LOKALMIX
Über 500 Unterschriften für mehr Sicherheit im Radverkehr
Gummersbach - Für mehr Sicherheit für Radfahrer in der Kreisstadt setzt sich eine Bürgeranregung ein, die der ADFC nun im Gummersbacher Rathaus überreicht hat.
Von Peter Notbohm
Beim Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) schnitt Gummersbach im vergangenen Jahr äußerst schwach ab und landete auf den hinteren Plätzen (OA berichtete). Damit sich die Bedingungen für den Radverkehr in der Kreisstadt verbessern, hat der ADFC Oberberg nun eine Bürgeranregung mit 545 Unterschriften im Gummersbacher Rathaus eingereicht. Darin enthalten: Sieben konkrete Vorschläge mit Zielsetzungen und Begründungen.
„Wir wollen, dass in der Politik beraten wird, wie man die Situation verbessern kann“, sagte Dr. Ralph Krolewski, Sprecher der ADFC-Ortsgruppe in Gummersbach, der die Bürgeranregung diese Woche an Francis Jovan, Fachbereichsleiter im Fachbereich 9 - Stadtentwicklung und Klimaschutz, überreicht hat. Um der Bürgeranregung, mit der ein Impuls gesetzt werden soll, Nachdruck zu verleihen, wurden in den vergangenen Wochen u.a. in Windhagen und bei mehreren Fahrradhändlern Unterschriften gesammelt und viele Meinungen eingeholt, berichtete Krolewski.
Häufig habe man dabei gespiegelt bekommen, „dass es als Radfahrer gefährlich ist, in Gummersbach zu leben“. Viele Eltern würden ihre Kinder lieber mit dem Auto überall hinfahren, weil der Weg mit dem Fahrrad zu gefährlich sei. Die Gummersbacher Straße in Niederseßmar sei laut Krolewski von einigen Bürgern sogar als „Todeszone“ bezeichnet worden. Dabei boome der Radverkehr in der Kreisstadt eigentlich. Laut Zahlen des ADFC kommen 825 Fahrräder auf 1.000 Bürger. 30 Prozent davon seien mittlerweile Pedelecs. „Die Leute wollen nicht erst durch die gestiegenen Spritpreise weg vom Auto, gleichzeitig aber auch sichere Wege“, so Krolewski, der von einer Stadtentwicklung spricht, „die für alle lebenswert ist“.
Besonders kritisiert der ADFC, dass es in Gummersbach ein Radverkehrskonzept gebe, dieses von der Politik aber nicht beschlossen werde. Zu den geforderten Maßnahmen gehören eine sichere Querung durch die Innenstadt, Verbesserungen an der Gummersbacher Straße und mehr Tempo-30-Zonen. Aus Sicht des Clubs alles Maßnahmen, die kaum Kosten verursachen würden, die Sicherheit aber deutlich erhöhen würden.
U.a. fordert der ADFC, dass im Innenstadtbereich die Einbahnstraßenregelung an Wilhelmstraße, Schützenstraße und Moltkestraße für den Radverkehr aufgehoben wird, um so mehr Durchfahrmöglichkeiten zu schaffen. Im Ergebnis wolle man so einen inneren Ring nach niederländischem Modell erreichen. Mit dem Aufstellen von Radbügeln in diesen Bereichen würde man Radfahrern zudem den anschließenden Fußweg in die Innenstadt erleichtern.
Eine weitere Forderung: Die Umwandlung des Parkstreifens an der Ostseite der Gummersbacher Straße und Seßmarstraße zwischen dem Abzweig Vosselstraße und Wiesenstraße in einen Radstreifen, der den Radschutzstreifen in diesem Bereich ersetzen soll. Damit sollen die Pendlerströme zwischen Bergneustadt und Gummersbach gestärkt werden.
Entsetzt sei man beim ADFC über die Haltung von Straßen.NRW, Einfärbungen, die auf Gefahrenstellen im Kreuzungsbereich nur im Rahmen von Straßensanierungen durchzuführen. Vor allem im Bereich des Kreuzungsbereichs von Seßmarstraße und Wiesenstraße fordert der ADFC deutliche Entschärfungen durch Piktogramme und eine Anpassung der Ampelanlage zur besseren Steuerung der Verkehrsarten.
