POLITIK

Kapazitätsgrenzen weit überschritten: Prognose spricht für dritte Förderschule

lw; 23.10.2026, 12:41 Uhr
Archivfoto: Michael Kleinjung --- An der Stelle des ehemaligen Schullandheims könnte die neue Förderschule entstehen. Diese Option wird aktuell geprüft und vorangetrieben.
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Kapazitätsgrenzen weit überschritten: Prognose spricht für dritte Förderschule

lw; 23.10.2026, 12:41 Uhr
Oberberg – Schulentwicklungsplanung wurde im Schulausschuss des Kreises vorgestellt – Planungen für einen neuen Standort in Bergneustadt sollen voranschreiten.

Von Lars Weber

 

Die Kapazitätsgrenze an den beiden Förderschulen des Oberbergischen Kreises mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung ist bereits seit Jahren überschritten. Die Helen-Keller-Schule in Wiehl-Oberbantenberg und auch die Wipperfürther Anne-Frank-Schule platzen aus allen Nähten. Das Thema ist längst in der Kreispolitik angekommen. Mit dem Kauf und dem sich im Umbau befindlichen Paul-Schneider-Haus in Oberwiehl als Interimslösung versucht der Kreis bereits, gegenzusteuern. Schon im Sommer vor zweieinhalb Jahren beauftragte der Kreistag die Verwaltung zudem damit, in die Planungen für einen regulären dritten Standort für eine Förderschule mit gleichem Förderschwerpunkt einzusteigen. Zuletzt wurde dafür ein Neubau an der Stelle des alten Schullandheims am Dreiort in Bergneustadt ins Auge gefasst (OA berichtete). Damit man aber nicht ins Blaue hinein plant, wurde zudem eine aktuelle Schulentwicklungsplanung zu dem Thema in Auftrag gegeben. Die Zahlen hat Elke Bruckner von dem Fachbüro Gebit aus Münster kürzlich dem Schulausschuss vorgestellt – mit einem eindeutigen Ergebnis.

 

„Wir wollten uns die Zahlen noch einmal genau anschauen, vor allem die künftige Entwicklung“, erklärte der zuständige Dezernent Stefan Heße vor der Präsentation. Dass aktuell der Bedarf unbestritten ist, sei klar. Aber wie sieht es in zehn Jahren aus? „Die Schule soll ja nicht leer stehen…“

 

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Blickt man auf die von Bruckner vorgestellten Zahlen, sollte diese Gefahr nicht bestehen. Die Schulen, der Kreis und die Schulaufsicht wurden in den Prozess mit einbezogen. Als Datengrundlage nutzte Bruckner die Schuldaten des IT.NRW für die vergangenen fünf Schuljahre, für die Prognose die Daten zur Bevölkerungsfortschreibung und Bevölkerungsvorausberechnung des IT.NRW für die relevanten Altersgruppen.

 

Bruckner schaute zuerst auf die Entwicklung der Schülerzahlen für die Gruppe der Kinder und Jugendlichen mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. In der Primarstufe ist seit 2021 bis 2026 ein stetiger Anstieg zu verzeichnen. 2021 gingen 94 Kinder auf eine Förderschule, in diesem Jahr sind es 142. In regulären Grundschulen werden nur wenige der Kinder beschult, 2025 waren es von insgesamt 132 nur 16. Bei der Förderschulquote in der Primarstufe liege der OBK leicht über den Werten von NRW und dem Regierungsbezirk Köln. Bis 2036 erwartet das Fachbüro zwar ab Ende der 2020er-Jahre wieder einen leichten Abfall der Zahlen – sie sollen aber auch danach auf hohem Niveau bei rund 130 Förderschulanmeldungen bleiben.

 

Für die Entwicklung der Zahlen in der Sekundarstufe I und die Berufspraxisstufe gilt davon ausgehend eine deutliche Erhöhung der Anmeldungen in Richtung 2031. Aktuell besuchen 166 Jugendliche die genannten Förderschulen, 20 die Berufspraxisstufe. Für die Sek I rechne Bruckner 2031 und 2032 mit einem Spitzenwert von 180 Schülern. Erst danach zeigt die Kurve wieder etwas nach unten. In der Berufspraxisstufe wird der Höchstwert von 28 Anmeldungen ab 2033 erwartet.

 

Zwischen 2026 und 2036 bewegt sich die Zahl der Gesamtanmeldungen an Förderschulen dementsprechend zwischen 327 (im Jahr 2036) und dem Höchstwert 341 (im Jahr 2030). Die Studie geht davon aus, dass zusätzlich knapp über 30 junge Menschen mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung in Regelschulen angemeldet werden können. Diese Prognosen bleiben laut Bruckner deutlich über den Kapazitätsgrenzen der aktuellen Förderschulen. Die Helen-Keller-Schule wurde für 110 Schüler konzipiert – und schultert inzwischen 178. Die Anne-Frank-Schule hat eine Kapazitätsgrenze von 100 Schülern – und muss inzwischen 150 unterbringen. „Mindestens 50 Schülerinnen und Schüler wären für einen eigenen Standort nötig“, so Bruckner. Da 120 bis 130 Plätze dauerhaft fehlen, spricht aus Sicht der Gutachterin also nichts gegen einen weiteren Standort. Genehmigungsfähig ist dieser allemal.

 

Laut Stefan Heße soll nun Planungsrecht geschaffen werden in Bergneustadt. Betrachtet man die prognostizierten Anmeldungen aus der Stadt und die umliegenden Gummersbach und Reichshof, dann kommen schon allein aus diesen drei Kommunen rund 100 Förderschüler. Heße hoffte, dass ein Neubau spätestens 2031 stehen könnte. Angesichts der prognostizierten Höchstwerte käme ein dritter Standort dann gerade zur rechten Zeit. Für den Bau sollen auch Mittel des Infrastrukturpakets der Bundesregierung eingesetzt werden.