REICHSHOF

„Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit“

ad; 02.08.2026, 18:44 Uhr
Fotos: Astrid Deckers --- Mit einer Gedenkminute und dem Erzählen ihrer Lebensgeschichte wurde der Roma Magdalena Horvath gedacht.
REICHSHOF

„Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit“

ad; 02.08.2026, 18:44 Uhr
Reichshof – Auf dem evangelischen Friedhof fand heute eine Gedenkstunde statt – Anlass war der europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma.

Von Astrid Deckers

 

Anlässlich des heutigen europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und Roma fand eine Gedenkveranstaltung auf dem evangelischen Friedhof in Denklingen statt. Gerhard Jenders, Vorsitzender des Vereins „Unser Oberberg ist bunt, nicht braun!“ stellte in seiner Gedenkrede fest, dass in allen Sterbeurkunden der 91 Menschen, die in den begehbaren Gräbern des Friedhofs bestattet sind, die Todesursache „Tuberkulose“ lautete, man jedoch auch „Faschismus“ hätte schreiben können. Alle seien „Opfer der Nazi-Faschisten geworden“, da sie sich die Tuberkulose in den Zwangslagern der Nationalsozialisten zugezogen hätten, als Kriegsgefangene, Zwangsarbeitskräfte und als Insassen.

 

So sei es auch Magdalena Horvath ergangen, womit sie stellvertretend für diejenigen Regimeopfer stehe, die von den Nazis verschleppt wurden und später, als „Displayed Persons“ bezeichnet, das Grauen nicht überlebt hätten. 1920 im Grenzgebiet zwischen Österreich und Ungarn geboren, lebten sie und ihre Familie, die ein landwirtschaftliches Unternehmen betrieb, bis zu ihrem 18. Lebensjahr ein völlig „normales“ Leben.

 

[Riefen die Teilnehmer zu Engagement statt Gleichgültigkeit auf: Gerald Zillig und Gerhard Jenders (v.li.).]

 

Mit dem Anschluss Österreichs an Deutschland begann im Jahr 1938 die systematische Ausgrenzung der Roma. Kinder wurden zum Schulbesuch nicht mehr zugelassen und im Juni 1939 wurden 440 Roma aus dem österreichischen Burgenland nach Deutschland deportiert. Eine davon war die damals 19 Jahre junge Magdalena Horvath gewesen.

 

Noch im gleichen Monat wurde sie im Konzentrationslager Ravensbrück in einer Liste der SS erfasst und als „arbeitsscheu“ und „Zigeunerin“ diffamiert. Mit 25 Jahren befreite die Britische Armee sie aus dem KZ, wo sie sich zwischenzeitlich mit Tuberkulose infiziert hatte. Danach führt Horvaths Weg nach Denklingen, wo sie in der Burgbergklinik fünf Jahre behandelt wurde. Ihrer Akte dort ist zu entnehmen, dass sie den Wunsch hatte, in die USA auszuwandern. Diesen Traum konnte sie nicht mehr verfolgen, am 1. April 1951 starb Horvarth im Alter von 30 Jahren in der Klinik an der Tuberkulose.

 

Die bewegende Lebensgeschichte Horvaths nahm Jenders zum Anlass, die Anwesenden aufzufordern, gemeinsame Werte zu verteidigen und gegen „Rassismus, Antiziganismus und Antisemitismus“ aufzustehen und sich für „Menschenrechte, Respekt, Toleranz und Liebe einzusetzen. Hier und heute, morgen und überall.“

 

Reichshofs stellvertretender Bürgermeister Gerald Zillig führte in seiner Ansprache aus, wie wichtig das Gräberfeld für Denklingen sei. Hierbei handele es sich nicht nur um „einen Platz der Stille“, sondern auch um einen „Ort, an dem Geschichte nicht in Büchern steht, sondern in einem Grabstein ihren Namen trägt.“ So trage auch diese Gedenkstunde dazu bei, dass Namen und Schicksale nicht in Vergessenheit gerieten. Dies sei jedoch keine „Pflichtübung, sondern ein Auftrag“, demokratische Werte zu schützen und jeder Form von Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten. Mit den Worten des Schriftstellers Elie Wiesel („Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass, sondern Gleichgültigkeit“) beendete er seine Gedenkworte und machte den Anwesenden Mut, nicht gleichgültig zu akzeptieren, sondern aktiv jeder Form von Menschenfeindlichkeit und Rassismus zu begegnen.

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