POLITIK
„Ich bin absolut positiv überrascht“
Engelskirchen – Erstmalig seit Jahrzehnten steht mit Lukas Miebach ein CDU-Bürgermeister an der Verwaltungsspitze - Im OA-Interview spricht er über seine ersten Wochen im Amt und schildert auch persönliche Eindrücke.
Von Leif Schmittgen
Der Vorsprung, mit dem Engelskirchens neuer Bürgermeister Lukas Miebach seine Kandidatur ins Ziel gebracht hat, hätte mit einem Plus von 88 Stimmen kaum knapper ausfallen können. Als persönlicher Referent von Armin Laschet und Hendrik Wüst sammelte er bereits Wahlkampferfahrung auf der großen politischen Bühne. Das heimische Netzwerk und das Verstehen – auch der kleinteiligen Zusammenhänge in seiner Heimat Engelskirchen – ist ihm wichtig. Im Interview mit Oberberg-Aktuell spricht er außerdem über die ersten Wochen im Amt des Bürgermeisters und die anstehenden Herausforderungen in der Gemeinde.
OA: Herr Miebach, zittern Sie aufgrund des knappen Sieges noch?
Miebach: Nein, ich zittere nicht mehr und habe die Situation eigentlich gut verarbeitet (lacht). Ich bin Realist und habe als persönlicher Referent von Armin Laschet die Wahlniederlage erlebt und später in gleicher Funktion den Sieg von Hendrik Wüst. Trotzdem waren die letzten Minuten bis zur Auszählung sehr nervenaufreibend für mich. Mehr habe ich mich um meine Familie gesorgt, die doch sehr aufgeregt war. Dass ich mit knappem Vorsprung noch ins Ziel gekommen bin, habe ich dann aber natürlich genossen. Viel Zeit zum Feiern blieb aber nicht, denn es stand viel Arbeit an.
OA: Wie sind Sie denn im Rathaus aufgenommen worden?
Miebach: Ganz hervorragend. Alle Kolleginnen und Kollegen haben mich freundlich und herzlich aufgenommen. Insbesondere meiner Mitarbeiterin Bianca Eisenkrämer bin ich für ihre Unterstützung dankbar, auch wenn mir durch meine Ratsarbeit einiges schon bekannt war.
OA: Gab es etwas, das sie sofort geändert haben?
Miebach: Mir war es wichtig, möglichst früh Personalgespräche zu führen, weil ich zum Beispiel Klarheit bei der langen vakanten Fachbereichsleitung „Technische Dienste“ haben wollte. Ich freue mich, dass wir nun seit 1. Januar Andreas Kiel in dieser Funktion haben. Dass es nicht nur beim Bürgermeister, sondern binnen kurzer Zeit auch bei allen weiteren Fachbereichen Wechsel wegen Ruhestands gibt, ist dem Zufall geschuldet. Ich sehe den Umbruch aber als Chance. Mit Melanie Baltes-Gerlach als Kämmerin und Allgemeiner Vertreterin und Guido Lemmer, dem neuen Fachbereichsleiter für Sicherheit, Bildung und Soziales, haben wir jeweils internen Sachverstand, mit dem die Prozesse weiterlaufen. Dass mit Katrin Hinz als Leiterin des Bürgerbüros, des Standesamts und für zentrale Dienste aus Overath externe Expertise in die gewohnten Strukturen kommt, halte ich für eine ideale Mischung.
OA: Gab es denn etwas, was Sie vor Amtsantritt gar nicht auf dem Schirm hatten?
Miebach: Ja, das gibt es tatsächlich. Nämlich wie viel Freude mir der Job wirklich bringt. Ich bin absolut positiv überrascht und hätte vorher nicht erwartet, wie viel Spaß mir die Mischung macht, am Morgen ein Meeting zu besuchen, bei dem über viel Geld entschieden wird, und später bei einem 101. Geburtstag dabei zu sein. Im Wahlkampf hatte ich zwar schon mit vielen Menschen Kontakt, das Repräsentative aber war mir bislang noch fremd und ich war von mir selber überrascht, wie gerne ich doch zum Beispiel eine Proklamationsrede halte. Ob das für immer so bleibt, weiß ich natürlich nicht (lacht).
