REICHSHOF

In Reichshof fliegen Blutproben künftig per Drohne ein

pn; 24.03.2026, 16:00 Uhr
Fotos: Peter Notbohm (Titel und Textfoto 1), Morpheus Logistik (Textfotos 2 und 3) ---- Die beiden Vertreter der Firma Morpheus Christopher Bergau (r.) und Alexandra Potthoff (m.) stellten Bürgermeister Jan Gutowski (l.) und interessierten Bürgern die Drohnen vor, die ab diesem Jahr den Transport von Blutproben aus Bergisch Gladbach nach Wenrath übernehmen sollen.
REICHSHOF

In Reichshof fliegen Blutproben künftig per Drohne ein

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pn; 24.03.2026, 16:00 Uhr
Reichshof - Unbemannte Drohnen sollen den Transport von Laborproben aus Bergisch Gladbach zu LaborUnion in Wenrath übernehmen - Das soll Kosten und vor allem Zeit einsparen und so Menschenleben durch schnellere Behandlungen retten.

Von Peter Notbohm

 

Noch hört es sich nach Science-Fiction an, soll aber noch in diesem Jahr Realität werden. Rund 50 Kilometer liegen zwischen dem Bergisch Gladbacher Stadtteil Hebborn und dem Labor der LaborUnion in der Reichshofer Ortschaft Wenrath. Eine Strecke voller Ampeln, Staus und verkehrsbedingter Unwägbarkeiten – auch für die täglichen Auto-Transporte mit Blutproben, die bei der LaborUnion ausgewertet werden. Um die langwierigen Transporte zu umgehen, sollen die medizinischen Transporte schon bald durch Drohnen erfolgen.

 

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Der Begriff „Drohne“ ist in der Öffentlichkeit nicht erst durch den Ukraine-Krieg negativ behaftet. Derzeit stehen sie vor allem im Zusammenhang mit Krieg, Gewalt und Bomben. Dass Drohnen aber auch einen sinnvollen, zivilen Zweck erfüllen können, will nun das Dortmunder Logistikunternehmen Morpheus Logistik, das in Lüdenscheid gegründet wurde, unter Beweis stellen und Drohnen für Transporte in der medizinischen Grundversorgung einsetzen.

 

[Im Innenraum der Drohnen werden Blutproben und diagnostische Materialien in speziell gesicherten Transportbehältern befördert. Verschiedene Sicherheitsstufen bei Verpackung und Ladungssicherung sorgen dafür, dass keine Gefahrenstoffe, zu denen Blutproben zählen, austreten können.]

 

Die ersten Testflüge sollen kommende Woche im Oberbergischen beginnen, vorgestellt wurde das Projekt bereits am Montagabend im Dorfgemeinschaftshaus in Sinspert. „Mit unseren Drohnen verfolgen einen ganz anderen Zweck. Wir wollen Leben retten“, sagt Christopher Bergau, Head of Growth bei Morpheus. Die vorgesehenen Drohnen, die das Unternehmen über langjährige Partner wie die HHLA Sky aus Hamburg oder Striekair aus Gütersloh bezieht, werden in Echtzeit aus Dortmund gesteuert, wiegen inklusive ihrer Ladung maximal 25 Kilogramm, haben eine Spannweite von fast drei Metern, sind mit etwa 115 Stundenkilometer unterwegs und für den Notfall mit einem Fallschirm ausgestattet, um unkontrollierte Abstürze auszuschließen. Sie werden in abgewandelter Form auch von der Bundespolizei für den Grenzschutz eingesetzt.

 

Den Vorteil der Blutproben aus der Luft beschreibt Unternehmenssprecherin Alexandra Potthoff: „Statt Sammellieferungen können wir mehrere kleine Dosen transportieren. Das bedeutet schnellere Ergebnisse für die Ärzte und damit auch schnellere Behandlungen für die Patienten.“ Viele Proben müssen innerhalb bestimmter Zeitfenster im Labor eintreffen. Ein Notfalltransport per Taxi könne dabei schnell bis zu 700 Euro kosten, erklärt Potthoff. Durch die Unabhängigkeit der Drohnen vom Straßenverkehr werden die Transportzeiten günstiger, stabiler und oft auch kürzer. Etwa 30 Minuten wird der Flug von Bergisch Gladbach ins Oberbergische dauern.

 

Weitere Nebenaspekte: Kosteneinsparungen für das Gesundheitssystem und auch Umweltschutz. Laut Morpheus spart allein die Übernahme der Route zwischen Bergisch Gladbach und Reichshof, die bislang längste Drohnenlogistikstrecke in Deutschland, jährlich 6,9 Tonnen CO2-Emissionen ein. Potthoff spricht angesichts des Innovationsaspekts von einem Leuchtturmprojekt für die Region.

