SOZIALES

IB West muss sich von Sprachinstitut und Jugendmigrationsdienst trennen

lw; 13.03.2026, 14:38 Uhr
Archivfoto: Lars Weber.
SOZIALES

IB West muss sich von Sprachinstitut und Jugendmigrationsdienst trennen

lw; 13.03.2026, 14:38 Uhr
Waldbröl – Laufendes Insolvenzverfahren – Nahezu alle Angebote in der Marktstadt bleiben erhalten – Für das Sprachinstitut hofft der Internationale Bund auf die Übernahme durch einen anderen Träger.

Von Lars Weber

 

Seit der Internationale Bund West (IB West), ein in NRW, Niedersachsen und Bremen agierender Dienstleister im Bereich Bildung und Soziales, im November ein Insolvenzverfahren starten musste, herrschte auch in der Marktstadt Waldbröl Verunsicherung. Seit 1977 ist der IB West dort vertreten. Nun haben Bereichsleiter Thomas Michalske, Familienbüro-Leiter Frank Halberstadt und Martin Langen, Leiter des Jungendzentrums Jubs in Trägerschaft des IB West im Sozialausschuss Klarheit darüber geschaffen, wie es mit den Angeboten und Leistungen in der Marktstadt weitergehen sollen. Viele davon sollen weiterlaufen. Trennen wird sich der IB West aber vom Respektcoach – die Stelle würde ohnehin Ende des Jahres auslaufen. Schwerer wiegt die Abkehr vom Sprachinstitut und dem Jugendmigrationsdienst, beides etablierte Angebote. Zumindest für das Sprachinstitut gibt es aber einen Hoffnungsschimmer, dass es in anderer Form weitergeht.

 

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Die Unsicherheit auch bei den Mitarbeitern sei in den vergangenen Wochen groß gewesen, so Michalske. Für viele gibt es Entwarnung. Noch im Unklaren waren am Dienstagabend die Angestellten des Sprachinstituts, wie es weitergeht – und ob überhaupt. Zwölf Festangestellte gibt es dort, hinzu kommen viele freie Mitarbeiter, die aktuell 17 Kurse anbieten. Unter anderem gibt es dort zertifizierte Deutschkurse, Integrationskurse und Berufssprachkurse. Erklärter Wunsch des IB West ist es, das Sprachinstitut inklusive des Personals an einen anderen Träger zu übergeben. Bis zum Anfang der Woche wurde kein Nachfolger gefunden. Dann aber habe laut Michalske ein „erfahrener Sprachkursträger“ Interesse angemeldet, der auch schon in Oberberg tätig sei. Noch in dieser Woche sollte es zu Sondierungsgesprächen kommen. 

 

Eng verzahnt ist das Sprachinstitut mit dem Jugendmigrationsdienst (JMD) Oberberg Süd, wo Jugendliche mit Migrationshintergrund von zwölf bis 27 Jahren im Rahmen einer individuellen Integrationsförderplanung (Case Management) beraten werden. Beide Angebote zusammen sollen helfen, die sprachliche, schulische, berufliche und soziale Integration der Zielgruppe voranzutreiben. Klar ist nun aber, dass der Jugendmigrationsdienst mit einer Stelle zum 30. Juni beendet wird. Eine Entscheidung, die in der Zentrale in Frankfurt gefallen sei, so Michalske. Er hofft, „wenige bis keine Kündigungen“ aussprechen zu müssen.

 

Michalske - selbst schon seit 1994 in Waldbröl für den IB West tätig - ging auch auf die Situation in den vergangenen Monaten ein. Als Insolvenz angemeldet wurde, sei der IB West zwar nicht zahlungsunfähig gewesen – „die Gefahr bestand aber“. Von November bis einschließlich Januar seien die Gehälter von der Arbeitsagentur übernommen worden, nun, mit dem Start des Insolvenzverfahrens am Amtsgericht Köln am 1. Februar, übernimmt dies wieder der IB West. Das Verfahren läuft eigenverantwortlich, es ist also kein Insolvenzverwalter eingesetzt worden. „Es gehe nun darum, das Unternehmen nachhaltig auszurichten.“ Eine stabile und tragfähige Struktur sei das Ziel. Ein großes Problem in der Branche: „Alles wird vorfinanziert, bevor die Leistungen ausbezahlt werden, also auch Mieten und Gehälter.“ Dies habe in der Vergangenheit zu Liquiditätsproblemen für die GmbH geführt.

 

Er betonte, dass diverse andere Angebote des IB West in Waldbröl weitergehen werden. Dazu gehören Umschulungen, Ausbildung, Berufsvorbereitung, Coaching, der Offene Ganztag, Übermittagsbetreuung oder auch die Schulsozialarbeit. Gerade erst neu gestartet in Waldbröl ist das Familienbüro (OA berichtete). Weitere Standorte im Kreis werden noch eröffnet.

 

[Foto: Lars Weber --- Im Jubs finden Kinder und Jugendliche jede Menge Angebote.]

 

Ebenso nicht betroffen ist die Jugendbegegnungsstätte – kurz Jubs - am Schulzentrum. Leiter Martin Langen nutzte die Gelegenheit im Ausschuss, um das Angebot näher vorzustellen. Im Jubs gibt es an jedem Schultag ab 11 Uhr warme Küche und ein Essen für einen Eigenanteil von einem Euro. Rund 65 Kinder und Jugendliche, die meisten zwischen zehn und 18 Jahren, nutzten dieses Angebot. Doch es gibt dort auch Hausaufgabenhilfe, ein Schülercafe, diverse Projekte – vom gemeinsamen Kochen bis zur Magic-Kartenspielrunde – sowie Angebote in den Ferien. Neu ist ein Projekt mit der Helen-Keller-Förderschule, bei dem einmal im Monat die Schülerinnen und Schüler zu ihnen ins Jubs kommen und später auch wieder nach Hause gebracht werden. Das lief so gut, dass nun vermittelt über die Servicestelle Inklusion noch eine weitere Kraft an diesen Tagen aushelfen wird. Im Programm ist auch Demokratiebildung oder die Auseinandersetzung mit Sozialen Medien. „Wir sind offen für alle“, macht Langen klar.

 

Für den IB West soll es in Waldbröl also weitergehen. „Wir bewerben uns weiter auf Maßnahmen“, so Michalske. Gerade erst habe man den Zuschlag für ein Projekt der Arbeitsagentur in Waldbröl bekommen. „Wir wollen verlässlicher Partner bleiben und dafür sorgen, dass das Vertrauen in unsere Arbeit bestehen bleibt.“

 

"Wir sind Eichen" mit Angeboten im Stadtteil

 

Nachdem das Nachbarschaftsbüro im Stadtteil Eichen Ende des vergangenen Jahres schließen musste, möchte nun die Bürgergemeinschaft Wir in Eichen die Arbeit weiterführen und mithilfe ehrenamtlichen Engagements Angebote für den Stadtteil machen, wie Vorsitzender Peter Hildebrandt dem Ausschuss sagte. „Wir wollen offen sein für alle, die Hilfe benötigen, besonders für die Kinder.“ Sie sehen sich als Ergänzung zu den Angeboten des Familienbüros oder auch des Jubs. Sie seien für jede Unterstützung dankbar. Nach den Osterferien soll der Kindermalclub wieder starten. Auch die Müllsammelaktion oder der St. Martinszug sollen stattfinden. Wiederbeleben möchte der Verein das Stadtteilfest.  

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