Waldbröl – Privater Schulträger hat ein Gelände an der Thüringer Straße in Eichen – Start in zwei Jahren anvisiert – Städtische Schulen sind nicht begeistert von der Konkurrenz.
Von Lars Weber
Das Schulangebot der Freien Christlichen Bekenntnisschule Gummersbach (FCBG) gehört in der Kreisstadt seit mehr als 25 Jahren dazu. Mit der Grundschule in Peisel fing alles an, später folgten Realschule, Hauptschule und Gymnasium – und auch in Wiehl eröffnete der Schulträger, der Schulverein der FCBG, 2017 eine weitere Grundschule. Nun möchte die FCBG eine weitere Grundschule bauen, und zwar in Waldbröl. Bereits im Sommer hatte Geschäftsführer Viktor Pritzkau die Pläne dem Rat vorgestellt und sich den dortigen Fragen gestellt. Auch wenn die Bezirksregierung Köln über einen möglichen Antrag für eine neue Schule entscheiden muss, gab der Rat damals ein positives Votum ab. Dass längst nicht alle von den FCBG-Plänen begeistert sind, zeigte sich schon im damaligen Abstimmungsverhalten. Neben 29 Ja-Stimmen gab es auch sieben Gegenstimmen und eine Enthaltung. Nun hat Pritzkau die Pläne auch dem Schulausschuss vorgetragen – und die Vertreter der Grundschulen machten ihrem Ärger und ihren Sorgen Luft.
Die Idee, eine FCBG-Bildungseinrichtung in Waldbröl zu verorten, sei dabei nicht neu, erläuterte Pritzkau dem Ausschuss. Schon vor 20 Jahren, als man sich nach einem zweiten Grundschulstandort umschaute, habe man sich auch in der Marktstadt Areale angesehen und Gespräche mit dem damaligen Bürgermeister Christoph Waffenschmidt geführt. Das Rennen gemacht hatte damals letztlich der Standort in Wiehl, der 2006 an den Start ging und an dem inzwischen 200 Kinder zur Schule gehen. Und das nicht nur aus Wiehl, sondern auch aus umliegenden Kommunen. Allein aus Waldbröl gebe es jedes Jahr Anmeldungen, mit der man eine ganze Klasse füllen könnte.
Und genau dieser Elternwille sei es auch gewesen, weshalb die FCBG die Idee einer Grundschule in Waldbröl wieder aufgenommen habe. Pritzkau und Christian Hebel, Leiter der FCBG-Grundschule in Wiehl, erläuterten, dass ihre Bekenntnisschule staatlich anerkannt sei und nach den Lehrplänen des Landes arbeite, wie alle anderen Bildungseinrichtungen auch. Besonderen Wert lege man bei der FCBG auf Elternmitarbeit (jede Familie leiste 20 Stunden im Jahr) und auf die Rolle des evangelischen Glaubens. Dieser manifestiere sich beispielsweise in regelmäßigen Gottesdiensten. Den Religionsunterricht abwählen wie in anderen Schulen, dies sei hier nicht möglich. Darüber müssten sich Eltern bewusst sein.
Spätere Nachfragen zu Unterrichtsinhalten bei Themen wie Evolution oder Sexualkunde beantworteten die FCBG-Vertreter mit dem Verweis an die Lehrpläne des Landes. An diese werde sich gehalten. Ein Schulgeld gebe es nicht, dafür einen nach Einkommen gestaffelten freiwilligen Elternbeitrag, mit dem die Kosten abgedeckt werden sollten, die nicht vom Land übernommen werden.
In Waldbröl habe man nun ein 9.000 Quadratmeter großes Areal an der Thüringer Straße in Eichen an der Hand. Die Vertragsverhandlungen über den Grundstückserwerb sind abgeschlossen, so Pritzkau auf OA-Nachfrage. Mit der Bezirksregierung seien noch keine konkreten Gespräche geführt worden. Allerdings rechne die FCBG noch in diesem Jahr mit der Baugenehmigung. Pritzkau geht davon aus, die Genehmigung für die Schule im kommenden Jahr zu beantragen, sodass man 2028 in Waldbröl starten könne. Geplant sei eine zweizügige Schule mit OGS-Betrieb. Sie gehen davon aus, dass die Schule auch für Eltern aus den umliegenden Kommunen interessant sein wird. Um die Gesamtinvestition abschätzen zu können, bedarf es noch weitere Planungsschritte, so Pritzkau gegenüber OA. Bisher liegen Entwürfe der Machbarkeitsstudie vor. Der Geschäftsführer und Schulleiter Hebel sind überzeugt, dass die neue Grundschule positiv für die Marktstadt sein werde. „Es gibt Familien, die ziehen extra in jene Kommunen mit privaten Schulträgern.“
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[Foto: Archivfoto: Das Gelände in Eichen.]
Nadine Reuber, Leiterin der Grundschule Hermesdorf, äußerte stellvertretend für alle anderen städtischen Grundschulen Kritik an der Kommunikation. Man habe zunächst nur „am Rande“ erfahren, dass in der Stadt eine neue Schule geplant ist. Sie hätten auch mehr Fragen erwartet von der Politik, vor allem im Bezug auf die Konkurrenz zu den städtischen Schulen. „Wir sehen das kritisch!“ Sie hätten sich generell einen früheren Austausch gewünscht. Kirsten Wallbaum-Buchholz, Leiterin der Gesamtschule, machte sich Gedanken, weil die Stadt gerade erst Platz an den Grundschulen schaffe, aktuell zum Beispiel an der Grundschule Isengarten. „Wir brauchen niemanden, der mitmischt.“ Zumal die FCBG selbst über ihre Zügigkeit entscheiden könne und die Stadt hier kein Mitspracherecht habe.
Viktor Pritzkau hatte Verständnis für die Reaktion der Waldbröler Schulvertreter. Sie hätten gehofft, mit der Information des Rats Mitte 2025 den richtigen Kommunikationsweg zu wählen. „Natürlich verändert sich durch eine weitere Schule die Struktur vor Ort“, sagte er. Er glaube aber, dass sie eine Bereicherung der Schullandschaft sein werden. Zugleich wies er auf die Privatschulfreiheit in Deutschland, die im Grundgesetz verankert sei, der Staat gebe ihnen als privater Schulträger also die Möglichkeit, auf den Wunsch der Eltern zu reagieren.
Ideen oder Pläne für eine weiterführende Schule existierten aktuell nicht, antwortete Pritzkau weiter auf eine Frage von Frank Bohlscheid, Leiter des Hollenberg-Gymnasiums. Wie die Situation in einigen Jahren aussieht, wollte er nicht mutmaßen.
Einfluss auf die Entscheidung der Bezirksregierung habe die Stadt nicht, erläuterte Hildegard Weber von der Verwaltung. Die Kommunen werden nicht einbezogen, zumal die FCBG seit vielen Jahren in der Region anerkannt sei. Laut Weber pendelten im Grundschulbereich 84 Schüler in andere Kommunen, darunter 31 von ihnen zur FCBG, 22 zur Waldorfschule.