POLITIK
Grundschulstandorte in Holpe und Lichtenberg wackeln
Morsbach – Vor dem Hintergrund von Sanierungsbedarf, OGS-Anspruch und sinkenden Schülerzahlen wird über die Zukunft der Amitola-Schule mit drei Standorten gesprochen – Planer empfiehlt Zentralisierung - Petition setzt sich für Erhalt aller Standorte ein - Am Standort Morsbach favorisiert man die Zusammenlegung (AKTUALISIERT).
Von Lars Weber
Wie sieht die Zukunft des Grundschulverbunds Morsbach aus? Darüber diskutiert die Gemeinde seit Monaten. Seit dem Schuljahr 2013/2014 gehören dem Verbund die Standorte Morsbach, Holpe und Lichtenberg an. Vor dem Hintergrund von Sanierungsbedarf, OGS-Anspruch und perspektivisch sinkenden Schülerzahlen werden nun von Politik und Verwaltung inzwischen aber mehrere Varianten geprüft, „ergebnisoffen“, wie betont wird. Eine Option: die Zentralisierung am Standort Morsbach und der Wegfall der Schulen in Holpe und Lichtenberg. Dagegen wurde im Mai von den betroffenen Schulpflegschaften eine Petition ins Leben gerufen, die inzwischen mehr als 850 Menschen unterschrieben haben. Im Schul- und Sozialausschuss der Gemeinde berichtete nun am Montagabend Fachbereichsleiterin Susanne Hammer zur Situation. Weit mehr als 50 Gäste – vor allem Eltern und Lehrer – waren dafür ins Rathaus gekommen.
Die Vorgeschichte, auf die Hammer einging, reicht noch weiter zurück als nur ein paar Monate. Die Schulentwicklungsplanung aus dem Jahr 2008 führte damals zum Verbund zwischen Morsbach und Holpe, doch auch die Schule in Lichtenberg stand auf der Kippe. Sie hätte selbstständig nicht mehr existieren können. Die Bezirksregierung habe damals eine Zentralisierung favorisiert, sagte Hammer. Stattdessen entschieden sich Verwaltung und Politik für den großen Verbund unter der Voraussetzung des jahrgangsübergreifenden Unterrichts der Klassen 1 bis 4, da ansonsten keine Eingangsklassenbildung möglich gewesen wäre. Mehr Lehrstellen gab es für Morsbach durch die Verbundsbildung nicht, vorhandene Kräfte mussten aufgeteilt werden – das Pendeln zwischen den Standorten gehört seitdem dazu. Der Schulträger, also die Kommune, muss zudem für gleiche Ausstattung an den Standorten sorgen, was mit Mehrkosten verbunden sei gegenüber einer Grundschule mit nur einem Gebäude. „Eine moderne Lernumgebung muss an allen Standorten gewährleistet sein. Rechtlich ist der Verbund eine Schule.“
Vor drei Jahren nahm dann die jetzige Diskussion Fahrt auf. Der im Dezember 2023 beschlossene Schulentwicklungsplan bis zum Schuljahr 2027/2028 enthielt bereits die Empfehlung, die Standorte Holpe und Lichtenberg aufzugeben. Verwaltung und Politik wollten den Verbund aber aufrechterhalten und auch nötige Investitionen stemmen, die sich aus inhaltlichen Veränderungen in der Schullandschaft ergeben – gerade was Förderbedarf, aber auch den Raumbedarf angeht (zum Beispiel eine Mensa pro Standort aufgrund des OGS-Rechtsanspruchs). Dabei wurde für den sanierungsbedürftigen und engen Standort Holpe der größte Bedarf festgestellt, ein Neubau wurde empfohlen. Es wurde zunächst ein pädagogisches Konzept erarbeitet, zudem eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse wurden im September vergangenen Jahres vorgestellt. Ergebnis: Ein Neubau in Holpe sei mit den verfügbaren finanziellen Mitteln nicht ohne weiteres möglich. Und inzwischen befindet sich Morsbach in einer Haushaltssperre – die finanzielle Situation ist also nicht einfacher geworden.
Vor diesem Hintergrund hat die Politik die Verwaltung beauftragt, verschiedene Optionen „sorgfältig und ergebnisoffen“ zu prüfen. Dazu zählt der Erhalt aller drei Standorte, der Erhalt von zwei Standorten und die Entwicklung eines zentralen Grundschulstandorts in Morsbach. Das Büro BiRegio hinter der Schulentwicklungsplanung spricht sich klar für letzteres aus. Würde man die Standorte Holpe und Lichtenberg auflösen, müsse man eine geeignete Nachnutzung finden. „Das wäre ein herber Einschnitt in die Schullandschaft“, sagt auch Hammer.
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[Die Schule in Morsbach.]
