POLITIK

Integrationsrat wählt neue Vorsitzende: AfD spart nicht mit Kritik

pn; 04.03.2026, 15:10 Uhr
Foto: Peter Notbohm ---- Gummersbachs Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit (v.l.n.r.) gratulierte Mary Roshani Thanapalasingham nach der Wahl zur neuen Vorsitzenden des Gummersbacher Integrationsrates sowie ihrer Stellvertreterin Elisabeth Raupach.
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Integrationsrat wählt neue Vorsitzende: AfD spart nicht mit Kritik

pn; 04.03.2026, 15:10 Uhr
Gummersbach - Mary Roshani Thanapalasingham ist erneut zur Vorsitzenden des Gummersbacher Integrationsrates gewählt worden, der einen neuen Namen und mehr Befugnisse hat – Patrizio Milia zieht seine Kandidatur zurück.

Von Peter Notbohm

 

Mit großer Spannung war die Wahl des neuen Vorsitzenden des Gummersbacher Ausschusses für Chancengerechtigkeit und Integration erwartet worden, nachdem die AfD bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr stärkste Kraft in dem Gremium geworden war (OA berichtete). Fast jeder dritte Gummersbacher Wähler mit einem Migrationshintergrund hatte am 14. September sein Kreuz bei der Wahl zum Integrationsrat bei der AfD gemacht. Die Partei kam auf 30,18 Prozent und lag damit vor den Integrationslisten von CDU (27,78 Prozent) und SPD (22,09 Prozent).

 

Dass die Zusammenarbeit in den kommenden fünf Jahren nicht geräuschlos werden dürfte, lässt sich nach der konstituierenden Sitzung des Integrationsrates, der einen neuen Namen und mehr Kompetenzen hat, erahnen. Nachdem die bisherige Vorsitzende Mary Roshani Thanapalasingham (SPD) in ihrem Amt mit 11 zu 7 Stimmen gegen die Einzelbewerberin Lilia Köhler (parteilos) bestätigt wurde, übte vor allem Patrizio Milia (AfD) deutliche Kritik an der Struktur des Ausschusses. „Wir können unsere Zeit hier auch einfach absitzen. Ihr macht nicht das, was der Wähler aus Gummersbach gewählt hat“, schimpfte er in Richtung von CDU und SPD.

 

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Der Integrationsrat in Gummersbach besteht gemäß der NRW-Gemeindeordnung aus zwölf direkt gewählten Mitgliedern und sechs vom Stadtrat entsandten Mitgliedern. Von den Stadtverordneten hatten fünf für Thanapalasingham gestimmt, was Milia als „undemokratisch“ bezeichnete, da diese Ausschussmitglieder seiner Meinung nach nicht durch den Wähler legitimiert seien. Es war nicht seine einzige Kritik.

 

Zuvor hatte es bei der Wahl bereits eine kleine Panne gegeben. Nachdem sich die Ausschussmitglieder nicht bewusst waren, dass sie bei der Wahl des Vorsitzenden nur eine Stimme haben, musste der Wahlgang wiederholt werden. Milia, der zu diesem Zeitpunkt selbst noch als Vorsitzender kandidierte, beantragte eine geheime Wahl (mit 5 zu 13 Stimmen mehrheitlich abgelehnt) und forderte zudem, dass sich die drei Kandidaten zunächst einmal vorstellen können sollten.

 

Nach den drei Vorstellungsreden verzichtete Milia schließlich auf seine Kandidatur zugunsten von Lilia Köhler – wohlwissend nach dem verpatzten Wahlgang, dass er keine Chance auf den Vorsitz hat. Köhler hatte in ihrer Rede dafür geworben, als parteilose Kandidatin und als Frau, die selbst Migration erfahren habe, die beste Brückenbauerin sein zu können: „Ich bin hier für die Menschen und nicht für politische Kämpfe.“ Mehrere Ausschlussmitglieder nominierten sie anschließend noch als 1. und 2. Stellvertretende Vorsitzende. Aber auch hier fiel sie gegen Elisabeth Raupach (SPD) und Dirk Vedder (CDU) mit 6 zu 12 und 7 zu 11 Stimmen durch.

 

Weil anschließend auch Abdul-Hamid Sourou (AfD) mehrere Abstimmungen im Rahmen der Entsendungen von sachkundigen Einwohnern in die Ausschüsse verlor, verzichteten die drei AfD-Ausschussmitglieder auf eine weitere Teilnahme an den Abstimmungen zu den Haushaltsberatungen.

 

Thanapalasingham warb nach ihrer Wahl indessen für eine offene Zusammenarbeit aller Ausschussmitglieder: „Ich werde versuchen, alle Anträge neutral und offen zu gestalten. Gemeinsam werden wir das hinkriegen.“ Rainer Sülzer (CDU), der die Ausschusssitzung als Alterspräsident eröffnet hatte, blickte optimistisch auf die kommenden fünf Jahre: „Im Vorfeld hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass da etwas aus einem Lager kommen könnte, was uns in der Sache nicht nach vorne bringt. Das ist aber relativ zart abgegangen, sodass wir diesen Ausschuss nun zu dem Zweck nutzen können, zu dem er eingerichtet wurde.“

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