POLITIK
Extremer Preisanstieg: Bekommt Oberberg deshalb ÖPNV-Sondertarif?
Oberberg – Der Kreistag soll vor der Umsetzung der Pläne von VRS und AVV über eine besondere Regelung für die Region entscheiden, um Kunden zu halten – Auch die Sperrung der RB25-Strecke war Thema im Kreisentwicklungsausschuss.
Von Lars Weber
Die zuständigen Gremien der Verkehrsverbünde Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) und Aachener Verkehrsverbund (AVV) haben eine Fusion der beiden Verbundtarife zum 1. Juni und eine umfassende Tarifstrukturreform beschlossen. Der daraus neu entstehende Tarif wird als Rheinlandtarif bezeichnet. Davon betroffen sind auch die Kunden der OVAG. Um bei einer Preisstufe einen Sprung von mehr als 40 Prozent mehr zu verhindern, soll der Kreistag einen zeitlich begrenzten Sondertarif für die OVAG beschließen. Der Kreisentwicklungsausschuss verzichtete zunächst auf eine Abstimmung
Die Hintergründe zur Tarifstrukturreform erklärten OVAG-Geschäftsführerin Corinna Güllner und VRS-Geschäftsführer Michael Vogel. Ziel der Tarifreform sei zum einen, den Fokus auf das Deutschlandticket und den „Luftlinientarif“ Eezy.nrw zu legen, bei dem nur die Strecke abgerechnet wird, die man tatsächlich gefahren ist – mit maximalen Ausgaben im Monat im Wert des Deutschlandtickets (aktuell 63 Euro). Wer mehr fährt, fährt dann kostenfrei.
Zum anderen ist eine Abkehr vom Tarifdschungel im VRS das erklärte Ziel. Da im Oberbergischen Kreis die Zahl von Kunden, die heute weder das Deutschlandticket noch das Angebot eezy.nrw nutzen, allerdings deutlich höher ist als im übrigen VRS-Tarifgebiet, sei der konventionelle Ticketverkauf nach wie vor sehr relevant. Abseits des Schülerverkehrs gilt: „Ein Großteil unserer Kunden ist noch mit Papierfahrausweisen unterwegs“, so Güllner. Aus aktuell 16 Preisstufen in VRS und AVV sollen zunächst vier und später drei werden (Hier gibt es Informationen zum Rheinlandtarif).
So werden unter anderem die bisherigen VRS-Preisstufen 2a, 2b und 3 zu einer neuen Preisstufe 2 zusammengefasst werden. Die Bandbreite der heutigen Preise (Einzelticket Erwachsene) liegt zwischen 3,90 und 7,40 Euro. Der Preis der neuen Preisstufe 2 liegt bei 5,50 Euro. Dadurch gibt es Kunden, für die der künftige Tarif günstiger wird (zum Beispiel die heutige Preisstufe 3).
Es gibt aber auch Kunden, für die der künftige Tarif zu deutlichen Preissteigerungen führt. Vor allem bei der heutigen Preisstufe 2a, also einer Fahrt zwischen zwei Kommunen, die mit einem Schlag 1,60 Euro teurer werde – der Kundenanteil an den Ticketverkäufen beträgt hier 22 Prozent. Die Kunden der OVAG würden damit in Relation am stärksten von Preishärten der Reform getroffen. Um zu verhindern, mit dieser extremen Preissteigerung Kunden zu verlieren „und das Personal den Ärger darüber abbekommt“, wurde ein Sondertarif extra für Oberberg entwickelt.
Dieser Sondertarif soll für Fahrten zwischen zwei Kommunen innerhalb des Kreises, die mit der OVAG verkehren, gelten und 4 Euro pro Fahrt kosten, 10 Cent mehr als aktuell. Entscheidet sich der Kreistag für den Sondertarif, würde die OVAG auf einen Teil der prognostizierten Mehreinnahmen in Höhe von maximal 240.000 Euro verzichten, verteilt auf die Jahre 2026 und 2027. Bis zur Gesamtumstellung 2028 werde trotzdem mit Mehreinnahmen in diesem Segment von 124.000 Euro gerechnet. Wichtig: Der Sondertarif würde nur innerhalb Oberbergs und nur in den Bussen der OVAG gelten, nicht aber bei anderen Verkehrsunternehmen oder der RB25.
Der Sondertarif soll zunächst für ein Jahr gelten. In dieser Zeit sollen Erfahrungen sowohl mit der Auswirkung der Tarifstrukturreform insgesamt, als auch mit dem Sondertarif im Oberbergischen Kreis gesammelt werden. Falls die Notwendigkeit gesehen wird, kann eine einmalige Verlängerung um ein weiteres Jahr bis Mitte 2028 möglich gemacht werden, bevor endgültig der Rheinlandtarif gelten wird. Bis dahin soll vor allem Eezy.nrw bekannter gemacht werden. Ab April wird dieser auch in die OVAG-App integriert. Außerdem sollen Alternativen geprüft werden für Fahrgäste ohne Smartphone oder auch alleinfahrende Kinder. Schon jetzt gelte: Wer Eezy.nrw nutzt, könne die Preishärten umgehen.
Das Thema wird im Kreisausschuss wieder beraten. Beschlossen werden könnte der Tarif vom Kreistag bei seiner Sitzung am Donnerstag, 26. März.
In knapp zwei Wochen startet die Pause der RB25 zwischen Dieringhausen und Köln. Zwischen dem 27. März und dem 7. August sollen diverse Arbeiten ausgeführt werden (OA berichtete hier und hier). Die Strecke ist gesperrt, zwischen Gummersbach und Lüdenscheid verkehrt die RB25 aber. Im Kreisentwicklungsausschuss informierten Vertreter von DB Infra.Go und Go.Rheinland noch einmal über die Maßnahmen, standen aber auch für Fragen zur Verfügung. Gebaut werden soll unter anderem der neue Haltepunkt Overath-Vilkerath, der die RB25 weitere Zeit auf der Strecke kosten wird. Ob man diese nicht zurückgewinnen könne, indem die Bahn nicht bis Hansaring durchfährt, wollte Seb Schäfer (Grüne) wissen. Dem erteilten die Planer aber eine Absage, da der Zug nur dort wenden könne. Im Hauptbahnhof sei dies bei der engen Taktung dort unmöglich.
Auch eine andere Taktung während der Baustellenphase von Gummersbach bis Lüdenscheid-Brügge hielten die Gäste aufgrund der Abhängigkeiten im anhängigen Zugverkehr für nicht möglich. Dies würde auch mehrere Aufgabenträger betreffen. Moritz Müller (CDU) hatte darauf hingewiesen, dass die Umsteigezeit in die RB52 nur drei Minuten betrage. Verpasst man den Zug, hängt man eine Stunde dort fest. „Kurz- und mittelfristig“ sei aufgrund der RB52-Strecke mit ihren Langsamfahrtabschnitten mit keinen Verbesserungen zu rechnen.
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