BERGNEUSTADT
Videoüberwachung am Talpark? Im Rathaus sieht man Datenschutz-Probleme
Bergneustadt – Bergneustadts Politik diskutiert weiter intensiv, wie man sich künftig gegen Vandalismusschäden schützen will.
Von Peter Notbohm
Die Chance, den Spielplatz Talpark in Bergneustadt mit einer Videoüberwachung vor Vandalismus zu schützen (OA berichtete), steht eher schlecht. Das ist jedenfalls die erste rechtliche Einschätzung aus dem Bergneustädter Rathaus, die Fachbereichsleiter Andreas Wagner am Montag im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss öffentlich machte. Er stützt sich dabei auf ein Urteil des Oberverwaltungsgericht Münster aus dem Jahr 2022, wonach Videoüberwachung im öffentlichen Raum erst dann datenschutzrechtlich unproblematisch ist, wenn an betroffenen Stellen im öffentlichen Raum wiederholt schwere Straftaten stattgefunden haben. Dazu zählen u.a. Sexualstrafdelikte, Drogenhandel oder schwere Erpressung. „Ich glaube nicht, dass ein aufgebrochener Automat für eine Murmelbahn da ausreicht“, sagte Wagner, der keine präventive Wirkung aus dem Urteil herausliest.
Der Ausschussvorsitzende Detlef Kämmerer (SPD) kämpft trotzdem um den Antrag der Sozialdemokraten. Er sprach von einer „ein bisschen schwammigen Gesetzeslage“ und warb erneut für eine Videoüberwachung des Spielplatzes, da diese seiner Meinung nach „durchaus sinnvoll“ sei. Man wolle Vorfälle wie in Lindlar vermeiden, wo am Abenteuerspielplatz ein Schaden von rund 150.000 Euro verursacht wurde (OA berichtete). „Es geht ausdrücklich nicht darum, Menschen tagsüber zu überwachen oder irgendjemanden wegen weggeworfenem Müll zu verfolgen“, betonte Kämmerer.
Kritik gab es aus Reihen der UWG. Die EU habe den aktuell gültigen Datenschutz nicht ohne Grund von oben herunterdiktiert, meinte Sven Oliver Rüsche: „Es sollen Daten vermieden werden, die nicht unbedingt nötig sind. Ist ein Spielplatz so relevant? Was ist dann mit dem Rathausplatz oder Schulhöfen?“ Gleichzeitig stellte er die Kostenfrage für eine Videoüberwachung und wer letztlich Zugriff auf die Bilder habe.
Auch Kämmerer sagte, dass ihm bewusst sei, dass die Stadt mit einer Videoüberwachung ins Klagerisiko ginge. Andere Kommunen seien bereits zu Ordnungsgeldern in Höhe von 2.500 Euro verurteilt worden. Deshalb gab es von ihm einen Alternativvorschlag. Der Antrag soll auf Wiedervorlage für den September gesetzt werden. Bis dahin soll die Verwaltung die Kosten für das Betreiben einer Videoüberwachung sowie die offenen datenschutzrechtlichen Fragen prüfen. Zudem sollen Vandalismusschäden dokumentiert werden. Albert Funk (CDU) brachte zudem eine mögliche Überwachung am Kleinspielfeld Hackenberg ins Spiel, „wo ebenfalls ständig Vandalismus stattfindet“. Der Ausschuss stimmte dem Vorgehen bei einer Gegenstimme der UWG zu.
Versichert ist die Stadt gegen solche Schäden wie in Lindlar übrigens nicht. Bürgermeister Matthias Thul (CDU) hatte dies am Montag auf Anfrage der CDU noch bejaht, musste sich am Dienstag nach einer genaueren Prüfung aber korrigieren. Der Versicherungsbaustein für unbewachten, öffentlichen Raum sei sehr teuer. Die Stadt habe in den vergangenen Jahren darauf verzichtet, da die Schäden sich im Rahmen hielten. Aktuell sei man aber dabei, Angebote einzuholen, so Thul gegenüber Oberberg-Aktuell.
KOMMENTARE
1
Eine Posse !
ist es daß man sich wegen Datenschutz hinter einer Videoüberwachung versteckt.
In vielen Ländern gibt es Live Webcams und sicherlich auch mit der der Möglichkeit diese Bilder aufzuzeichnen.
Hierzulande könnten viele Straftaten aufgeklärrt beziehungsweise verhindert werden, wenn es diese Videoaufzeichnung geben würde.
Ich würde das befürworten !
Dazu hätte man mein Einverständnis!
Walter Mutz aus Wipperfürth
2
Unsere Datenschützer,das tut schon Not, aber selber Lidl und Kaufland App auf dem Smartphone. Wenn ich selber kein Dreck am Stecken habe, was stört dann solch eine Überwachung ?
Jörg Frede, 25.02.2026, 11:27 Uhr3
Traurig genug, das man überhaupt über so etwas nachdenken muss, da es anscheinend anders nicht geht. Da wird Steuergeld in die Hand genommen, um etwas schönes für die Kinder zu bauen, und diese Idioten haben nichts besseres zu tun als es zu zerstören. Abgesehen davon, möchte ich garnicht wissen was da sonst so abends passiert - Drogenhandel etc. nicht ausgeschlossen.
Zum Thema Datenschutz habe ich sowieso ne eigene Meinung - Wer nichts zu verbergen hat, muss sich auch keine Gedanken über die Aufzeichnungen machen.
4
Wieso macht man es nicht einfach so wie es von den Einkaufsmärlten schon lange gemacht wird. Hier wird der Parkplatz per Kamera überwacht und keiner mekert. ?????
pb, 26.02.2026, 10:52 Uhr5
"Ich habe ja nichts zu verbergen ..." . Tolles Argument. Das Argument hinkt, wenn man sich im Darkweb so umschaut und über nahezu jeden Bürger ein geschärftes Profil findet. Das Lieblingspasswort beim Flicker-Leak. Die Handynummer und die Kreditkartennummer vom Paypal Leak und dann kommen noch die Bewegungsdaten aus zahlreichen öffentlichen Kameras (die meistens technisch nicht gepflegt werden und Updates vergessen werden). Und für alle anderen Grundlagen für das "Social Engineering" liefern dann die Sozialen Netzwerke mit Urlaubsbildern notfalls auch von den eigenen Kindern auf chinesischen Servern von TikTok. Und der Papa wundert sich, dass sein Arbeitgeber dann eMails erhält, die genau diese ganzen Informationen schön mit KI aufbereitet, für gezielte Phishing-Attacken genutzt werden...
Datenschützer, 27.02.2026, 11:50 UhrLinks zu fremden Internetseiten werden nicht veröffentlicht. Die Verantwortung für die eingestellten Inhalte sowie mögliche Konsequenzen tragen die User bzw. deren gesetzliche Vertreter selbst. OA kann nicht für den Inhalt der jeweiligen Beiträge verantwortlich gemacht werden. Wir behalten uns vor, Beiträge zu kürzen oder nicht zu veröffentlichen.