POLITIK

Aus für zwei Schulstandorte fast besiegelt

lw; 23.09.2026, 13:16 Uhr
Archivfotos: Lars Weber.
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Aus für zwei Schulstandorte fast besiegelt

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lw; 23.09.2026, 13:16 Uhr
Morsbach – Rat votierte bei einer Gegenstimme für die Zentralisierung der Amitola-Grundschule im Hauptort – Für die finale Entscheidung muss nun das Beteiligungsverfahren abgewartet werden – Eltern der Standorte Holpe und Lichtenberg wollen weiterkämpfen.

Von Lars Weber

 

Viel diskutiert wurde die vergangenen Wochen, Argumente und Zahlen ausgetauscht, oft auch sehr emotional (OA berichtete hier und hier): Nun hat der Morsbacher Rat gestern eine deutliche Richtung vorgegeben, wie es mit der Grundschule in der Gemeinde weitergehen soll. Bei nur einer Gegenstimme von Frank Hombach (SPD) bekundete der Rat die Absicht, die Grundschulstandorte Lichtenberg und Holpe am Hauptstandort Morsbach zu zentralisieren, die Standorte in den Dörfern also aufzugeben. Final ist das noch nicht. Erst muss die Verwaltung nun wie rechtlich vorgesehen das Beteiligungsverfahren einleiten. Dabei hat auch die Schule noch Gelegenheit, eine Stellungnahme abzugeben. Die Beschlussfassung wurde dahingehend erst kurz vor der Ratssitzung geändert, nachdem die Kommunalaufsicht Bedenken angemeldet hatte. Einige Formulierungen seien schon „zu konkret“ gewesen, erklärte Bürgermeister Jan Schumacher. Der Ratssaal war mit rund 50 Gäste voll. Vor ihnen sprachen das Gemeindeoberhaupt und die Ratsmitglieder über die schwierige Entscheidung. Die Fürsprecher der Außenstandorte wiederum kündigten nach der Sitzung an, weiter für den Erhalt kämpfen zu wollen.

 

Die Problemstellung in Kurzform: Der Grundschulverbund mit den Standorten Morsbach, Lichtenberg und Holpe müsste teils mit viel Geld (vor allem für Holpe) fit für die Zukunft gemacht werden. Allerdings hat sich bei der Prognose der Schulentwicklungsplaner gezeigt, dass sich die Schülerzahlen nicht so entwickeln, dass alle Standorte weiterbetrieben werden könnten. Schon ab dem Schuljahr 2030/31 könne es demnach knapp werden, die vorgeschriebenen 46 Schüler für den Standort Lichtenberg zusammenzubekommen. Sind es weniger, würde das Land selbst tätig werden und den Standort schließen. Bereits in den vergangenen Jahren wurde die Diskussion um die Zukunft des Grundschulverbunds immer wieder geführt – und bisher entschied sich die Politik stets – auch gegen den Rat der Schulentwicklungsplaner – alle Standorte zu erhalten. Nun aber folgten die Gremiumsmitglieder den Empfehlungen.

 

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Vor den Statements der Politik hatte Fachbereichsleiterin Susanne Hammer aktuelle Zahlen vorgestellt und einen Schwerpunkt auf die Ein- und Auspendler gelegt. Demnach kommen aktuell lediglich fünf Kinder aus anderen Kommunen nach Morsbach in die Grundschulstandorte (drei aus Waldbröl, zwei aus Reichshof). Dagegen stehen 25 Morsbacher Kinder, die in anderen Kommunen Grundschulen besuchen. Unter dem Strich fehlten aktuell also 20 Kinder „im System“, wie Hammer sagte.

 

Der Frage zu beantworten, warum so viele Eltern ihre Kinder außerhalb der eigenen Gemeinde anmeldeten, sei eine der Aufgaben, die die Verwaltung nun habe, sagte Bürgermeister Jan Schumacher in seiner Stellungnahme. Dazu kommen Fragen wie nach den pädagogischen Konzepten, nach der Bauplanung und den Schulbusverkehren. Die Beantwortung dieser Fragen wird Zeit benötigen. Dass bei einer so „schwierigen Entscheidung“ fast alle Ratsmitglieder fraktionsübergreifend eine Auffassung vertreten, sei bemerkenswert und nicht selbstverständlich.

 

Schumacher ging auch auf seine persönliche Entscheidungsfindung ein, nachdem er in den Sozialen Medien viel Kritik einstecken musste. Für ihn selbst gelte, dass er weiterhin der Auffassung sei, dass der Satz „kurze Beine, kurze Wege“ wichtig sei. Doch die Meldedaten, Geburten und Prognosen ließen keinen anderen Schluss zu als die Zentralisierung der Grundschule in Morsbach. „Meine Haltung hat sich nicht geändert, sondern die Grundlage für meine Entscheidung.“ Es sei wichtig, jetzt eine Richtung für die Zukunft vorzugeben, an der sich künftige Eltern orientieren können. Man müsse wissen, wie die Grundschule Morsbach künftig aussehen soll, damit sich viele Familien bewusst dafür entschieden.

