WIPPERFüRTH
Humorvoller Blick auf den alltäglichen Wahnsinn
Wipperfürth - Guido Cantz war mit seinem neuen Soloprogramm „Komische Zeiten“ zu Gast in der Alten Drahtzieherei.
Von Louisa Krüger
Vor einem ausverkauften Saal hat der Kölner Entertainer Guido Cantz am Freitag in der Alten Drahtzieherei in Wipperfürth sein sechstes Soloprogramm „Komische Zeiten“ präsentiert. Der Komiker, der seit 34 Jahren auf den deutschen Bühnen aktiv ist, sparte nicht mit Lob für die Gastgeber und betitelte die Hansestadt scherzhaft als die „schönste Stadt Deutschlands“.
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[Das Publikum genoss einen humorvollen Abend im stimmungsvoll ausgeleuchteten Saal.]
Er stellte direkt klar, dass man den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen am besten mit Humor begegne. Es passierten derzeit Dinge auf der Welt, die man als Komiker kaum noch toppen könne. „Wir leben definitiv in komischen Zeiten“, erklärte Cantz. Die Lage sei zwar oft hoffnungslos, aber keineswegs ernst, weshalb man sich in diesen Zeiten den Spaß selbst machen müsse. Inhaltlich spiegelte das Programm die gesellschaftlichen Diskussionen wider, die auch die aktuellen Nachrichten bestimmen. Neben dem Klimawandel, der künstlichen Intelligenz und der Legalisierung von Cannabis bildete auch die politische Korrektheit den Kern der Pointen.
Der gesamte Auftritt wurde visuell von einem wechselnden Bühnenbild sowie passenden Lichteffekten und Videos begleitet. Inmitten dieser Kulisse widmete sich Cantz unter anderem dem Thema der Künstlichen Intelligenz (KI) und präsentierte absurde Fragen, die er dem System schon immer einmal stellen wollte, wie beispielsweise: „Haben Eisläufer grundsätzlich Gleitzeit?“. Auf humorvolle Weise testete er die Grenzen der Technik aus und präsentierte ein von der KI generiertes Lied mit dem Titel „In der Friedhofsschreinerei“, das eine Mischung aus Kinderlied und Trauermusik darstellen sollte und von ihm selbst am Klavier begleitet wurde. Für direkte Interaktion mit dem Publikum sorgte das Ratespiel „Heino oder Hosen“, bei dem ein Zuschauer aus Wipperfürth Liedzeilen von Heino oder den Toten Hosen zuordnen musste und anschließend ein Buch des Komikers gewann.
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[Für ein interaktives Ratespiel holte Cantz einen freiwilligen Zuschauer auf die Bühne.]
Auch die politische Lage wurde thematisiert. Mit Blick auf seinen eigenen Nachnamen bot sich Cantz scherzhaft als zukünftiger „Bundescantzler“ an. Dem Bundeskanzler Friedrich Merz widmete er am Klavier ein Lied mit dem Titel „Merzi, dass es dich gibt“. Weitere Parodien galten der Linken-Politikerin Heidi Reichinnek sowie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, dessen politische Arbeit als Lied mit dem Titel „Karl, der Kiffer“ dargeboten wurde.
Nach einer 30-minütigen Pause widmete sich Cantz im zweiten Teil des Abends den privaten „komischen Zeiten“. Er erzählte von der Herausforderung, wenn in den eigenen vier Wänden die Midlife Crisis, die Wechseljahre der Partnerin und die Pubertät des 15-jährigen Sohnes aufeinandertreffen. Diese Konstellation nannte Cantz das „Bermudadreieck der Emotionen“. Während sich seine eigene Krise durch Golfspielen, einen Thermomix und Wanderungen äußere, gestalte sich die Kommunikation mit dem Sohn schwierig. „Guten Morgen gilt als Gespräch“, erklärte der Komiker. „Ich versuche zwar stets, der fröhliche Vater zu sein, doch im Alltag zeigen sich auch hier die veränderten, komischen Zeiten,“ ergänzte er. Auch der Sprachgebrauch der Jugend sei ein Zeichen des Wandels.
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Gegen Ende des Auftritts appellierte Cantz an die Zuschauer, im Alltag wieder „ein bisschen mehr Quatsch“ zu machen. Der Abend endete mit einem Lied am Klavier über die Frage, ob früher wirklich alles besser gewesen sei, was Cantz mit einem deutlichen „Nein, auf keinen Fall“ beantwortete. Unter langanhaltendem Applaus bedankte er sich für die gemeinsame Zeit und stand den Besuchern im Anschluss noch für Autogramme und Fotos zur Verfügung.

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