POLITIK
„Vertrauensverlust“, aber letztlich froh über den UGG-Rückzieher
Waldbröl – Vertreter von Unsere Grüne Glasfaser nahm bei Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses Stellung zum Stand des Ausbaus in der Stadt – Ärger und Erleichterung nah beieinander – Freude über A-Stempel der Regionale für Markthalle- und platz.
Von Lars Weber
Ein bisschen erleichtert wird auch Ralf Stratmann gewesen, dass die Sitzung des Waldbröler Stadtentwicklungsausschusses nicht bereits vergangene Woche stattfand, sondern erst diesen Mittwochabend. Stratmann arbeitet für Unsere Grüne Glasfaser (UGG), die eigenwirtschaftlich den Glasfaserausbau in der Marktstadt vorantreibt. Ende Mai sah es danach aus, als ob der Ausbau auf halbem Wege die Puste ausgeht, als die UGG ankündigte, das Ausbaugebiet massiv zu reduzieren. Der Aufschrei war groß, nachdem Kunden bereits Kündigungen ihrer Verträge unverhofft im Briefkasten hatten. Am Dienstag dann aber der Rückzieher vom Rückzug: Die UGG meldete, am ursprünglichen Ausbauziel festzuhalten (OA berichtete). Kritik musste sich Stratmann zwar trotzdem anhören, als er Stellung nahm und aktuelle Zahlen lieferte. Am Ende überwog aber deutlich die Erleichterung bei der Politik, auch wenn noch wenige weiße Flecken im Stadtgebiet übrigbleiben werden.
Wenn die UGG an der Reduzierung des Ausbaugebiets wie Ende Mai angekündigt festgehalten hätte, wären laut Stratmann 6.636 Haushalte mit der Möglichkeit versorgt worden, sich Glasfaser bis ins Haus legen zu lassen. Das heißt, dass die Rohre in den Straßen dann verlegt sind. Wenn die Kunden Verträge abschließen, werden die Anschlüsse dann bis ins Haus gelegt. Insgesamt 89 Kilometer an Glasfaser hätte man am Ende dann verbaut gehabt. Bis einschließlich Mai habe die Baufirma bereits 5.800 Haushalten die Möglichkeit zum Zugang zum Glasfasernetz geschaffen, so Stratmann. Die finalen Anschlüsse in die Gebäude finden erst nach und nach statt. Kunden mit einem bereits aktiven Glasfaserzugang gebe es aktuell 200. Weitere Arbeiten liefen. "Es gibt viel zu tun."
Über die Reduzierung hatten die Investoren, hinter der UGG stehen O2 und die Allianz, entschieden. Nachdem die Mitteilung über die Reduzierung in der Öffentlichkeit war, habe es allerdings „intensive Gespräche“ gegeben, so Stratmann – mit der Baufirma, mit den Planern und vor allem auch mit der Stadt. Bürgermeisterin Larissa Weber hatte nach Bekanntwerden der Pläne umgehend an die Chefetage der UGG geschrieben mit eben jenem Ziel – in die Kommunikation zu kommen. Tatsächlich brachten diese Gespräche die Wende, so Stratmann, der hervorhob, dass Waldbröl hier eine Sonderstellung einnehme. Denn an der Reduzierung der Ausbaupläne in anderen Kommunen werde festgehalten, betonte Stratmann. „Es tut mir leid, für Unruhe gesorgt zu haben.“
Für die Marktstadt bedeutet die Rückkehr zu den ursprünglichen Ausbauplänen: Bis 2027 sollen 10.561 Haushalte Glasfaser vor der Haustür liegen haben. Insgesamt 185 Kilometer sollen dann ausgebaut sein. Sprich: Der Ausbau befindet sich jetzt etwa auf der Hälfte. Die meisten Außenlagen, das war Verwaltung und Politik stets wichtig, sind Teil der UGG-Pläne. Aber: Sechs Ortschaften und einige wenige Einzellagen (wie Haus Mühlenbach) werden nicht dabei sein. „Und sie waren auch nie Teil der ursprünglichen Pläne“, machte Stratmann (Foto) deutlich. Keine Kabel verlegen wird die UGG demnach nach Krahwinkel, Seifen, Lützingen, Heide, Schönenbach und Spurkenbach. Auf Nachfrage der Politik sagte er zwar zu, Anschlüsse noch einmal zu prüfen, legte aber nahe, dass die Stadt sich für diese Orte um eine Förderung bemüht. „Der eigenwirtschaftliche Ausbau ist dort nicht abbildbar, weshalb diese Orte von Anfang an nicht zu den Plänen gehörten.“
Jene Kundinnen und Kunden, die bereits Kündigungen von O2 erhalten hätten, sollen bald Post erhalten. Sie müssten nichts weiter tun, damit der Anschluss wie ursprünglich vereinbart erfolgt. Ihnen stünde es aber auch frei, den Anbieter zu wechseln.
Ausgewechselt worden sei im Laufe der vergangenen Monate die Vertriebsfirma, die an Haustüren aggressiv um Neukunden geworben habe. Anne Pampus (SPD) hatte hier nachgefragt. Generell sprachen mehrere Ausschussmitglieder wie Pampus, Andre Steiniger (CDU) oder Sebastian Diener von einem „Vertrauensbruch“ mit der UGG nach den vergangenen Wochen. Aber, man zeigte sich wie auch Bürgermeisterin Weber erleichtert über die finale Entscheidung der UGG. Es sei der richtige Schritt gewesen, auf die UGG zu setzen, konstatierte Weber.
Sie trat laut gewordener Vorwürfe aus der Bürgerschaft, dass die Stadt keinen Vertrag mit der UGG habe und Steuergelder verschwendet würden, deutlich entgegen. Da die UGG hier eigenwirtschaftlich handelt, sprich mit Investorengeld den Ausbau bezahle, würden in Waldbröl keine Steuergelder verbaut. Und genau dieser Umstand, dass die UGG eigenes Geld in die Hand nehme, sei auch der Grund, warum es keine bindenden Verträge, sondern nur Absichtserklärungen gebe.
Ihre ursprüngliche Ausbauabsicht habe die Geschäftsführung nun nochmal erneuert. Stratmann erläuterte zudem, dass auch das Bauunternehmen in die Spur geschickt wurde. Der Ausbau geht also weiter. Weiterhin darüber informieren wird die Stadt hier.
A-Stempel für Projekte am Markt
Die Regionale 2025 feiert im kommenden Monat ihren Abschluss. Zum Ende der Laufzeit hat der Lenkungsausschuss weiteren Projekten und Projektmodulen im Bergischen RheinLand den A-Status erteilt, die Projekte werden umgesetzt. Dazu gehört auch das Projekt „Markt und Mehr“ in Waldbröl, wie die Regionale-Agentur und auch Bürgermeisterin Larissa Weber mitteilten. Herzstück des Projektes ist der Bau der multifunktionalen Markthalle als Ersatz für die abgebrannte Markthalle, die inzwischen abgerissen worden ist. Parallel zur Markthalle wird auch der angrenzende Marktplatz neugestaltet. Einen Überblick über die Planungen gab bei der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses das Planungsbüro Club L94. Seit der ersten Vorstellung (OA berichtete) habe sich an den Grundlagen nicht viel geändert. Nach Gesprächen mit zum Beispiel Ausstellern und Beschickern seien unter anderem die Platzverhältnisse angepasst worden. Im weiteren Prozess wird es um die Auswahl von Materialien, Bepflanzungen und weitere Gestaltungsfragen gehen. Immer im Blick bleiben soll das Budget.
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