POLITIK

Lärmschutz: Tempo 30 in Lindlar?

ks; 20.05.2026, 14:25 Uhr
Foto: Katharina Schmitz --- Der Kreisverkehr an der L299/K19 in Lindlar.
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Lärmschutz: Tempo 30 in Lindlar?

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ks; 20.05.2026, 14:25 Uhr
Lindlar – Die Straßenverkehrsbehörde des Kreises erwägt auf der L299 eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit – Bau- und Planungsausschuss sieht Vor- und Nachteile.

Ob am Kirschbäumchen, der Dr.-Meinerzhagen-Straße oder der Kölner Straße: Auf der L299 im Lindlarer Ortskern gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Wie Bürgermeister Sven Engelmann gestern in einer Sitzung des Bau- und Planungsausschusses erklärte, könnte sich das ändern. Der Oberbergische Kreis sei mit Blick auf den Lärmschutz auf die Verwaltung zugekommen und hat eine Temporeduzierung ins Spiel gebracht. Zwischen dem Kreisverkehr am Lidl und der Kreuzung am Kaštela-Platz könnte künftig Tempo 30 gelten. Da der Kreis die Gemeinde um eine Positionierung gebeten hat, wurde gestern im Bau- und Planungsausschuss über die Vor- und Nachteile diskutiert.

 

Wie es in der Vorlage zur Sitzung heißt, wurden im Rahmen des im Juni 2024 beschlossenen Lärmaktionsplans der Gemeinde für den Abschnitt der L299 zwischen dem Kreisverkehr L299/K19 (Lidl-Kreisverkehr) und der Ampelkreuzung L299/L129 (Kaštela-Platz) mögliche Maßnahmen zur Lärmminderung erörtert. Zunächst habe der Landesbetrieb Straßen.NRW als zuständiger Straßenbaulastträger eine schalltechnische Berechnung nach den „Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen“ (RLS-19) durchgeführt. Die „maßgeblichen Grenzwerte“ seien dabei aber nicht überschritten worden.

 

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Anders soll das bei der schalltechnischen Bewertung nach dem Berechnungsmodell RLS-90 gewesen sein, das vom Straßenverkehrsamt veranlasst worden ist – ein Modell, in dem der Gemeinde zufolge tendenziell höhere Lärmwerte ermittelt werden, während die zugrunde liegenden Grenzwerte niedriger angesetzt sind. Aufgrund der hierbei überschrittenen Grenzwerte habe die Straßenverkehrsbehörde des Kreises vorgeschlagen, eine Reduzierung auf 30 km/h zu prüfen. Beim Kreis verspricht man sich davon eine Verringerung des Lärmpegels um bis zu etwa drei Dezibel, was aus schalltechnischer Sicht einer wahrnehmbaren Entlastung entsprechen soll.

 

Laut Verwaltung wurden seitens des Landesbetriebs Straßen.NRW sowie der Kreispolizeibehörde Vorbehalte gegenüber dieser Maßnahme geäußert. Bezweifelt wird, ob der „zu erwartende Nutzen“ in einem „angemessenen Verhältnis zu potenziellen Risiken“ steht. Unter anderem wird befürchtet, dass die Temporeduzierung von Verkehrsteilnehmern nicht akzeptiert wird und sich der Verkehr auf umliegende Straßen verlagert. Kritisch gesehen wird auch, „dass es sich bei den zugrunde liegenden Werten um modellbasierte Berechnungen handelt, die die tatsächliche Lärmsituation nur eingeschränkt abbilden“.

 

Lindlars Politik blickt unterschiedlich auf eine mögliche Geschwindigkeitsreduzierung im Ortskern. Zur Diskussion standen eine Variante A (Tempo 30) und eine Variante B (Tempo 50). „Die L299 ist eine ganz wichtige Achse, um durch Lindlar zu kommen“, sagte Armin Brückmann (CDU). Häufig seien dort so viele Fahrzeuge unterwegs, dass man ohnehin nicht mit 50 km/h fahren könne. Eine Reduzierung von drei Dezibel ist der CDU-Fraktion zufolge doch eher gering. Sie hat sich deshalb (zunächst) dafür ausgesprochen, bei 50 km/h zu bleiben. Dem schloss sich auch das BSW an. Anders sah das bei der SPD, den Grünen und Die Linke aus, die sich allesamt für eine Reduzierung auf 30 km/h ausgesprochen haben.

 

„Wen wollen wir schützen? Die Autofahrer, denen nicht zuzumuten ist, langsamer zu fahren?“, fragte Ingo Harnischmacher (Grüne). „Oder haben wir eine Verantwortung für die ganzen Schüler, die Anwohner und die Fahrradfahrer?“ Als Fahrradfahrer in die Kreisverkehre reinzufahren, bezeichnete er als teilweise lebensgefährlich. „Warum muss man da unbedingt 50 fahren? Muss man nicht!“, sagte er deutlich. Auf Bitte der CDU-Fraktion wurde die Sitzung für einige Minuten unterbrochen. Mit Hinweis darauf, dass es in dieser Diskussion um eine Temporeduzierung aufgrund des Lärmschutzes gehe, sagte Armin Brückmann: „Es müsste aus unserer Sicht einen Punkt C geben.“ Demnach solle es tagsüber bei Tempo 50 bleiben; nachts und am Wochenende könne das Tempo temporär reduziert werden.

 

Bei der Abstimmung hat sich die CDU-Fraktion (9) letztlich enthalten. SPD, Grüne, Die Linke, BSW und der Ausschussvorsitzende Lutz Freiberg (10) stimmten für die Variante A. Die endgültige Entscheidung darüber liegt aber nicht bei der Gemeinde. Ob und wann es zu einem Tempo 30 auf der L299 zwischen dem Kreisverkehr am Lidl und der Kreuzung am Kaštela-Platz kommt, ist aktuell noch offen.

KOMMENTARE

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Sehr gut! Ist viel angemessener mitten im Ort.

Chris, 20.05.2026, 17:22 Uhr
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