POLITIK

Neues DBG: In einem Jahr soll der Bau starten

lw; 05.11.2026, 12:20 Uhr
Visualisierungen: Depenbrock Systembau GmbH --- So soll das neue Dietrich-Binhoeffer-Gymnasium aussehen.
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Neues DBG: In einem Jahr soll der Bau starten

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lw; 05.11.2026, 12:20 Uhr
Wiehl – Im Vergabeverfahren ist ein Totalunternehmer übriggeblieben, der alle Kriterien und Anforderungen erfüllt – Der Rat kann nächste Woche grünes Licht gehen – Bau des Interims im Stadion soll im Februar beginnen.

Von Lars Weber

 

Beim bunten Abend der Lehrkräfte des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums im Oktober war der bauliche Zustand des Gebäudes noch ein Dauerthema – sogar einen schmissigen Song gab es zu dem Thema. Dass das Kollegium humoristisch nochmal in die Vollen gegangen ist, war selbstredend vorausschauend: Bei den nächsten bunten Abenden, wenn das Kollegium traditionell ihre außerschulischen Talente unter Beweis stellt, wird dann – nach vielen Jahren der Planungen und noch mehr politischen Entscheidungen – thematisch wohl der Umbau des DBG und der Teilumzug ins Interim in den Fokus rücken. Denn kommenden Dienstag soll der Rat grünes Licht für die Totalunternehmer-Vergabe geben. Anschließend soll es zügig weitergehen. Schon im Februar soll mit dem Bau des Interims begonnen werden. Die Arbeiten an den Bestandsgebäuden und dem Neubau sollen dann im November beginnen. Über die Planungen und die Ergebnisse des Vergabeverfahrens informierten am Mittwoch Bürgermeister Ulrich Stücker, der Erste Beigeordnete Peter Madel und Alexandra Noss, stellvertretende Leiterin des Dezernats II.

 

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Ein kurzer Rückblick: Im April 2025 hatte der Stadtrat das europaweite TU-Vergabeverfahren beschlossen. Anfänglich gab es neun. Als Vorgabe diente das optimierte Campus-Modell (OA berichtete). Es sieht eine Sanierung des Bestands mit einem ergänzenden Neubau vor. Die Interessenten erhielten eine klare Leistungsbeschreibung, also einen langen Katalog von Dingen, die das Projekt zwingend beinhalten muss. Der Weg dorthin, auch wie das Thema Interim gehandhabt wird, war den Bietern überlassen. In die zweite Stufe des Vergabeverfahrens wurden von den neun Interessenten fünf ausgewählt, die Angebote einreichen durften.

 

Am Ende waren noch zwei Bieter, beides namhafte Firmen mit Erfahrung auf dem Sektor, wie Bürgermeister Ulrich Stücker betonte, übrig. Beide Unternehmen gaben ein Angebot ab. Beide erfüllten die konzeptionellen und baulichen Vorgaben. Doch nur eines, die Depenbrock Systembau aus Bielefeld, sprengte nicht den finanziellen gesetzten Rahmen von maximal 63 Millionen Euro. Die GmbH möchte das Projekt für 62,95 Millionen Euro (ein fester Pauschalpreis) realisieren – eine Punktlandung. „Das schafft maximale Kostensicherheit“, so Stücker. Der zweite Bieter lag mit rund 74 Millionen Euro deutlich darüber und disqualifizierte sich damit sozusagen.

 

[Von den drei exitierenden Gebäuden wird der Bauteil B zur Straße hin erweitert wird. Durch die Öffnung zwischen den Teilen A und B wird sich die Schulhofsituation deutlich verändern.]

 

Der Ansatz der Bielefelder Firma: Die Architektur folge dem Prinzip, möglichst viel zu erhalten, und nur dort zu ergänzen, wo es funktional erforderlich ist, und die Eingriffe so zu gestalten, dass der Bestand gezielt weiterentwickelt wird. Bauteil A (Oberstufentrakt) wird als Naturwissenschaftshaus ausgebildet und soll diese Fachbereiche unter einem Dach bündeln. Bauteil B bildet das Lernhaus für die Sekundarstufe I. Das Schulhaus der fünfzügigen Sekundarstufe I sei trotz des vorhandenen Bestands konsequent mit einer Clusterstruktur ergänzt und um zusätzliche Differenzierungsräume erweitert worden – es werden also auch moderne pädagogische Konzepte räumlich abgebildet. Die Cluster bestehen aus mehreren Unterrichtsräumen, die durch Lernzonen ergänzt werden. Dazu werden zum Beispiel Glaswände eingezogen und neue Sichtbeziehungen geschaffen, so Noss.