 

[Die Grundschule soll am Standort Morsbach zentralisiert werden.]

 

Die Fraktionen hatten sich im Vorfeld der Sitzung in einem gemeinsamen Statement geäußert (es ist hier zu lesen). Trotzdem ergriffen einige Räte das Wort. Kevin Wirth (BFM-UBV) sagte, dass sie sich der Bedeutung der Außenstandorte für die Dörfer bewusst seien, diese dort Identität schafften. „Wir haben lange nach einer Lösung gesucht.“ Den Bürgermeister nahm er in Schutz. „Die Verantwortung für die Entscheidung liegt bei allen.“ Das Ziel sei es, das Beste für die Kinder der Gemeinde zu erreichen. Heike Lehmann (CDU) betonte ebenso, dass die Entscheidung nicht leichtgefallen sei. Sie dankte auch jenen, die für den Erhalt aller Standorte kämpfen. Mit der Richtung, die nun vorgegeben wird, sei auch eine „Chance verbunden“, um am zentralisierten Standort in Morsbach „ein neues Wir-Gefühl“ zu entwickeln.

 

Bernadette Reinery-Hausmann (Grüne) erinnerte sich an die Diskussion um die Zukunft der Grundschule vor 17 Jahren. Damals war sie anders ausgegangen. „Es waren andere Bedingungen und demografischen Entwicklungen.“ Obwohl es ihr „unendlich“ schwerfalle: Zur Zentralisierung gebe es dieses Mal keine andere Möglichkeit, wenn Bildungsgerechtigkeit, die finanzielle Situation und die teils marode Infrastruktur in Holpe herangezogen werden. Für Lichtenberg und Holpe müssten nun auch gute Konzepte für die Zukunft gefunden werden.

 

Nur Frank Hombach (SPD) stimmte gegen die Zentralisierung. Er bezweifelte, dass tatsächlich alle Möglichkeit ausgeschöpft und die Argumente richtig gewichtet wurden. Nicht alle Zahlen und Informationen sei klar transportiert worden, meinte Hombach. Der Schaden, der durch die jetzige Entscheidung entstehe, sei höher einzuschätzen als die nötigen Investitionen. Nicht zuletzt kritisierte er, dass das gemeinsame Statement der Fraktionen zusammen mit der AfD zustande gekommen sei.

 

Wenn die noch erforderlichen Stellungnahmen bei der Verwaltung eingegangen sind, sollen diese bewertet werden. Anschließend soll der Rat dann endgültig über die Zentralisierung entscheiden.

 

„Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“

 

In einem Statement von Vertretern der Schulkonferenz, das von Christina Schindler, Sprecherin des Amitola-Standorts Lichtenberg, verteilt wurde, wird die neue Beschlussvorlage nach dem Einschreiten der Kommunalaufsicht als „rechtlicher Etikettenschwindel“ bezeichnet. Dabei würde das gesetzliche Beteiligungsverfahren „zur reinen Formsache“ degradiert. Außerdem sei eine ergebnisoffene Diskussion kaum möglich, wenn sich die Fraktionen schon vor der Sitzung entschieden hätten. Nicht zuletzt wird kritisiert, dass die Schulkonferenz, in der es viele neu gewählte Mitglieder geben wird, nur etwa zwei Wochen haben werde, um sämtliche Studien und Argumente zu prüfen. Dies sei ein „gezieltes Durchpeitschen einer politischen Absicht“.

 

Bürgermeister Schumacher widersprach der Darstellung und verwies vor allem auf den langen und offenen Prozess, im Rahmen dessen sich alle Seiten in die Diskussion einbringen konnten. Von der Information der der Eltern der Grundschule und Kindergärten im April über die Gespräche mit den Schulpflegschaften bis zum Bürgerdialog Ende Juni. Daneben wurde in den politischen Gremien diskutiert, öffentlich, aber auch nichtöffentlich in einem Arbeitskreis. Auf Grundlage dieser vielen Eindrücke, Diskussionen und Gespräche habe die Politik bereits im Vorfeld eine Haltung formuliert. Entschieden widersprach Schumacher auch Vorwürfen aus den Sozialen Medien, dass der Bürgermeister oder der Ältestenrat allein entscheiden würden. „Auch ich habe nur eine Stimme.“ Was die Frist für die Stellungnahme der Schulkonferenz angeht, so könne diese auch verlängert werden, sagte Fachbereichsleiterin Hammer.

 

Nach der Entscheidung im Rat kündigten Christina Schindler und Marius Mackenbach, Vorsitzender des Fördervereins des Grundschulstandorts Holpe, an, sich weiter für den Erhalt der Außenstandorte einzusetzen. „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“

 

Statement der Interessengemeinschaft für den Erhalt der Schulstandorte Holpe und Lichtenberg von Anfang September. 

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