POLITIK
Weniger Autos, mehr Sicherheit: Schulstraße soll bleiben
Waldbröl – Planungsbüro stellte im Bau- und Verkehrsausschuss Zwischenergebnisse zum Verkehrsversuch am Schulzentrum vor – Politik stellt Weichen, die Regelung zu verstetigen.
Von Lars Weber
Weniger Autos, weniger Konflikte, mehr Sicherheit auf dem Schulweg für Schülerinnen und Schüler: Das Zwischenfazit zur Einrichtung einer Schulstraße am Waldbröler Schulzentrum fällt sehr positiv aus. Über Zahlen und Beobachtungen hat am Dienstag im Ausschuss für Bauen und Verkehr Tanja Leven vom Planungsbüro Bueffee und der Bergischen Universität Wuppertal berichtet, die den Verkehrsversuch für die Bundesanstalt für Straßenwesen betreut. Bis zu den Sommerferien sollen alle Daten vorliegen und die finale Auswertung erfolgen, weshalb das Projekt voraussichtlich noch um ein halbes Jahr verlängert wird. Die Politik leitete indes bereits Maßnahmen ein, um die Schulstraße auch dauerhaft zu sichern.
Die Goethestraße, die direkt an Gymnasium und Gesamtschule führt, ist im Rahmen der Projekts seit dem 27. Oktober eine Schulstraße und nur noch für wenige befahrbar. Auch in der Schillerstraße, im Höhenweg oder der Heinrich-Heine-Straße gelten seitdem andere Regeln für den Verkehr. Primäres Ziel: Den Schulweg sicherer gestalten und den Autoverkehr vom Schulzentrum weghalten. Dafür wurden mehrere Hol- und Bringzonen ausgewiesen, die die Eltern anfahren sollten, statt ihren Nachwuchs direkt vor dem Schuleingang rauszuschmeißen.
Schon ein erstes Zwischenfazit fiel positiv aus (OA berichtete) Dies führte Tanja Leven nun noch ausführlicher aus. Grundlage für die Statistiken sind Gespräche mit Eltern und Schülern vor und nach Einrichtung der Schulstraße sowie Aufzeichnungen von Kameras, teils mit KI-Unterstützung ausgestattet. An 16 Standorten seien diese positioniert. „Mehr als in anderen Städten, die wir bei dem Verkehrsversuch betreuen.“ Zu diesen gehören unter anderem Frankfurt, München, Bonn oder auch Lüneburg.
Besonders in den Morgenstunden zeige sich ein deutlich positiver Effekt der Maßnahmen. Dann gebe es 53 bis 68 Prozent weniger Autos (vorher: mehr als 200 Autos, nachher: etwa 100 Autos) in der Goethestraße zwischen 7 und 8 Uhr. Hol- und Bringvorgänge direkt an der Schule gebe es sogar mehr als 85 Prozent weniger. Von 202 ist die Zahl auf 24 gesunken. Fast noch wichtiger: Es gebe rund 70 Prozent weniger „Interaktionen“ (vorher 170, nachher 46) in diesem Nahbereich. Eine Interaktion ist zum Beispiel, wenn Kinder die Straße queren und ein Fahrzeug abbremsen muss oder auch Kinder aufgrund von fahrenden Autos warten müssen, bis sie die Straße überqueren. Sprich: Weniger Interaktionen bedeuten mehr Sicherheit im Straßenverkehr.
Leven zeigte auch Videos von der Situation auf der Vennstraße vor Einrichtung der Schulstraße und danach. Während es vorher an der Abzweigung Goethestraße zum Schulzentrum extrem wuselig und eng werden konnte und Schüler teils zwischen Autos hindurch huschten, zeigten die aktuellen Aufnahmen eine ruhigere Situation aufgrund des Rückgangs an Autos. Enttäuschen musste Leven aber jene, die glaubten, dass mit einer solchen Maßnahme das Mobilitätsverhalten an sich geändert werden könne. Dies zeigt sich zum Beispiel daran, dass die Gesamtverkehrsmenge auf der Vennstraße sich nicht verändert habe.
Weiter analysiert werden sollen nun unter anderem die Verdrängungseffekte und Konflikte an anderen Stellen, die durch die Maßnahmen am Schulzentrum entstanden sind. So zeigt eine erste Sichtung der Sommer-Erhebung beispielsweise unerwünschte Hol- und Bringverkehre in der Verlängerung der Schillerstraße. Diese Verlagerung möchte man eigentlich vermeiden. Laut Rudolf Bergen, Mobilitätsmanager der Stadt, habe man die Situation dort auch bereits mit Polizei besprochen. Anlieger-frei-Schilder könnten dort zum Einsatz kommen. Allerdings erst, wenn der Verkehrsversuch beendet ist. Vorher würde diese Änderung die Ergebnisse und Vergleichbarkeit beeinflussen. „Wir haben aber Werkzeuge an der Hand.“
Das positive Zwischenfazit überzeugte die Ausschussmitglieder. Um nach dem Ende des Versuchszeitraums im Oktober einen direkten Übergang zu schaffen, gab der Bauausschuss eine einstimmige Beschlussempfehlung an den Rat, die aktuelle Schulstraßen-Regelung zu verstetigen und die erforderliche Teileinziehung nach dem Straßen- und Wegegesetz NRW für das betroffene Teilstück der Goethestraße einzuleiten. Ergänzend gab es bei zwei AfD-Gegenstimmen die Empfehlung, die Widmung der Goethestraße gemäß der jetzigen Regeln ab der hinteren Grenze der Einmündung des Roseggerweges bis zum Höhenweg an Schultagen (außerhalb der Ferien in NRW) montags bis freitags in der Zeit von 7 bis 8 Uhr sowie in der Zeit von 12:30 bis 15:45 Uhr zu beschränken. Zugelassen werden soll für diesen Zeitraum der Fuß- und Radverkehr, die Benutzung mit Krafträdern, Kraftfahrzeuge mit Ausnahmegenehmigung, Lieferverkehr sowie die Zufahrten zu den Grundstücken Goethestraße 3 bis 5.
KOMMENTARE
Jeder Nutzer dieser Kommentar-Funktion darf seine Meinung frei äußern, solange er niemanden beleidigt oder beschimpft. Sachlichkeit ist das Gebot. Wenn Sie auf Meinungen treffen, die Ihren Ansichten nicht entsprechen, sehen Sie von persönlichen Angriffen ab. Die Einstellung folgender Inhalte ist nicht zulässig: Inhalte, die vorsätzlich unsachlich oder unwahr sind, Urheberrechte oder sonstige Rechte Dritter verletzen oder verletzen könnten, pornographische, sittenwidrige oder sonstige anstößige Elemente sowie Beschimpfungen, Beleidigungen, die illegale und ethisch-moralisch problematische Inhalte enthalten, Jugendliche gefährden, beeinträchtigen oder nachhaltig schädigen könnten, strafbarer oder verleumderischer Art sind, verfassungsfeindlich oder extremistisch sind oder von verbotenen Gruppierungen stammen.Links zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.