SOZIALES
Für mehr Teilhabe und weniger Einschnitte
Oberberg – Inklusive Freizeitmesse in Wipperfürth diente zur Aufklärung und Sensibilisierung – Gemeinsame Aktivitäten standen im Mittelpunkt.
Von Leif Schmittgen
Erstmalig hat kürzlich die inklusive Freizeitmesse in der Alten Drahtzieherei in Wipperfürth stattgefunden. Initiiert wurde die Veranstaltung von Martina Dreher von der „Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsangebote für Menschen mit Behinderung“, kurz KoKoBe, für den Kreisnorden mit Sitz in Lindlar. Seit vergangenem Jahr ist Dreher dort Beraterin für Menschen mit Beeinträchtigung und deren Angehörige.
Die Idee zur Durchführung einer öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung hatte sie gleich aus mehreren Gründen. Zum einen sollte die Gesellschaft für mehr Teilhabe und gemeinsame Aktivitäten sensibilisiert werden. Zum anderen wollte Dreher die Plattform dazu nutzen, um auf die politischen Diskussionen hinzuweisen, durch die auch Menschen mit Behinderung künftig von Kürzungen betroffen sein könnten.
„Der Druck eines unserer Magazine wird ab sofort eingestellt und erscheint künftig nur noch digital“, nennt Dreher im Gespräch mit Oberberg-Aktuell ein Beispiel, an dem konkret gespart wird. In der Gesellschaft mag dieser Schritt zeitgemäß erscheinen. „Unsere Klientel hat aber meistens keine Zugangsmöglichkeiten zu digitalen Medien“, untermauert sie. Somit werde die liebgewonnene Zeitschrift wohl von vielen Menschen schmerzlich vermisst bleiben. Auch darüber wurde in Wipperfürth aufgeklärt. Ebenso waren die Peer-Berater, Menschen mit Behinderung, die ehrenamtlich unterstützen, bei der Messe dabei. Sie berichteten den Besuchern unter anderem über die Zentralisierung der Erstberatung beim Träger Landschaftsverband Rheinland, wodurch bei jeder Unterstützung genauer hingeschaut werden soll - aus Drehers Sicht zum Nachteil der Betroffenen.
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Aber nicht nur die Finanzen waren Messethema, sondern auch ungenutzte Möglichkeiten. „Das Tandem bei der Ökumenischen wird kaum genutzt, dabei kann es kostenlos für Touren ausgeliehen werden“, so Dreher. Das Gefährt verfügt über Anschnallmöglichkeiten sowie zuschaltbare Pedale und wurde am Veranstaltungstag rege getestet. „Ein sehbehinderter Mann freute sich, nach Jahren endlich einmal wieder Fahrradluft zu schnuppern, nachdem er vor fünf Jahren erblindet war“, erklärte die Veranstalterin. Ein anderes Angebot sorgte ebenfalls für Erstaunen: Mittels akustischem Signal können nichtsehende Menschen am Schießsport teilhaben. „Vielleicht könnte das für den einen oder anderen Schützenverein interessant sein“, sagt Martina Dreher auch vor dem Hintergrund des Mitgliederschwundes in vielen Vereinen.
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Mehr Teilhabe wünscht sich die Veranstalterin auch bei Sportangeboten wie Tanz und Selbstverteidigung, Bastel- oder Seniorenveranstaltungen. Aussteller aus fast allen Bereichen waren dabei. Und ein Messethema hat das gewünschte Ziel jedenfalls schon heute erreicht. Unter dem Motto „Lass Deine Hände sprechen“ wurden Bücher in Gebärdensprache entdeckt (Foto oben). Das Angebot soll nun auch in der Wipperfürther Bücherei etabliert werden. Auch der barrierefreie Ballonkorb aus Reichshof wurde ausgestellt und eröffnet Menschen mit Behinderung bereits seit einigen Jahren völlig neue Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.
Über hundert Besucher zählte Dreher, die als Kooperationspartner den Inklusionsbeirat und die Stadt Wipperfürth sowie den Arbeitskreis Inklusion aus Hückeswagen mit an Bord hatte. Sie erhofft sich durch den Besucherschwung in der Drahtzieherei auch regeren Zulauf bei den regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen der Lebenshilfe in Lindlar. In dem Gebäude in der Kamper Straße 13 a gibt es monatlich ein Kaffeetrinken, darüber hinaus werden auch Film- oder Diaabende veranstaltet. Bislang allerdings unter schwacher Beteiligung von nichtbehinderten Menschen, obwohl die Angebote offen für alle sind. Das – so die Beraterin – werde sich hoffentlich nun ändern.
Weitere Informationen gibt es hier.

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