 

[Die Morpheus-Drohnen sind durch ihr knalliges rot und das Firmenlogo vom Boden zu erkennen.]

 

Geplant sind nach einer ausgiebigen Testphase etwa sieben Flüge pro Tag. Die Hochleistungsdrohnen sollen dann montags bis freitags zwischen 10 und 20 Uhr fliegen. Anders als private Drohnen dürfen die Morpheus-Drohnen auch über Wohngebieten und entlang von Bundesstraßen fliegen, zudem Autobahnen kreuzen. Sie nutzen dabei eine festgelegte und vom Luftfahrt-Bundesamt (LBA) genehmigte Flugroute in klar definierten Luftkorridoren.

 

Das Luftfahrtrecht gehört laut Potthoff zu den am strengsten regulierten Rechten in Deutschland. Allein dieser Genehmigungsprozess und die Erstellung des Sicherheitskonzepts habe mehrere Jahre angedauert. Morpheus sei eines der ersten Unternehmen, das bundesweit die entsprechenden Genehmigungen hat. Die Firma verstehe sich selbst als Airline wie Lufthansa oder Condor, spricht Potthoff von „einem Standard, den wir uns selbst auferlegt haben“.

 

Die ersten Testflüge fanden noch in Lüdenscheid statt, wo das Unternehmen aus einem Produktionsverbindungshandel heraus entstand. Die Idee kam Firmengründer Norman Koerschulte aufgrund des Verkehrskollaps rund um die Rahmedetalbrücke. Angesichts verstopfter Straßen verlagerte man den Versand von Werkzeugen zum Kunden mit damals noch kleineren Drohnen in die Luft, erklärte Bergau.

 

Inzwischen ist das noch junge Startup gewachsen. Aus dem Leitstand in Dortmund werden bundesweit von jedem Piloten bis zu fünf Drohnen gesteuert. Sie sind dank modernster Technik vollautomatisiert, aber nicht vollautonom. Die Piloten können jederzeit ins Fluggeschehen eingreifen, sollte es zu Problemen kommen; sie treffen die letzte Entscheidung. Sollten alle technischen Fallstricke reißen, verfügt die Drohne zudem über einen Fallschirm und verursacht laut Morpheus dann außerdem einen extremen Lärm, um Menschen und Tiere am Boden vor der Landung zu warnen.

 

[Piloten kontrollieren jederzeit den Flug der Drohnen. Sie dürfen nur auf vom Luftfahrt-Bundesamt klar definierten Luftkorridoren fliegen.]

 

Apropos Lärm: Den verursachen die Drohnen laut dem Unternehmen nur bei Start und Landung (etwa 90 Dezibel). In ihrer Flughöhe von 70 bis 100 Metern Höhe gleite sie im Flächenflug dagegen nahezu geräuschlos. Bei schlechtem Wetter kann sie nicht eingesetzt werden. Das heißt ab Windgeschwindigkeiten von über 14 Metern pro Sekunde (Windstärke 7) oder besonders starkem Regen muss ein Drohnenersatzverkehr am Boden eingerichtet werden. Die Drohnen, die bis zu 60.000 Euro kosten, verfügen über eine Kamera, deren Bilder in Echtzeit an den Leitstand übermittelt werden. Es findet keine Speicherung statt, betont Potthoff die DSGVO-Konformität.

 

Die Gemeindeverwaltung, Behörden und vor allem die Öffentlichkeit habe man bewusst vor den Tests mit ins Boot holen wollen, ehe der Regelbetrieb losgeht. „Dieses Projekt funktioniert nur, wenn es von der Region und den Menschen getragen wird“, sagt Bergau. Wie lange die Testphase andauern wird, ist noch unklar, der Jungfernflug soll im Rahmen eines Events gefeiert werden.

 

Von Reichshofs Bürgermeister Jan Gutowski gab es im Anschluss an die Präsentation viel Lob, auch weil zahlreiche Anwohnerfragen transparent beantwortet wurden: „Ich bin ein bisschen stolz, dass wir als Pilotregion dabei sein dürfen. Sie haben hier klar aufgezeigt, dass es auch gute Drohnen gibt und ich hoffe, dass wir auch als Patienten davon profitieren werden.“

 

Bei Morpheus glaubt man jedenfalls an das Potenzial der Drohnenflüge und will nach dem Aufbau der Strecke nicht nur Waren, lebenswichtige Medikamente und Laborproben transportieren, sondern auch das Potenzial haben, bestehende Logistik- und Transportsysteme grundlegend zu ergänzen und bei Bedarf zu ersetzen.

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