POLITIK
Stadionbau: Hohkeppel will in den Lindlarer Ortskern
Lindlar – Der Rasenplatz in Lindlar war gestern Thema im Ausschuss für Schule, Sport und Kultur – Neben dem SV Eintracht Hohkeppel haben auch andere Vereine Interesse an der Fläche.
Geht es nach dem SV Eintracht Hohkeppel, dann soll in Lindlar ein regionalligataugliches Stadion gebaut werden. Eigentlich haben die Vereinsverantwortlichen um den Vorsitzenden Hakan Ekmen das Ziel verfolgt, eine derartige Anlage zwischen den Lindlarer Ortschaften Hohkeppel und Schmitzhöhe zu realisieren – auf dem Platz, der auch vom Verein genutzt wird. Dazu hat Ekmen der Politik im Mai 2024 ein Infrastrukturprojekt der Eintracht vorgestellt. Doch wie berichtet, ist auf dem Areal kein Stadionbau möglich. Die Bezirksregierung Köln hat dem Verein mit Blick auf die landesplanerischen Vorgaben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mittlerweile hat man bei der Eintracht für den Bau eines Stadions einen anderen Bereich ins Auge gefasst: den Rasenplatz im Lindlarer Ortskern, der am Johannesweg südlich des Kunstrasenplatzes des TuS Lindlar liegt.
Am Abend hat im Rathaus eine Sitzung des Ausschusses für Schule, Sport und Kultur stattgefunden. Auf der Tagesordnung stand im öffentlichen Teil der Sitzung unter anderem ein Bürgerantrag des SV Eintracht Hohkeppel. Konkret ging es dabei um einen „Antrag auf Vorstellung des Projekts ‚Ausbau der Sportplatzanlage Lindlar‘“. Thema war der Rasenplatz aber auch im nicht öffentlichen Teil der Sitzung. Wie der Sitzungsvorlage zu entnehmen ist, ging es hier um die „Vorstellung möglicher Nutzungen durch die Vereine“. Bei den Vereinen, die ebenfalls Interesse an dem Areal haben, könnte es sich um den TuS Lindlar handeln, der den Rasenplatz in der Vergangenheit genutzt hat, ihn gar am 23. April 1980 mit einem Spiel gegen den 1. FC Köln eingeweiht hat, sowie der KG Lindlar – zumindest waren in der gestrigen Sitzung Vertreter beider Vereine zugegen. Öffentlich vorstellen wollten sie ihre Vorhaben – anders als die Eintracht – aber (noch) nicht.
Auch wenn Hakan Ekmen am Abend sehr heiser war, ließ er es sich nicht nehmen, die Pläne des Vereins zusammen mit Geschäftsführer Kevin Theisen zu präsentieren. Mit Blick auf den anvisierten Stadionbau handelt es sich im Grunde um die gleichen Planungen, die er schon 2024 für den Sportplatz bei Hohkeppel vorgestellt hat: gebaut werden soll ein regionalligataugliches Stadion. Aktuell spielt die 1. Mannschaft des Clubs in der Mittelrheinliga, steht da auf dem 2. Platz. Ekmen ist davon überzeugt, dass das Team erneut den Aufstieg in die Regionalliga West schaffen kann. „Entsprechend haben wir auch einen Lizenzantrag gestellt“, sagte er gestern in der Sitzung. Am Sonntag kommt es zum Gipfeltreffen in der Mittelrheinliga: dann empfängt Hohkeppel die Fußballer des SV Bergisch Gladbach, die seit dem neunten Spieltag an der Tabellenspitze stehen. Nur zwei Punkte trennen die beiden.
Bei der Eintracht Hohkeppel plant man ein Stadion, das für den Spielbetrieb der Regionalliga West geeignet ist – mit Blick auf die Kapazität, notwendige Funktionsbereiche und die Medien- und Sicherheitsanforderungen. Angedacht sei ein modulares Konzept, das es ermöglicht, die Anlage künftig zu erweitern. Im Raum stehen eine Kapazität von rund 2.800 Zuschauern, eine überdachte Haupttribüne mit rund 150 Sitzplätzen, ein separater Gästebereich mit etwa 800 Stehplätzen, ein modernes Funktionsgebäude mit Umkleiden, Schiedsrichterräumen und Büros, eine zeitgemäße Infrastruktur mit Flutlichtanlage, Sanitäranlagen, Kiosken und barrierefreien Zugängen sowie ein Sicherheitskonzept mit Zaunanlagen, Einlassschleusen sowie Notfall- und Evakuierungswegen.
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[Das Tor am Rasenplatz ist verschlossen.]
„Wir wollen den Verein sportlich weiterbringen“, sagte Ekmen. Aber mit der aktuellen Anlage würden sie an eine Grenze stoßen. Der Verein rechnet für den Bau des Stadions im Worst Case mit Kosten von rund 2,5 Millionen Euro, so etwa, wenn der Boden ausgetauscht werden müsse; 1,2 Millionen Euro seien mindestens nötig. Für die Gemeinde Lindlar ist das eine enorme Summe. Die finanzielle Lage der Verwaltung ist so miserabel, dass sie womöglich ins Haushaltssicherungskonzept muss. „Vielleicht ist der Zeitpunkt, das Projekt einzubringen, nicht optimal – aber wir müssen es machen. Wenn die Spiele nicht in der Gemeinde stattfinden, gibt es immer viele Fragen“, sagte Ekmen. Pachten oder besitzen möchten die Hohkeppeler die Anlage aber nicht. Lieber würde man den Platz zusammen mit anderen nutzen und so auch die Kosten teilen.
Viele Fragen sind noch offen, darunter auch, ob die Eintracht einen Naturrasenplatz bräuchte oder ob in der Regionalliga West künftig auf Kunstrasen gespielt werden darf. Ein Thema sind auch nötige Parkplätze und der Einsatz von Shuttlebussen. Unklar ist auch, wie viel die Unterhaltung des Areals kosten würde und wie es um potentielle Partner und die anderen Vereine steht, die Interesse an dem Rasenplatz haben. „Vorentschieden ist noch gar nichts“, betonte Bürgermeister Sven Engelmann, der auch über die finanzielle Situation der Gemeinde sowie eine notwendige baurechtliche Prüfung sprach. Aber „wichtig ist, dass schnell eine Entscheidung getroffen wird – noch in diesem Jahr“. Wichtig sei ihm aber auch, dass die Fraktionen ausreichend Zeit haben, um sich darüber beraten zu können. Schon im April könnte das Thema wieder auf der Tagesordnung stehen, dann im Haupt- und Finanzausschuss.