Zudem bekräftigten die Initiatoren der Bürgeranregung den Wunsch, dass Gummersbach Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen (AGFS) wird, wodurch man einen besseren Zugang zu Fördermitteln erhalte. Von der Gummersbacher Politik wurde dies bereits abgelehnt, auch weil man eine weitere Stelle im Rathaus schaffen müsste.
Francis Jovan sprach von einem „willkommenen Antrag“ und betonte im Gespräch mit den ADFC-Vertretern, dass es in Gummersbach keine Maßnahme mehr gebe, „wo der Radverkehr nicht berücksichtigt wird“. Die Verwaltung werde die Maßnahmen nun detailliert bewerten und anschließend in den Rat einbringen. Jovan ergänzte aber auch, dass der Radverkehr nicht immer ein Thema des Willens, sondern ein Thema der Begebenheiten sei. Die Topgrafie und Bebauung in der Kreisstadt erlauben nicht immer fahrradfreundliche Maßnahmen.
KOMMENTARE
1
Gummersbach ist von einer fahrradfreundlichen Stadt sehr weit entfernt. Beispiel: Auf der Kaiserstraße darf stadtauswärts bis zur Einmündung der Robertstraße Tempo 70 gefahren werden. Daneben als Radfahrer zu fahren, ist lebensgefährlich. Hier brauchen nur die Tempo 70 - Schilder abmontiert werden, damit die Situation wenigstens etwas entschärft wird. Kosten: Keine!
Besser wäre ein Radweg bis nach Kotthausen.
2
Nur um das mal einzuordnen: Bei der letzten Kommunalwahl waren in Gummersbach gute 40.000 Menschen wahlberechtigt. Bei 545 Unterschriften sprechen wir hier von gerade mal einem guten Prozent an Leuten die etwas fordern. Hier fordert wieder eine Randgruppe das alle (Steuerzahler) für die Wünsche von wenigen bezahlen. Die Politik sollte hier auch mal deutlich sagen das das nicht geht.
Ein Gummersbacher, 19.04.2026, 16:51 Uhr3
Nun, lieber Gummersbacher, wie wir oben lesen konnten, gibt es durchaus Maßnahmen für Radfahrer, die gar nichts kosten und die könnten schnell umgesetzt werden, außerdem zahlt diese Randgruppe auch Steuern.
Aber das Tempo für Autofahrer beschränken.... das ist ja wieder ganz schwierig.
4
Die Maßnahmen des ADFC halte ich für durchaus sinnvoll.
Bei der Seßmarstraße verstehe ich eh nicht, warum der Radweg nicht beidseitig umgesetzt wurde.
Auch in Windhagen (hoch/runter) wäre ein Fahrradstreifen extrem angenehm.
Richtung Strombach wäre eine bessere Anbindung ebenfalls sehr wünschenswert. Insgesamt wäre es super, wenn man aus Gummersbach in alle Richtungen (halbwegs sicher) mit dem Fahrrad herauskommt. Mir ist aber auch durchaus bewusst, dass das nicht so ganz einfach zu realisieren ist.
5
Nun, liebe Gummersbacherin, mein Kommentar bezog sich auf den gesamten Artikel und nicht auf den Vorschlag lediglich die Schilder abzubauen. In der Summe der Maßnahmen (des Artikels) kommt da schon einiges zusammen - inklusive zusätzlichem Personal.
Und nein, Radfahrer zahlen keine Steuern - Autofahrer schon. Aber es wäre schon gut, wenn die Radfahrer auch zur Kasse gebeten werden. Radwege gibt es nämlich nicht umsonst.
6
Der Vergleich Einwohnerzahl Unterschriften = 1% hinkt stark. Sicherlich hat nicht jeder Gummersbacher von der Aktion gewusst. Betroffen sind außerdem Pendler aus bspw. Bergneustadt.
Die im Artikel genannte Zahl (80% der Gummersbacher sind Fahrradfahrer) anzusetzen wäre wiederum zu hoch (meine Eltern haben auch ein Fahrrad im Keller...), aber irgendwo dazwischen wird sich eine relevante Zahl einpendeln.
Davon abgesehen wären 1% (wenn die Zahl den stimmen würde) bei einer Gefährdung für Leib und Leben recht viel. Die im Artikel genannte Problemstelle in der Gummersbacher Straße hat ja erst kürzlich ein Todesopfer gefordert. Also mal Protektionismus beiseite, Änderungen sind notwendig.
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