 

[Der Eingangsbereich des Gymnasiums.]

 

Bauteil C nimmt die Funktionen der Sekundarstufe II sowie der musisch-künstlerischen Fachbereiche auf und wird baulich neu organisiert. Der Dachausbau von Bauteil C greift das Motiv des bestehenden Daches auf und setzt es in drei Gauben fort, wodurch zusätzliche Flächen aktiviert und nutzbar gemacht werden. Des Weiteren werden Ausbaureserven erzeugt, heißt es in der Beschlussvorlage.

 

Das zweigeschossige Interim soll nicht wie zuletzt angedacht auf dem städtischen Parkplatz am Stadion entstehen, sondern auf dem Stadiongelände selbst auf der Fläche, wo sich aktuell unter anderem die Sprunggrube befindet (Foto). Der Bauprozess wird in mehrere Bauabschnitte eingeteilt sein, beginnend mit dem Naturwissenschaftshaus. Die ersten Schülerinnen und Schüler, die umziehen müssen, wird also die Oberstufe sein. Gebaut werden soll das Interim in Holzmodulbauweise.

 

 

Der Clou: Die Stadt wird eine Kaufoption (Stücker. „Der Preis ist sehr überschaubar“) für das Interim besitzen. Wenn es im Stadion nicht mehr benötigt wird – laut Zeitplan soll das neue DBG Ende 2030 baulich fertig sein, - könnte das Interim angepasst anderorts dauerhafte Verwendung finden. Die Verwaltung denkt da an die Grundschule Marienhagen, für die eine Vergrößerung gerade geplant wird. „So könnten wir die Baukosten für Marienhagen senken, außerdem ist die Vorgehensweise nachhaltig.“

 

Wenn der Rat dem Verschlag der Verwaltung folgt und die Auftragsvergabe beschließt, soll die Beauftragung der Firma noch am 11. November, also einen Tag nach der Sitzung, erfolgen. „Einen Beschluss solcher Dimension hat es in Wiehl noch nicht gegeben“, so Stücker.

 

Wie wird das bezahlt und was ist mit den anderen Schulen?

 

Kämmerer Peter Madel erklärte nochmals das Finanzierungsmodell für das DBG. In der mittelfristigen Finanzplanung im Haushalt seien bereits Verpflichtungsermächtigungen über 66,2 Millionen Euro eingestellt. Bilanziell auf der hohen Kante hat die Stadt Investitions- und Schulpauschalen des Landes, die Wiehl in den vergangenen Jahren schon extra für das Großprojekt als Bildungsreserve zurückgelegt hatte. Rund 34 Millionen Euro sind in den Büchern angelaufen. Wenn das neue Gymnasium dann fertig ist, können bei der Abschreibung des Gebäudes über 65 Jahre verteilt diese Millionen gegengerechnet werden. Statt mit rund 970.000 Euro werde der Haushalt dann in der Bilanz nur mit 450.000 Euro belastet.

 

Für das Gymnasium einsetzen möchte die Verwaltung auch gerne die 10,2 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bunds. Darüber entscheidet der Rat. Dadurch würden weitere positive Effekte bei den Abschreibungen, aber auch bei den Kreditaufnahmen entstehen würden. Aktuell geht Madel von einer anfänglichen Zinsbelastung nach einem Kredit (Laufzeit: 30 Jahre) von 1,6 Millionen Euro aus – dieser Wert würde sich mit voranschreitender Dauer verringern.

 

„Es bleibt eine große Herausforderung“, so Madel. Grund- und Gewerbesteuer müssten sukzessive erhöht werden, um auch die Bau- und Sanierungsprojekte bei Gesamtschule und den Grundschulen refinanzieren zu können. Auch mit Bezug auf die mögliche Weiterverwendung des Interims sagte Bürgermeister Stücker: „Wir haben auch die anderen Bildungsstätten im Blick!“

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