentdeckung. Bei der gestrigen Ratssitzung im Engelskirchener Rathaus warb er erneut für das Projekt. Es soll – geht es nach dem Willen der Verwaltung und vieler politischer Vertreter – schon bald ein Höhlenerlebniszentrum (HEZ) entstehen. „Sie bekommen eine Chance im Leben“, bat Voigt um politische Zustimmung, trotz erheblich gestiegener Kosten.

 

Aber der Reihe nach: Der Stuttgarter Marketingberater MuseoConsult hat, gestern vertreten durch Ursula Dworák, eine Machbarkeitsstudie erstellt. „Dass zwei Ministerien sagen, das Projekt unterstützen zu wollen, habe ich noch nie erlebt“, warb auch sie um Zustimmung. Ab 2022 schnellten die Kosten binnen 18 Monaten um 35 Prozent nach oben. Und mit diesen errechneten gut 8 Millionen Euro war das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. Wilhelm Tiderko von Wolf. R. Schlünz-Projekte sprach von Gesamtausgaben in Höhe von aktuell rund 11,2 Millionen Euro.

 

 

Diese Steigerung sei hauptsächlich auf gestiegene Baukosten sowie Fachplanung Hochwasserschutz, aber auch eine Erweiterung des Baukörpers zurückzuführen. „Alles ist mit den Fördermittelgebern abgestimmt“, so Tiderko. Ursula Dworák ging anschließend auf die kalkulierten Betriebskosten mit fixen Personalausgaben und unterschiedlichen Besucherzahlen ein. Im schlimmsten Fall würde das HEZ einen Verlust von gut 276.000 Euro pro Jahr bei 15.000 Besuchern ausweisen. Bei 40.000 Gästen wären das noch gut 160.000 Euro, stellte Dworák gegenüber.

 

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Im Inneren des 1.325 Quadratmeter großen Gebäudes soll eine interaktive Ausstellung zeigen, wie die Höhle entstanden ist. Informationen zu benachbarten Höhlen in NRW werden im Foyer gezeigt und als Höhepunkt erwartet die Besucher ein VR-Erlebnis. Dabei kann die Höhle virtuell erkundet werden. Das Original bleibt für Besucher geschlossen. Die benachbarte Aggertalhöhle wird laut Dworák weiterhin während der Sommermonate für Besucher zur Verfügung stehen. Ergänzt wird das Angebot durch eine speziell entwickelte Höhlen-App. Tagesaktuell sollen die Informationen im Museum online abgerufen werden. Ein Themenschwerpunkt der Ausstellung soll sich auch Fledermäusen widmen, ausgerichtet auf die Zielgruppe Familien.

 

 

Architekt Jens Ennuschat, der seit zwei Jahren mit an Bord ist, stellte das Gebäude und die gut 3.000-Quadratmeter-Außenanlage vor. So sind 34 Parkplätze für Autos und zusätzliche Busstellplätze vorgesehen. Das komplette Gebäude sowie das Grundstück sind barrierefrei geplant. Höhenunterschiede werden durch Rammen überwunden. Um die gestiegenen Kosten in Grenzen zu halten, wurde auf Parkettfußböden oder auch auf Aufzüge komplett verzichtet.

 

Frank Herhaus, Planungsdezernent des Kreises, sagte seine Unterstützung für das Projekt zu. Der Kreistag hat im vergangenen Herbst in Aussicht gestellt, das Projekt mit jährlich 100.000 Euro zu unterstützen und sich als Betreiber zu beteiligen. „In einer nachtaktiven Region fühlen sich Arbeitgeber wohler als dort, wo nichts los ist“, verspricht sich Herhaus auch Wirtschaftswachstum für das Umland. An vorderster Front aber steht für den Dezernaten der Tourismus. „Wir haben überwiegend Tagesausflügler und Kurzurlauber. Bis zu 11,5 Millionen Menschen würden Engelskirchen in anderthalb Fahrstunden erreichen“, so Herhaus. Die Region profitiere von dieser „einmaligen Kombination“ in Engelskirchen, Ausflüge würden dann auch im Umland geplant, untermauerte Herhaus das Interesse seiner Behörde am HEZ.

 

 

Die Planungen wurden von der Politik überwiegend positiv aufgenommen. Einzig Karl Lüdenbach von den Grünen, der einräumte, dass das Thema innerhalb seiner Fraktion unterschiedlich gesehen werde, appellierte, weitere Kosten einzusparen – und warf der Verwaltung Intransparenz bei der öffentlichen Darstellung vor. „Ich weiß nicht, ob die Engelskirchener bereit sind, einem Defizit zuzustimmen. Die Zahlen müssen beachtet werden.“ Kritik erntete Lüdenbach dafür von Wolfgang Brelöhr (SPD). „Es ist für mich unverständlich, dieses Projekt infrage zu stellen“. „Mehr Öffentlichkeit, als zwei Ratssitzungen zu dem Thema anzusetzen und diese auch online zu streamen, kann man nicht schaffen“, erwiderte Bürgermeister Lukas Miebach und verwies auf den jahrelangen Vorlauf zum HEZ. Zudem haben jetzt noch alle rund drei Wochen Zeit, sich über das Vorhaben zu informieren.

 

Der Ratsbeschluss zur Fortführung des Projekts soll in der Sitzung am 3. März fallen. Voraussetzung dafür ist der täglich erwartete Förderbescheid des Heimatministeriums. Der Erste liegt seit einigen Wochen vor (OA berichtete). Miebach geht auf OA-Nachfrage davon aus, dass die Zusendung bislang lediglich an Formalien gescheitert sei.

 

Gastro und Kulinarik

 

[Visualisierung: Rother Architektur.]

 

Ein möglicher Souvenirladen oder die geplante Gastronomie sind nicht förderfähig, weshalb die Planung dazu gestern separat vorgestellt wurde. Architekt Ralf Rother stellte das geplante Gebäude des Restaurants „Zur Eisenblüte“ (OA berichtete) erneut im Gremium vor. Carsten Sauer von „Bergisch pur“ präsentierte eine erste Gastronomieidee. Demnach soll ein engagiertes Team Steakhausgerichte ebenso wie vegetarische Speisen mit jeweils starkem regionalem Bezug anbieten. Auch für den kleinen Geldbeutel soll es ein Angebot geben. Zu Feinplanung müsse aber zunächst der entsprechende Ratsbeschluss vorliegen.

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