OA: Apropos Karneval: Wird man als tief verwurzelter Looper eigentlich schon "jeck" geboren?
Miebach: Bis jetzt war für den Karneval eher meine Frau federführend verantwortlich. Das ändert sich nun aber. Ich war noch keinen Tag im Büro, als ich als neuer Bürgermeister bereits meinen ersten Auftritt bei der Sessionseröffnung des Ründerother Karnevalsvereins hatte. Da muss meine Frau nun einen Schritt kürzertreten, auch, weil es um die Betreuung unserer drei Kinder geht, wenn kein Babysitter da ist. Das wusste sie aber schon lange vorher und hat sich schon im Wahlkampf damit abgefunden.
OA: Sind Sie denn gerne unter Menschen? Oder anders gefragt: Wie wichtig ist Ihnen Bürgernähe?
Miebach: Bürgernähe ist mir sehr wichtig. Ich freue mich über Gespräche auf der Straße und beantworte genauso Fragen, die mich immer öfter auch über die sozialen Medien erreichen. Ich möchte auch die kleinteiligen Zusammenhänge verstehen. Wie kam es zu dem Nachbarschaftsstreit? Warum stört das Verkehrsschild ausgerechnet an dieser Stelle? Und wie kann man möglichst schnell eine Lösung herbeiführen? Das sind Themen, die mich ebenso vorantreiben wie die Gemeinde als Ganzes weiterzuentwickeln.
OA: Welche Projekte auf Gemeindeebene stehen denn ganz oben auf Ihrer Agenda?
Miebach: Als Erstes wird nun der Gemeinderat nach dem in Kürze zu erwartenden finalen Förderbescheid über das Höhlenerlebniszentrums beschließen. Wir sind mit unseren Schulen sehr gut aufgestellt, trotzdem gilt es, den OGS-Ausbau voranzubringen. Überhaupt gibt es noch viele anstehende Projekte. Die Bücherfabrik, der Bahnhof und das Alte Rathaus in Ründeroth, der Skatepark am Sportpark Leppe, Brücken- und Straßensanierungen oder die weitere Vermarktung des Baugebiets in Buschhausen sind einige Beispiele. Wir müssen den Glasfaserausbau und die Digitalisierung insgesamt forcieren, damit wir auch auf dem Land zukunftsfähig aufgestellt bleiben und eine Stadtflucht verhindern.
OA: Vielerorts wird über politische Veränderungen auch auf kommunaler Ebene gesprochen. In Engelskirchen hat sich das Parteienspektrum aus SPD, CDU, Grünen und FDP gehalten, auch wenn der Bürgermeister nach Jahrzehnten erstmals wieder ein schwarzes anstatt des etablierten roten Parteibuchs in der Hand hält. Was erwarten Sie von der Politik?
Miebach: In der Regel ziehen die Parteien bei uns an einem Strang. Größere Differenzen gibt es weniger, sondern im Normalfall eher eine Diskussion über den besten Weg. Über das Ziel, das Beste für unsere Gemeinde herausholen zu wollen, sind sich alle einig. Wichtige Entscheidungen werden deshalb meist gemeinsam getroffen. Ich gehe davon aus, dass das auch in den nächsten Jahren so bleibt.
OA: Sie haben seinerzeit mit der CDU-Fraktion im Rat gegen eine Fortführung des gemeindlichen Projekts „Bücherfabrik“ gestimmt. Würden Sie heute aus Sicht des Bürgermeisters genauso stimmen?
Miebach: Ich kenne die interne Ausgangslage nicht, mit der das alles viele Jahre zuvor angefangen hat und kann deshalb auch nicht beurteilen, welche Richtung ich als Verwaltungschef damals verfolgt hätte. Wichtig ist für mich, dass das Gelände nun durch einen Privatinvestor entwickelt wird und endlich neues Leben in den Bereich kommt. Die Gemeinde steht dabei weiter zur Seite, um zu unterstützen, wo es möglich ist.