POLITIK
Nachtflugregeln: Wiehl positioniert sich klar
Wiehl – Eine unbefristete Verlängerung der aktuell geltenden Regeln am Flughafen Köln/Bonn lehnt die Verwaltung ab – Schreiben an Ministerium.
Von Lars Weber
Nachdem sich Lindlar bereits gegen eine Entfristung der Nachtflugbeschränkung am Airport Köln/Bonn ausgesprochen hatte (OA berichtete), lehnt nun auch die Stadt Wiehl den Antrag auf eine unbefristete Verlängerung der bestehenden Nachtflugregelungen „ausdrücklich“ ab. Dies hat Bürgermeister Ulrich Stücker am Freitag mitgeteilt.
Der Flughafen Köln/Bonn gehört zu den wenigen deutschen Airports, an denen auch nachts Flugzeuge starten und landen dürfen – allerdings mit Einschränkungen. Die gültige 24/7-Betriebsgenehmigung des Verkehrsdrehkreuzes ist befristet bis zum 31. Oktober 2030. Der Flughafen hatte nun im März beim Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen als zuständiger Genehmigungsbehörde einen Antrag auf Entfristung der bestehenden Nachtflugbeschränkungen gestellt.
Das Ministerium hat sich daraufhin mit einem Schreiben an die Kommunen im Umkreis des Flughafens gewandt, obwohl gesetzlich allein eine Beteiligung der Fluglärmkommission nach Paragraf 32b Luftfahrtgesetz vorgesehen sei. Dass nach Lindlar auch Wiehl die Möglichkeit bekam, sich zu äußern, lobt Bürgermeister Stücker ausdrücklich. „Der Stadt Wiehl ist bewusst, dass der Flughafen Köln/Bonn ein wichtiger wirtschaftlicher Impulsgeber für die gesamte Region ist“, heißt es in der Stellungnahme der Stadt an das Ministerium, die OA vorliegt. „Demgegenüber steht jedoch der ebenso gewichtige, verfassungsrechtlich geschützte Belang des Gesundheitsschutzes“, heißt es weiter. „Die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Wiehl müssen wirksam vor einer (erhöhten) Lärmbelästigung geschützt werden.“
Zwar ließe sich die konkrete Betroffenheit und die quantitative Lärmbelästigung für das Stadtgebiet nicht abschätzen – im Gespräch verwies Bürgermeister Stücker unter anderem auf die Situation in Drabenderhöhe, wo die Bürgerinnen und Bürger besonders betroffen seien –, fest stehe jedoch: „Eine Entfristung zementiert den Ist-Zustand dauerhaft und nimmt jede Flexibilität, auf zukünftige Belastungssteigerungen zu reagieren.“ Sie würde zu einer „Verfestigung und Verschärfung der Lärmsituation in den sensiblen Nachtstunden führen“. Dies sei für die Stadt Wiehl nicht akzeptabel.
KOMMENTARE
1
Der Fluglärm lässt sich sehr wohl quantitativ als auch konkret messen.
In den letzten 20 Jahren haben die Transportflieger allein um 30% zugenommen
2
Schon verrückt: Momentan hört man vom Flugverkehr überhaupt nichts. Aber wehe, der Nachtflug in den Urlaub fällt weg – dann ist das Gejammer garantiert lauter als jedes Flugzeug.
Oberberger, 19.07.2026, 16:55 Uhr3
Ich schlafe bei geöffnetem Fenster und bin durchschnittlich höchstens einmal im Jahr in der Nachtruhe gestört worden. Allerdings unzählige Male durch wahnwitzige Motorradfahrer und kreiselnde PKWs. Bei einem Ablauf der bisherigen Regelung stehen hunderte von Arbeitsplätzen, wenn auch nicht in Wiehl direkt, auf dem Spiel. Aber Wirtschaftspolitik ist nicht nur eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit, sondern auch eine Aufgabe von uns allen. Hier setzt der Bürgermeister ohne Not falsche Prioritäten! Oder glaubt irgend jemand, dass die Online-Bestellungen zukünftig zurück gehen? Vielleicht plant die Verwaltung ja mal einen "Lärm-Blitzer" auf unseren Straßen und Plätzen? Unser aller Nachtruhe würde sich bedanken.
Bernd Teuber, 21.07.2026, 02:25 UhrLinks zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.