LOKALMIX
„Die Zukunft der Arbeit wird jetzt entschieden!“
Gummersbach – Die IG Metall Gummersbach hat heute zum ersten Mal einen Betriebsrätetag veranstaltet – Über 220 Betriebsräte in der Halle 32 – Austausch mit Landrat und Bürgermeistern.
Für die IG Metall Gummersbach gab es heute eine Premiere: Zum ersten Mal hat die Gewerkschaft einen Betriebsrätetag veranstaltet. Über 220 Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus 95 Firmen kamen dazu in die Gummersbacher Halle 32, ebenso wie Landrat Klaus Grootens sowie mit Raoul Halding-Hoppenheit, Ulrich Stücker, Lukas Miebach, Sebastian Heimes und Thomas Hellbusch die Bürgermeister aus Gummersbach, Wiehl, Engelskirchen, Marienheide und Nümbrecht. „Die Herausforderungen, über die wir heute reden, lassen sich nicht im Alleingang lösen – nur Hand in Hand“, sagte der Gewerkschaftssekretär Haydar Tokmak, der nach seiner Wahl vergangene Woche künftig das Amt des ersten Bevollmächtigen übernehmen wird (OA berichtete).
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[Gewerkschaftssekretär Haydar Tokmak begrüßt die Betriebsräte der Region.]
„Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen spüren: Da verändert sich etwas Grundsätzliches“, sagte der 43-Jährige. Tokmak sprach über die Wirtschaft, die unter Druck steht, Standorte, die infrage gestellt werden, und Investitionen, die verschoben werden. Er sprach aber auch über die hohen Energiepreise, die internationale Konkurrenz, geopolitische Unsicherheiten, den Fachkräftemangel, die Digitalisierung und die künstliche Intelligenz (KI). Und „all das kommt nicht nacheinander. Es kommt gleichzeitig.“ Mit einhergehen würden nicht zuletzt Sorgen und Ängste und damit Fragen wie „Schaffe ich das noch?“, „Werde ich noch gebraucht?“, „Was passiert mit meinem Arbeitsplatz?“ oder „Entscheidet demnächst ein Algorithmus über meine Leistung?“.
„Es ist gut, dass heute Politik, Arbeitgeberverband, Gewerkschaft und Betriebsräte in einem Raum sitzen“, sagte Tokmak. Zum einen gehe es darum, die Arbeit der Betriebsräte und Betriebsrätinnen sichtbar zu machen, ihnen Wertschätzung zu schenken und sich für ihr Engagement zu bedanken. Zum anderen ist so aber auch ein direkter Austausch möglich. „Eins verbindet uns. Wir wollen alle unsere Arbeitsplätze und Standorte schützen, wir wollen alle eine starke und sichere Wirtschaft“, sagte Tokmak. Umso schockierender war das Bild, als Tokmak fragte, wer von den Anwesenden in den vergangenen zwölf Monaten mit Personalabbau, Umstrukturierung, Verlagerung oder Standortfragen zu tun hatte – was von zahlreichen Personen mit einem Aufstehen bejaht worden ist.
„Der Wind bläst der deutschen Industrie eiskalt ins Gesicht. Wir befinden uns in einer tiefgreifend strukturellen Krise“, begann Klaus Grootens (Bild), Landrat des Oberbergischen Kreises, seine Rede. Er sieht in der heutigen Zeit einen Wandel, den es so womöglich noch nie gegeben habe. Anhand der aktuellen Lage von „Volkswagen“ (VW) verdeutlichte Grootens, dass nicht nur große Automobilkonzerne zu kämpfen haben. Auch die hier ansässige Zuliefererindustrie, etwa Kunststoff-, Metallverarbeitungs- und Maschinenbauunternehmen, sei von Sparplänen und Stellenabbau betroffen. „Wir sind Industriekreis“, merkte der Landrat stolz an und wies darauf hin, dass 40 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer in der Industrie und dem verarbeitenden Gewerbe tätig seien.
Dass künstliche Intelligenz keine Zukunftsmusik mehr ist, strich die Regionsgeschäftsführerin des DGB NRW für Köln-Bonn, Judith Gövert, heraus. Anknüpfend an Debatten und Sorgen über KI im Arbeitsalltag, ordnete Gövert die Rolle der Betriebsräte in diesen Zusammenhang ein. Rund um die Frage „Was bedeutet das für meinen Arbeitsplatz?“, skizzierte sie die Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz und wies auf die Mitbestimmung der Betriebsräte hin. „Mitbestimmung beginnt am Anfang eines Projekts. Es geht nicht darum, Innovation zu verhindern, aber es geht immer darum, dass Maschinen den Menschen unterstützen, nicht ersetzen“, so Gövert. Wichtig sei vor allem, dass die Digitalisierung die Arbeit besser mache, nicht belastender. Auch das Thema Weiterbildung stand im Fokus. Nur mithilfe von Schulungen und einer qualifizierten Auseinandersetzung mit dem Thema KI, könnten Fehler, Grenzen und Möglichkeiten erkannt werden. Die menschliche Kontrolle bleibe jedoch unverzichtbar, machte sie deutlich.
Raoul Halding-Hoppenheit (Bild), Bürgermeister der Stadt Gummersbach, sieht ein deutliches Signal darin, dass sich sowohl fünf Bürgermeister als auch der Landrat die Zeit nahmen, am heutigen Betriebsrätetag teilzunehmen. Er thematisierte die Historie des Steinmüllergeländes im Kontext der Veranstaltung, erinnerte etwa an die Insolvenz von Steinmüller im Jahre 2002. Der Bürgermeister betonte, dass nach der Unternehmensinsolvenz Chancen in der Katastrophe erkannt wurden. Ulrich Stücker, heutiger Bürgermeister der Stadt Wiehl, war damals als Technischer Beigeordneter in Gummersbach zu einem Großteil an der Entwicklung des Geländes beteiligt. Er zog heute die Parallele zwischen Bürgermeistern und Betriebsräten. „In den Kommunen würde keine Stadtentwicklung stattfinden, wenn es keine starken Unternehmen geben würde“, so Stücker. Die Betriebsräte seien dafür eine wichtige Grundlage.
Trotz fehlender Planungssicherheit und aufkeimender Angst und Sorge, wies der Landrat darauf hin, dass aufkommende Veränderungen und mögliche Innovationen die Situation verbessern könnten. Dabei sprach er auch über einen Bürokratieabbau und bezahlbare Energie. Wichtig sei, sich darauf einzulassen. Eine besondere Rolle schrieb er in diesem Falle den Betriebsräten zu. „Sie sind die Stimme, sie sind der Blickwinkel derer, die in den Unternehmen stehen und hart arbeiten. Sie sind die Stimme derer, die Sorgen haben“, so Grootens. Nun gelte es, gemeinsam an der derzeitigen Situation zu arbeiten und an einem Strang zu ziehen, sodass die oberbergische Industrie auch in Zukunft stark bleibt. Ein Tag, der Zuversicht und Hoffnung unter den Betriebsräten wecken sollte und hervorhob, welche Wichtigkeit die Räte innehalten.
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[(v. l.) Ulrich Koch (Arbeitgeberverband Oberberg), Bürgermeister Sebastian Heimes, Bundestagsabgeordneter Jan Köstering, Bürgermeister Thomas Hellbusch, Judith Gövert (Regionsgeschäftsführerin des DGB NRW), Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit, Gewerkschaftssekretär Haydar Tokmak, Landrat Klaus Grootens, Werner Kusel (IG Metall), Bürgermeister Ulrich Stücker und Bürgermeister Lukas Miebach.]
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