Aktuelle Prognosen der Schülerzahlen sprächen aber dafür. Denn ab dem Schuljahr 28/29 sollen die Schülerzahlen sinken, auch aktuelle Geburtenzahlen (2022: 101, 2023: 82, 2024: 79) verheißen nichts Gutes für die Einschulungen, so Hammer. Gerade in Lichtenberg werde es nicht genügend Kinder geben (Hier hat die Verwaltung einige Zahlen zusammengetragen). Behielte man alle drei Standorte, sei es möglich, dass der Schulträger Kinder nicht die eigene Dorfschule besuchen lassen darf, sondern sie an einen anderen Standort schieben muss, um die nötigen Schülerzahlen pro Standort zu erfüllen.
Es gelte, nun eine „sorgfältige Entscheidung über die Zukunft der Schule zu treffen, die zukunfts- und Demografie-fest sein sollte“. Dies betonte auch Bürgermeister Jan Schumacher. Eine Diskussion mit den anwesenden Bürgern war in der Ausschusssitzung nicht vorgesehen. Sie sollen aber auch zu Wort kommen, nämlich beim Bürgerdialog zum Thema, der Montag, 29. Juni, ab 18 Uhr in der Kulturstätte Morsbach stattfinden soll. Auch das Büro der Schulentwicklungsplanung wird vor Ort sein. Schumacher bat darum, im Vorfeld Fragen an ihn zu richten, sodass er diese weiterleiten könne.
Das sagen die Befürworter der Standorte Holpe und Lichtenberg
Die Schulpflegschaften Holpe und Lichtenberg haben eine Petition für den Erhalt aller Standorte gestartet. Sie wollen keinen „Kampf“ zwischen dem Kernort Morsbach und den Außenorten. Ziel müsse stattdessen der Erhalt „einer lebendigen, familienfreundlichen Gesamtgemeinde“ sein. Zur Erreichung dieses Ziels befinde man sich auch im Austausch mit den Fraktionen, erzählt Christina Schindler, Schulpflegschaftsvorsitzende in Lichtenberg im Gespräch mit OA.
Sie und ihre Mitstreiter möchten deutlich machen: Entscheidend bei dem Thema seien nicht nur die Kosten der Umbauvorhaben, sondern vor allem auch die soziale und gesellschaftliche Bedeutung eines Wegfalls der Schulen für alle umliegenden Orte. Schindler zählt auf: Feste, Besuche bei der Ortsfeuerwehr (in Verbindung mit Nachwuchsgewinnung), eine Kooperation mit dem Seniorenzentrum oder Musikvereinen, all das würde in den Orten fehlen, wenn die Schulen wegfielen. Der Übergang von Kita in die Schule würde ebenso schwieriger für die Kinder. Schindler befürchtet eine Abwärtsspirale: Die Dörfer wären nicht mehr attraktiv für junge Familien und der Zuzug würde zurückgehen, weitere Infrastruktur wegfallen.
Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf würde einen herben Schlag bekommen. Sie selbst müsste morgens und nachmittags Umwege mit bis zu 45 Minuten mehr einplanen, dabei seien alle Wege aktuell schon knapp bemessen. „Und wie mir geht es vielen Eltern.“ Wie ein Spezialschülerverkehr aus den Dörfern aussehen könnte, ist dabei zu diesem Zeitpunkt natürlich auch noch unklar.
Den Bürgerdialog möchte die engagierten Eltern daher nutzen, um gezielt Fragen zu stellen. „Wir wollen, dass auch die menschliche Seite betrachtet wird, nicht nur die Zahlen. – und wir hoffen auf Antworten.“
Hier geht es zur Petition.
Auch der Schulpflegschaft des Morsbacher Standorts ist es wichtig zu betonen, dass es nicht um ein Gegeneinander der Standorte oder der Schulpflegschaften gehe, sondern „um die gemeinsame Verantwortung, die bestmögliche Lösung für alle Kinder in der Gemeinde zu finden“. Im Hauptort wird sich für eine Zentralisierung ausgesprochen, zum einen aufgrund der Sachlage, dass hohe Investitionen für einen Erhalt aller Standorte anstünden sowie der Schülerzahlprognosen. Aber auch aufgrund der aktuellen Unterrichtssituation, wie Denise Quast, Sprecherin der Morsbacher Schulpflegschaft im Gespräch mit OA sagt.
Dadurch, dass der Verbund als eine Schule gilt, müssen Lehrer, Fachkräfte und Personal auf alle Standorte verteilt werden. „Es fehlt überall an Zeit, Präsenz und Unterstützung.“ Gerade das Personal sei mehr auf der Straße als bei den Kindern, meinen die Vertreter der Schulpflegschaft im Hauptort. Auch reichten Sozialpädagogen und Fachkräfte nicht für alle drei Standorte und das AG-Angebot für die Grundschüler falle sehr unterschiedlich aus.
Die Morsbacher Schulpflegschaft ist der Überzeugung, dass eine Zentralisierung eine bessere Unterrichtsqualität und mehr Chancengleichheit für alle Kinder in der Gemeinde bedeuten würde, unter anderem durch einen besseren Einsatz von Personal. Auch seien Investitionen in einen Standort ein sinnvollerer Umgang mit Steuergeldern. „Die entscheidende Frage lautet: Macht es Sinn, alles zu verteilen – oder endlich zu bündeln.“
Hier gibt es einen offenen Brief der Schulpflegschaft.
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