WIPPERFüRTH
Funkklingeln sollen in Wipperfürth für mehr Barrierefreiheit sorgen
Wipperfürth – Treppen im Eingangsbereich hindern Rollstuhlfahrer oft am Eintritt in Geschäfte – In Wipperfürth kann ihnen nun eine Funkklingel helfen.
Von Peter Notbohm
Nicht nur Rollstuhlfahrer haben es in Innenstädten an vielen Stellen nicht leicht. Auch mit dem Rollator gibt es beim Einkauf manche Hürde – und sei es nur die drei Treppenstufen, die man bewältigen muss, um in manches Geschäft zu gelangen. Barrieren sind im Alltag allgegenwärtig, werden von Menschen ohne Mobilitätseinschränkung häufig gar nicht wahrgenommen.
Auch Frank Bärhausen (58) kennt diese Probleme seit jeher. Der Kölner ist besonders auf längeren Strecken seit seiner Geburt auf einen Rollstuhl angewiesen. Vor zwölf Jahren wollte er in Dellbrück ein Eis essen, konnte die Eisdiele aber nur schwerlich betreten. Das muss einfacher gehen, dachte sich der 58-Jährige damals und entwickelte in der Folge das Projekt „Drück mich und wir helfen dir! – Mobil im bergischen Land“.
Die Idee dahinter: Eine gut sichtbare Funkklingel an einem auffälligen Schild am Eingang von Läden und Lokalen ermöglicht es Betroffenen, unkompliziert auf sich aufmerksam zu machen und Unterstützung anzufordern. Die Idee ist einfach, wirkungsvoll und trägt dazu bei, Barrieren im Alltag abzubauen. Weil das Projekt in Dellbrück gut angenommen wurde, verselbstständige es sich. Inzwischen gibt es auch in Engelskirchen, Radevormwald und Rösrath die Klingeln an vielen Geschäften und verbessern die Mobilität.
Seit Montag gibt es die „Drück Mich“-Funkklingeln nun auch in Wipperfürth. Mit Unterstützung der Rösrather Dr.-Jürgen-Rembold-Stiftung und der Ambulanten Pflege „Lebensbaum“ können Wipperfürther Geschäfte und Lokale die Klingel kostenfrei installieren lassen. „Die Idee ist so naheliegend und doch so einfach, aber die guten Ideen sind immer einfach“, findet Lebensbaum-Geschäftsführer Bernhard Rappenhöner. Menschen kämen dort an Grenzen, wo das Umfeld nicht stimmt, erklärt er: „Mit der Klingel haben wir einfaches, unkaputtbares System und ermöglichen trotzdem den Zugang zu Räumen, die sonst verschlossen sind. Das kostet fast nichts, hilft aber sehr vielen Menschen.“
Auch Stifter Jürgen Rembold spricht von einer nachahmenswerten Initiative. „Wir fördern die, die sich für andere einsetzen“, erläutert er. Mit der Klingel könne man mit nur sehr geringem Geldeinsatz „sehr viel Wirkung erzielen“. Die helfende Hand sei dabei nicht nur auf mobilitätseingeschränkte Menschen begrenzt, auch Kinder, die sich verlaufen haben oder Menschen, die sofort Unterstützung benötigen, hätten damit eine unkomplizierte Anlaufstelle. Rembold hofft, dass viele Ladenbesitzer in der Wipperfürther Innenstadt die Klingel installieren lassen. Die Kosten dafür übernimmt seine Stiftung, die Konfiguration übernimmt Lebensbaum.
Wipperfürths Bürgermeisterin Anne Loth ist begeistert und spricht von einem tollen Projekt für mobilitätseingeschränkte Bürger: „Die Stadt hat schon viel barrierefrei ausgebaut, aber ganz barrierefrei kriegt man es leider nie hin.“ Auch Alexandra Abel von der städtischen Senioren- und Pflegeberatung weiß, dass manche Ladenlokale und auch Arztpraxen nur schwer erreichbar sind. Umso wichtiger sei es, „solche einfachen, aber geniale Dinge unterzubringen“. Beate Schimmelpfennig vom Inklusionsbeirat spricht vom „nächsten Schritt zu mehr Barrierefreiheit und für bessere Teilhabe aller Menschen“ in Wipperfürth.
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Die erste Klingel ist am Montag bereits angebracht worden. Am Eingang zum Stoffgeschäft „Fadenspiel – Die Nähwerkstatt“ kann nun unkompliziert Hilfe angefordert werden. Für Inhaberin Claudia Stawiarski (Foto, r.) eine Selbstverständlichkeit, da man ihre Geschäftsräume erst nach drei Stufen betreten kann: „Das ist ein tolles Projekt, weil wir viele ältere Kunden haben, die sich mit dem Reinkommen schwertun.“
Interessierte Ladeninhaber, Arztpraxen und Dienstleister können sich direkt mit Lebensbaum oder der Seniorenberatung Wipperfürth in Verbindung setzen, um die „Drück Mich“-Klingel als weiteres Element der Barrierefreiheit installieren zu lassen.
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